Auskunft oder Busse

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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WENN ABENDS das Festnetztelefon klingelt, dann ist die Chance gross, dass da jemand eine Umfrage macht und mich befragen möchte. Es daure höchstens 10 Minuten, heisst es jeweils, aber es werden immer mindestens 20 draus - falls ich mitmache. Aber im Laufe der Jahre habe eine solide Umfrage-Resistenz entwickelt: Ich beende das Gespräch in der Regel noch bevor es richtig begonnen hat. Bisher bin ich ganz gut damit gefahren. Aber seit dem 1. September ist alles anders.

DENN WENN ICH auch künftig ein konsequenter Umfrage-Verweigerer bleibe, kann mich das teuer zu stehen kommen. Seit Anfang Monat gilt die «Bundesverordnung über die Durchführung von statistischen Erhebungen ». Sie schreibt vor, dass die Teilnahme an Telefonumfragen des Bundes obligatorisch ist. Und wer sich verweigert, kann gebüsst werden. Im schlimmsten Fall beträgt die Busse 10000 Franken, wie die Zeitschrift «K-Tipp» herausgefunden hat. Egal, ob die Anrufe am Abend oder am Wochenende erfolgen: Wenn der Bund am Apparat ist, muss ich Auskunft geben. Der Bund braucht meine Antworten, damit er zuverlässige Statistiken über die Schweiz und die Schweizer erstellen kann.

Das Umfrage-Teilnahme-Obligatorium des Bundes könnte weitreichende Konsequenzen haben: Muss ich künftig vorsichtshalber alle telefonischen Umfragen mitmachen? Es könnte ja sein, dass da der Bund auch irgendwie mit drinsteckt. Was passiert, wenn ich konsequent die Festnetzanrufe nicht mehr abnehme? Gilt das auch als Verweigerung und damit als Straftat? Am besten ist wohl, ich kündige den Festnetzanschluss. Dann bin ich auch für den Bund nicht mehr erreichbar. Es sei, es folge bald auch noch das Festnetz-Obligatorium.
joerg.meier@azag.ch