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Auf keinen Fall ohne mein Auto

Offenbar hat die Wirtschaftslage kaum Einfluss auf die Autobegeisterung in Grenchen. Die blaue Parkzone platzt im Zentrum weiterhin fast aus den Nähten. Einzig die Nachfrage nach kurzfristigen Bewilligungen ist eingebrochen.

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Vom Imponiergehabe motorisierter Muskelprotze

«Ich bin dankbar, dass das ‹Baracoa› im Sommer am Freitag- und Samstagabend die Bettlachstrasse sperrt», sagt Robert Gerber. «Dann gibt es dort kein Schaufahren.» Dabei handelt es sich um demonstrative Fahrten im Schritttempo vorbei an Menschenansammlungen. Oft werden Schaufahrten durch ohrenbetäubende Musik aus dem Autoradio begleitet. Das Phänomen ist vor allem aus Nobelferienorten wie St. Tropez bekannt. Doch der Polizeikommandant hat es nach eigener Aussage auch in Grenchen angetroffen. An der Bielstrasse macht sich ein anderes Phänomen bemerkbar. Gerber: «Die Bielstrasse ist akustisch interessant. Das reizt leider gewisse Leute, den Motor aufheulen zu lassen.» Die Folge: Lärmklagen von Anwohnern. Gerber ärgert sich nicht nur über den Lärm der motorisierten Muskelprotze. Das hochtourige Fahren sei oft mit Geschwindigkeitsübertretungen verbunden und daher gefährlich. (dd)

Autobegeisterung ungebrochen

Im Zentrum sind Parklücken rar. Ein Brennpunkt ist die Umgebung der Schulhäuser. Hier haben die Bewohner manchmal Grund, an der Anwohnerprivilegierung zu zweifeln. Eigentlich sollten die Zonenkarten sicherstellen, dass sie nahe beim Haus parkieren können - und nicht, dass Auswärtige dort Autos abstellen.

Vor einem Jahr gab es bis zu 15 Anträge pro Woche für Zonenparkkarten. Inzwischen sind es nach Angabe von Gerber noch ungefähr fünf wöchentlich. Doch weil auch Abgänge seltener geworden sind, entspannt sich die Lage nicht. Für Robert Gerber spiegelt diese Entwicklung die Autobegeisterung in Grenchen. «Die Stadt ist sehr gut motorisiert. Vermutlich war es immer eine Autostadt, aber ich bin nicht lange genug hier, um das beurteilen zu können.» Vom vorletzten zum letzten Jahr hat die Zahl der Autos in Grenchen um 120 zugenommen. Gespannt erwartet Gerber die neuen Zahlen der immatrikulierten Fahrzeuge. Diese werden im September bekannt gegeben.

Ende Mai präsentierte sich die Situation bei den Zonenparkkarten wie folgt: In Grenchen waren 730 Zonenparkkarten ausgestellt, 691 davon für Fahrzeuge mit Schweizer Kennzeichen. Dazu kommen 159 Jahresbewilligungen von Betrieben, die ebenfalls auf eine Zone beschränkt sind. Die 48 Handwerkerbewilligungen ermöglichen hingegen das Abstellen der Firmenfahrzeuge überall in der Stadt.

Kontrolle inbegriffen

Robert Gerber schätzt die Kontrollmechanismen an diesem System. Er erklärt: «Ausländer müssen spätestens nach einem Jahr den Führerschein auf die Schweiz umschreiben. Wenn sie ihre Parkkarte erneuern, sehen wir automatisch, ob sie sich daran halten.» Ähnlich läuft es bei den so genannten Pendlerbewilligungen. Das sind Zonenparkkarten für drei, vier oder sechs Monate. Wenn jemand mehrmals hintereinander eine Pendlerbewilligung beantragt, legt die Polizei dieser Person den Erwerb einer Jahreskarte nahe. Finanziell mache das keinen Unterschied, sagt Gerber.