Andreas Maurer

Am Sonntag startet die neue Staffel von «Giacobbo/Müller». Verraten Sie uns, welche Rolle Sie spielen werden?
David Bröckelmann: Das verrate ich Ihnen nicht, weil ich es nicht kann. Meine Einsätze hängen immer vom aktuellen Wochen- und Tagesgeschehen ab. Es kommt darauf an, was die zu parodierenden Menschen gerade treiben. Die Sendung lebt von der Aktualität. Daher werde ich immer kurzfristig angefragt.

Haben Sie bestimmte Rollen auch schon abgelehnt?
Bröckelmann: Nein. Es sind immer Figuren, die ich auch im Repertoire meines Solokabaretts führe. Die üblichen Verdächtigen: Pascal Couchepin, Christian Gross, Hakan Yakin, Matthias Hüppi und Christian Levrat.

Mögen Sie diese Personen?
Bröckelmann: Ja. Ich mache mich ja auch nicht über sie lustig. Ich stelle sie nur etwas überspitzt dar. Ich kann sie alle sehr gut leiden. Schliesslich ernähren sie mich und ermöglichen mir tolle Auftritte. Ich weiss aber nicht, ob sie mich mögen.

Erhalten Sie keine Rückmeldungen?
Bröckelmann: Prinzipiell melden sich die Figuren nicht. Sie haben ja auch keinen Grund dazu. Couchepin hat sicher anderes zu tun, als einen kleinen Parodisten anzurufen.

Sie machen sich hauptsächlich über die Charakterzüge der dargestellten Prominenten lustig. Ist diese Art von Humor oberflächlich?
Bröckelmann: Nein, gar nicht. Die Figur muss einen Körper kriegen, die Gestik muss stimmen. Klar sind es Floskeln, die ich parodiere. Ich kenne die Personen ja nicht privat, sondern sehe nur, wie sie sich in Interviews geben. Ich kann mir vorstellen, dass sie dabei nicht ihr Innerstes herauskehren. Wie Hakan privat ist, weiss ich nicht, sondern ich erfahre nur, wie er nach einem Match redet. Ich würde aber nicht sagen, dass diese Auseinandersetzung oberflächlich ist.

Inhaltlich setzen Sie sich aber nicht tiefgründig mit den Parodierten auseinander.
Bröckelmann: Was die von mir imitierten Personen sagen, ist gar nicht so relevant. Wichtig ist, wie sie es sagen. Das ist mein Job. Den Text schreiben andere. In meinem Solokabarett hingegen überlege ich mir sehr wohl, was ich sage. Im Gegensatz zu «Giacobbo/Müller» bin ich dort auch selber für den Text verantwortlich.

Stört es Sie nicht, dass Ihnen der Text vorgegeben wird?
Bröckelmann: Nein, warum auch? Ich habe sonst genug zu tun und bin froh, dass ich in der Sendung bei Bedarf mitwirken darf. Ich bin hauptsächlich Schauspieler und bin es mir daher gewohnt, einen vorgegebenen Text zu sprechen. Es ist sogar angenehm, wenn andere gute Texte für mich schreiben. Da habe ich keinen Nachholbedarf. Für mein eigenes Programm schreibe ich schon genug.

Müssen Sie lachen, wenn Sie sich Ihre eigenen Fernsehauftritte anschauen?
Bröckelmann: Ich schaue sie mit anderen Augen. Als Schauspieler ist man nie zufrieden. Es ist schon auch toll, wenn man sich selber im Fernsehen sieht, aber losbrüllen muss ich deswegen nicht. Es ist eher ein Kontrollblick: Wie komme ich rüber? Habe ich das umsetzen können, was ich wollte? Was könnte ich besser machen?

«Giacobbo/Müller» wird von rund einer halben Million Fernsehzuschauern verfolgt. Fühlen Sie sich selber auch als Prominenter?
Bröckelmann: Es ist nicht so, dass ich links und rechts Autogramme schreiben muss, wenn ich durch die Freie Strasse gehe. Die Fernsehzuschauer sehen die dargestellte Person, Couchepin oder Hakan, aber nicht mich. So soll es auch sein. Es wäre nicht gut, wenn man David Bröckelmann sehen würde. Die Figuren sind bekannt, ich dahinter weniger. Es kommt natürlich immer darauf an, wie man «prominent» definiert, aber ich empfinde mich nicht als prominent.

Wären Sie es gerne?
Bröckelmann: Das wäre jeder Schauspieler gerne. Klar bin ich prominenter als früher. Ich werde auch noch weiter an meiner Karriere arbeiten und hoffe, dass ich den Zenit noch nicht erreicht habe. Ich habe noch einiges vor: Mein Solokabarett beispielsweise oder das Charivari, aber auch neue szenische Stadtrundgänge sind geplant. Ich hoffe, dass ich immer genug Arbeit habe und davon leben kann. Das ist im Moment der Fall. Ein gewisser Bekanntheitsgrad impliziert auch Aufträge. Der Druck wird dadurch aber nicht kleiner: Man hat mehr zu verlieren.

Was bevorzugen Sie: Auftritte im Fernsehen oder im Theater?
Bröckelmann: Beides hat seinen Reiz. Live vor Publikum hat man nur eine Chance. Beim Filmen hingegen hat man immer die Möglichkeit, es noch besser zu machen. Auf der Bühne bietet sich diese Gelegenheit erst bei der nächsten Vorstellung. Ich mache beides gleich gerne und will nichts missen. Die Balance stimmt.

Sie leben in Binningen. Ist das die ideale Heimat für einen Schauspieler?
Bröckelmann: Ich finde schon. Die Umgebung von Basel ist mir sehr wichtig: Hier bin ich verwurzelt. Ich bin einerseits Kosmopolit, komme aber immer wieder gerne heim nach Binningen. Ich brauche meinen fest verwurzelten Boden, wo ich mich zu Hause fühle, wo ich auf die Welt gekommen bin und immer wieder zurückkommen kann.

Die 50. Sendung von «Giacobbo/Müller» beginnt am Sonntag um 22 Uhr auf SF 1.