Daniel Haller

«Die Wohnlage ist wirklich sehr viel ruhiger. Früher sind hier 22 000 Fahrzeuge pro Tag durchgefahren», lobt der Architekt Robert Häfelfinger die Begegnungszone in Sissach, die vor einem Jahr den Alltagsbetrieb aufgenommen hat. Einzig am Freitag- abend werde manchmal etwas gejohlt, doch in erträglichem Masse.

Dass es an den Wochenenden auch mal etwas lauter wird, ist Ausdruck des Lebens, das im Sommer, wenn die Wirte Stühle und Tische rausstellen, im Sissacher Zentrum einkehrt. «Eine Bereicherung und Verbesserung der Lebensqualität», findet Regina Werthmüller, Mitglied der Begleitkommission Begegnungszone. Vizegemeindepräsident Martin Hauswirth, der die Kommission leitet, teilt diese Einschätzung und erinnert sich an Glanzpunkte wie Fasnacht, «Jazz uf em Strich», ökumenischer Gottesdienst, Flohmärkte: «Das hat Betrieb ins Dorf gebracht.»

Last des Parkier- und Suchverkehrs

Die Betriebsamkeit hat aber auch ihre Schattenseiten: Die tagsüber vollen Parkplätze stören für Fussgänger die Übersicht und trüben die Lust am Verweilen. Dazu kommt, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 Stundenkilometer offenbar die Geduld vieler Autofahrenden überfordert: «Jeder zweite ist zu schnell», schätzt Häfelfinger.

«Die Begleitkommission wird dies in ihrer Novembersitzung diskutieren. Die Mitglieder sammeln derzeit die kritischen Punkte», berichtet Hauswirth. Man müsse unterscheiden zwischen ursprünglich privaten Parkplätzen, welche die Eigentümer in den Parkplatzpool eingebracht haben, und jenen, die der Gemeinde gehören. Über die Aufhebung einzelner öffentlicher Parkplätze könne man diskutieren, wenn dadurch Verbesserungen an neuralgischen Punkten möglich sind. Die privaten möchte Hauswirth lieber nicht antasten.

Regina Werthmüller weist darauf hin, dass die Einstellhallen bei den Filialen von Coop und Kantonalbank oft halb leer seien, während in der Begegnungszone die Parkplätze voll belegt sind. «Das ist ja klar, dass die Leute die Parkplätze direkt vor den Läden vorziehen», meint Häfelfinger. Zwischen Bahnhof und Begegnungszone sei ein Projekt einer Einstellhalle angedacht, das demnächst spruchreif werde. «Dieses Parkhaus wäre via Gartenweg und mit einem Lift erreichbar. Damit würde viel Suchverkehr entfallen», ist Häfelfinger überzeugt. Dieser Suchverkehr führt zum zweiten Ärgernis, dem zu schnellen Fahren. «Im Winter stellen wir digitale Geschwindigkeitsanzeigen zur Selbstkontrolle auf», berichtet Hauswirth. Wenn sich die Situation nicht bessere, werde die Polizei vermehrt Bussen aussprechen.

Treffpunkt und Bühne

Was würde man anders machen, wenn die Planung nochmals bei null beginnen könnte? «Weniger Autos und mehr Grünflächen mit Sitzgelegenheiten», erklärt Hauswirth. Dann würde die Begegnungszone «weniger kalt» erscheinen.

Um die Zone weiter zu beleben schwebt ihm ein markierter Treffpunkt vor, den Organisationen für Standaktionen mieten könnten. Auch eine Bühne für Darbietungen, die man Vereinen mietweise überlassen könnte, wäre möglich. «Wir arbeiten daran, das Konzept der Begegnungszone weiter zu entwickeln. Doch das ist ein jahrelanger, konstruktiver Prozess.»