Royals

Keine Fotos: Harry und Meghan wollen ihren Nachwuchs schützen – britische Presse protestiert

Die Briten warten sehnsüchtig auf die Geburt von «Baby Sussex». Doch Meghan und Harry wollen ihre Familie schützen. Keine Fotos, keine News. Dürfen die das? Nein, meint die englische Presse und schlägt zurück.

Gestern vor einem Jahr – am 23. April – stand Herzogin Kate im roten Kleid mit weissem Spitzenkragen vor dem Londoner St. Mary’s Hospital und winkte. Wenige Stunden zuvor hatte sie ihr drittes Kind – Louis – auf die Welt gebracht. Stolz und etwas blass um die Nase präsentierte sie Thronfolger Nummer fünf den Fotografen und der Welt. Das Riesenrad «London Eye» erstrahlte zeitgleich in den Farben des Union Jack, Kanonenschüsse wurden zu ehren des jüngsten Mitglieds der englischen Königsfamilie abgefeuert. Die Queen wird ihre helle Freude daran gehabt haben.

Nun wartet die Welt wieder mit angehaltenem Atmen auf eine royale Niederkunft. Es kann nur noch wenige Tage dauern bis Meghan Markle, Duchess of Sussex und Prinz Harrys Frau, ihr erstes Kind zur Welt bringt. Bereits machen Gerüchte die Runde, das Baby sei schon längst da. Zur Welt gekommen im Geheimen, ganz ohne Tweet ab der ersten Wehe, wie bei Kate.

Möglich wär es. Denn Meghan Markle, geschiedene, farbige Amerikanerin, Feministin und sonst noch einiges, was konservativen Aristokraten das blaue Blut gefrieren lässt, ist bekannt dafür, pro Woche mit mindestens einem Hofprotokoll zu brechen. Den Rocksaum etwas zu kurz, die Nägel zu bunt, die Schultern zu nackt, Avocadoschnitze statt Scones zum Tee gereicht. Die Liste ihrer Tabubrüche ist lang. Doch Meghan schien man das lange zu verzeihen, die coole Herzogin von Sussex hatte die Medien und die Öffentlichkeit hinter sich. Meghans und Harrys Instagram-Account, erst Anfang April aufgeschaltet, sammelte innerhalb von knapp sechs Stunden mehr als eine Million Follower: Weltrekord.

In Stille die Familie geniessen

Doch letzte Woche wendete sich das Blatt. Prinz Harry und Herzogin Meghan gaben offiziell bekannt, dass sie die Geburt ihres Kindes und die erste Zeit mit dem Neugeborenen in aller Stille und privat geniessen wollen. Es werde keine detaillierte Berichterstattung während der Wehen und keinen Fototermin kurz nach der Geburt geben. Es ist noch nicht einmal bekannt, wo die Duchess gedenkt niederzukommen. Möglicherweise wird es eine Hausgeburt, offenbar ein stiller Wunsch Meghans. Sie träte damit in die Fussstapfen der Queen, die ihre vier Kinder zu Hause gebar.

Aber eben: «Baby Sussex» könnte längst auf der Welt sein, und niemand weiss davon! In England, wo man neben dem Brexit-Elend nach Good News lechzt, liegen die Nerven blank. «The Sun», Englands auflagestärkste Boulevard-Zeitung, schreibt, dass Meghan und Harry mit einer 40 Jahre alten Tradition brechen und dem Volk die ihm zustehenden Bilder vorenthalten würden. Ältere britische Journalisten verfassen weinerliche Aufsätze, in denen sie den guten alten Zeiten nachtrauern: «Früher konnte man mit Prinz Harry ein Bier trinken gehen, heute sagt er nicht einmal guten Morgen.» Und beschwören den ungeschriebenen Vertrag zwischen dem Königshaus und der Presse. Der da laute: Ihr gebt uns gute Storys und Bilder, wir legitimieren eure dekadente Existenz auf Steuerzahlers Kosten.

Gebären im Dienste der Krone

Ein Ruf, der nicht ungehört verhallt. Prinz Harrys letzter bezahlter Job ausserhalb des Königshauses war bei der Armee, und den beendete er 2015. Seither ist er nur noch Prinz. Für die Bewilligung seines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs musste er bei der Queen anklopfen. Und Meghan? Sie ist seit der Heirat in erster Linie Harrys Frau und ebenfalls im Dienste der Krone tätig. Kinder gebären gehört definitiv in ihren Aufgabenbereich. Ein Baby zu bekommen, sei ein zutiefst persönliches und privates Ereignis, schreibt ein Kolumnist der «Daily Mail», aber ein königliches Baby sei eben auch ein Leuchtfeuer britischer Freude. «Was ist der Sinn unseres Königshauses, wenn wir ihre Kinder nicht in einer völlig verrückten britischen Orgie feiern können?» Die Orgie ist nun abgesagt, es gibt keinen Ort, keinen Zeitpunkt für sie. Zwar sind die Hotels in London für die nächsten Tage gut gebucht. Fans aus der ganzen Welt sind angereist, in der Hoffnung, einen Blick auf «Baby Sussex» erhaschen zu können – aber wohl vergeblich. Das örtliche Tourismusbüro versucht sie mit speziellen Baby-Tours und Baby-Hotelpackages bei Laune zu halten. Ein Wickeltisch im Hotelzimmer dürfte jedoch ein schwacher Trost sein.

Kate und William waren bei ihren Kindern weniger kamerascheu – die Bilder der Taufe von Prinz Louis:

Noch mehr verstören können Meghan und Harry die Briten jetzt nur noch, wenn sie ihrem Baby einen amerikanischen Namen wie Abigail oder Mike geben und damit nach Afrika auswandern. Beide Storys geisterten gestern denn auch prompt im Netz herum, was zeigt, die britische Presse hat ihre Kampfhandschuhe montiert, die Schonzeit ist vorbei, «Baby Sussex» muss einiges gutmachen.

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