Pornosucht
Was hat es mit Patrick Nuos Porno-Geständnis auf sich?

Patrick Nuos Geständis warf hohe Wellen, doch er ist mit seiner Sucht nicht allein. Viele prominente Männer haben sich inzwischen geoutet. Experten gehen davon aus, dass rund 3 bis 6 Prozent aller Erwachsenen online-sex-süchtig sind.

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Keystone

Das 21. Jahrhundert hat seine erste eigene Droge: Online-Sex-Sucht, kurz «OSS». Jede Sekunde gucken weltweit 28 Millionen Internetsurfer Pornos. Süchtig sind fast nur Männer - aber ihre Frauen leiden darunter. Psychologen vergleichen das Phänomen bereits mit Alkoholismus. Im April gibt es den ersten Kongress zum Thema.

Woran erkennt man Sexsucht?

Sex wird zum Wichtigsten uberhaupt. Es kann sein, dass der Betroffene täglich viele Stunden auf Sexseiten im Internet surft, permanent wechselnde Affären hat oder den Partner notorisch mit One-Night-Stands oder Prostituierten betrügt. Es lässt sich aber nur im Gespräch mit einem Therapeuten klären, ob zum Beispiel ein Partnerschaftskonflikt dahintersteckt oder eine Suchterkrankung.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Pornos sind anonym, schnell, billig und jederzeit überall verfügbar. Ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder übers Mobiltelefon: Porno ist überall. Und Pornos sind einfach. Der schnelle, egoistisch Kick. Man muss sich keine Mühe geben und nicht miteinander reden. Süchtig sind fast ausschliesslich Männer. Deren Gehirn reagiert viel stärker auf visuelle Reise als weibliche.

Eine alte Krankheit neu verstärkt

Wann jemand jedoch süchtig ist, ist schwierig zu sagen. Wenn Patrick Nuo, der sich stets als eifriger Christ bezeichnete, nun plötzlich deftige Schlagzeilen macht, so vermuten Kritiker dahinter wohl nicht ganz zu unrecht unlautere Motive, wie etwa die simple Suche nach Aufmerksamkeit - welche im TV nur eine Währung hat: Quoten. Und tatsächlich darf sich RTL über einen Rekordmarktwert freuen: 7,45 Millionen Zuschauer, plus einen Marktanteil von rund 43 Prozent bei den Jungen.

Manche kokettieren kann auch mit einem Image des Frauenhelden - der deutsche Rapper Bushido etwa, der vor Jahren in einem Interview sagte, dass «er süchtig nach Sex sei» und «jede nähme, egal wie sie aussähe». Manche Hollywood-Helden benutzen den Ausdruck «sex-süchtig» aber auch, um ihre wahllosen Affären zu rechtfertigen. Gut möglich, dass Tiger Woods oder Jesse James, der Ex-Ehemann von Sandra Bullock, sich mit einem Geständnis, wonach es eine höhere Macht gewesen sei, welche sie zu ihren Taten getreiben hätte, ihren Ruf noch teilweise zu retten versuchten. Denn in Wahrheit ist die Droge Internetsex wie jede Abhängigkeit ein ernstes psychisches Problem, welches das ganze Leben der Betroffenen erheblich überschattet.

Ein neues Phänomen ist Sexsucht eigentlich nicht. Das gab es immer schon. Früher nannte man dieses Verhalten einfach Don Juan-Komplex bei den Männern oder Nymphomanie bei den Frauen. Neu ist nur der verstärkende Einfluss des Internets. (cls)