Gemeindeamman Ernst Baumann
«Ich bin ein geselliger Mensch»

Ernst Baumann amtete 28 Jahre im Gemeinderat Attelwil, 16 Jahre als Gemeindeammann. Ende Jahr tritt er nach über 40 Jahren in der Politik zurück und hofft, dass Attelwil noch lange unabhängig bleibt.

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Ernst Baumann

Ernst Baumann

Aargauer Zeitung

Von Nadia Rambaldi

Ernst Baumann ist eine eindrückliche Erscheinung. Ein grosser Mann mit grossen Arbeiterhänden, freundlich lächelnd und interessiert am Dorfgeschehen. Seit 16 Jahren amtet er in Attelwil als Gemeindeammann, seit insgesamt 28 Jahren ist er im Gemeinderat. Ende dieses Jahres tritt der 67-Jährige zurück und wird das Amt des Gemeindeammanns seinem Nachfolger Roger Lehner übergeben. In der 300-Seelen-Gemeinde Attelwil und auch über die Ortsgrenzen hinaus kennt man Ernst Baumann als sehr engagierte Person, sowohl politisch, sozial und auch gesellschaftlich.

«Ich helfe gerne»

Letzte Woche war es wieder einmal so weit. Ernst Baumann lud 1000 Kilogramm Kartoffeln, Lauch, Sellerie und Rüebli auf seinen Viehwagen und fuhr mit seinem Jeep nach Poschiavo im Kanton Graubünden. «Ich helfe gerne Menschen, die unverschuldet in Not geraten», erklärt der Gemeindeammann. Die Bauern dort im Tal sind es sich schon fast gewohnt, dass Ernst Baumann einmal im Jahr mit einer Ladung Lebensmittel, Futtermittel oder Heu vorbeifährt. Die Ernten der Bergbauern in Poschiavo werden durch Erdrütsche, Kies im Land und wenig Regen regelmässig geschmälert.

Die Logistik dieser Hilfsaktionen ist für Ernst Baumann immer eine grosse Herausforderung. Vor einigen Jahren ging es darum, 2000 Siloballen, Heu und Futtermittel jeglicher Art vom Suhrental nach Poschiavo zu fahren. Die konnte er unmöglich mit seinem Jeep transportieren: «Glücklicherweise hat mir das Militär geholfen, freiwillige Fahrer haben insgesamt 4000 Tonnen Ware über die Alpenpässe nach Graubünden gebracht», erinnert sich Ernst Baumann. Aber auch Transportunternehmen der Region haben Ernst Baumann bei seinen Hilfsaktionen schon unterstützt.

Unzählige Bauern hat er angerufen und gefragt, wie er helfen könne und woran es am meisten fehle. Die Telefonnummern und die Adressen entnahm er dem Telefonbuch: «Die haben so verdrehte Namen im Graubünden, es war machmal schwer, sie zu verstehen», erzählt Baumann lächelnd. Zusammen mit dem Zivilschutz Oberes Suhrental (ZSO) hat er auch als Freiwilliger im Wallis nach Überschwemmungen Wanderwege und Strassen wiederhergestellt. Insgesamt dreimal war er als Baggerführer im Binntal im Wallis, beim Unwetter in Sachseln 1997 half er mit, 100 Tonnen Trockenfutter in das Krisengebiet zu bringen.

Keine Frage: Ernst Baumann ist ein Macher. Er packt an, wenn es etwas zu tun gibt. Als er 1961 auf der Liebegg als einer der ersten Lehrlingen seine Ausbildung zum Bauern abschloss und nach Attelwil zurückkehrte, brannte der Familie Baumann Haus und Scheune ab. «Ich besass nur noch das, was ich anhatte», erinnert sich Baumann. Das war aber kein Grund, Trübsal zu blasen. Er und sein Vater bauten Haus und Scheune wieder auf. 1964 übernahm er den Hof zusammen mit seiner Ehefrau Käthi, die ihm einen Sohn und zwei Töchter schenkte.

Über 40 Jahre in der Politik

In die Politik zog es Baumann erstmals 1966, als er in die Landwirtschaftskommission und die Schulpflege gewählt wurde. 1974 folgte der Eintritt in die Steuerkommission. 1982 wurde Ernst Baumann in den Gemeinderat gewählt und seit 1994 ist er Gemeindeammann von Attelwil. «Danach gab es einfach niemanden, der mir dieses Amt abnehmen wollte», erklärte er. Aber er habe das Amt stets gerne ausgeführt. Da er in Attelwil aufgewachsen sei, habe er eine sehr gute Beziehung zum Dorf und sich stets gerne um die Attelwiler gekümmert.

Wer von Ernst Baumann Post bekommt, erhält übrigens noch heute stets handschriftlich geschriebene Briefe. «Ich habe mich nie gross für Computer interessiert», gesteht er. Und für Computer und Technik bleibt auch gar nicht viel Zeit übrig. Der 67-Jährige war als Bauer in vielen Landwirtschaftlichen Organisationen tätig, 20 Jahre im Bezirksverein Zofingen, viele Jahre Präsident der Viehversicherungskasse, 20 Jahre Schnapsvogt und im Vorstand der Drainagegenossenschaft.

Vermissen werde er nach seiner Verabschiedung vor allem die Kameradschaft unter den Gemeindeammännern im Bezirk Zofingen, sagt er. Ansonsten werde sich nicht viel ändern. Er werde mehr Zeit haben, weiterhin viel in den Wald gehen und vielleicht mal wieder sein Alphorn und seine Bassgeige hervornehmen. Eine Hoffnung hat Baumann aber auch nach seiner Verabschiedung: Dass Attelwil noch lange unabhängig bleibt, denn: «Wir haben ein sehr persönliches Dorf und eine hohe Stimmbeteiligung an den Gmeinden. Das soll auch so bleiben.»