Bezirksgericht Muri

Brandstifter fackelte gezielt eigene Besitztümer ab

Das Bezirksgericht Muri sprach einen nicht geständigen 50-jährigen Schweizer schuldig und verurteilt ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe. Das Motiv, so das Gericht, sei klar die Aussicht auf die saftige Versicherungssumme gewesen.

Rosmarie Mehlin

An einem Sonntagabend im Oktober 2006 hatte in Bünzen eine Lagerhalle gebrannt, wobei ein Schaden in Millionenhöhe entstanden war. Geldspielautomaten, Billardtische, Flipper- und Dartgeräte mit einem Versicherungswert von 900 000 Franken waren den Flammen zum Opfer gefallen.

Rasch war ermittelt worden, dass der Brand absichtlich gelegt worden war: Kunststoffdachrinnen waren quer durch die Halle ausgelegt, diese in mit Benzin gefüllte und mit Schilfmatten zugedeckte PET-Flaschen gelegt und das Ganze angezündet worden. Ein grosser Teil der eingelagerten Geräte war Opfer der Flammen geworden; der Schaden an der Halle belief sich auf 280 000 Franken.

Am Dienstag stand der 50-jährige Gastronomieunternehmer Manuel (Name geändert) vor dem Bezirksgericht Muri. Er hatte die Halle gemietet und die Geräte darin hatten ihm gehört. Der Staatsanwalt hatte ihn der Brandstiftung und des versuchten Versicherungsbetrugs angeklagt und eine dreijährige, teilbedingte Freiheitsstrafe gefordert.

Manuel hatte stets - und auch vor Schranken - seine Unschuld betont: «Ich schwöre bei Gott, dass ich es nicht war.» Der Ankläger hingegen zählte eine Reihe von Indizien auf, die für Manuels Schuld sprachen: Etwa, dass nur er damals in der Nähe der Halle von Zeugen gesehen worden war.

Dass an seinen Schuhen und Kleidern Glassplitter sichergestellt wurden, die von einer eingeschlagenen Scheibe an der Hintertür stammten, und dass sich auf einer Klebebandrolle, mit der ein Karton über jenem Loch befestigt worden war, ausschliesslich Manuels Fingerabdrücke fanden. Zudem, so der Staatsanwalt, habe der Angeklagte seine Spielautomaten kurz vorher erstmals überhaupt und äusserst hoch versichert gehabt.

Der Verteidiger legte Punkt für Punkt dar, dass die aufgeführten Indizien äusserst dürftig seien und die Schuld seines Mandanten keineswegs rechtsgenüglich beweisen können. Zudem sei Manuels finanzielle Situation im Herbst 2006 keineswegs prekär gewesen, sodass es auch an einem Motiv fehle: Sein Mandant sei deshalb vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.

Das Gericht aber wertete die Indizien als ausreichend für einen Schuldspruch, «faktisch gibt es keine Zweifel und auch das Motiv, Versicherungsbetrug, ist offensichtlich», so Präsident Benno Weber. Eine Mehrheit des Gerichtes folgte auch im Strafmass dem Ankläger: 3 Jahre, die Hälfte davon bedingt, so das Verdikt. Eine Minderheit hätte Manuel zu 3½ Jahren verurteilt, die er vollumfänglich hätte absitzen müssen, da nur Strafen bis 3 Jahre teilbedingt ausgesprochen werden können.

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