Berlin

Clooneys Kaffee-Kränzchen mit der Kanzlerin

Hollywood-Schauspieler George Clooney hat sich am Freitag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Die erwartete Begegnung mit Flüchtlingen blieb hingegen aus.

Berlinale-Nächte sind lang, aber bei George Clooney und seiner Frau Amal schellte der Wecker am Freitag schon früh. In einer schwarzen Limousine fuhren die beiden kurz nach 9 Uhr vor dem Bundeskanzleramt in Berlin vor - zum Treffen mit der mächtigsten Frau der Welt.

George trug zu dem am Vortag angekündigten Besuch einen dunklen Anzug und Krawatte, seine Frau - die Menschenrechtsanwältin Amal - erschien in Schwarz und Beige. Das Treffen mit Merkel lief hinter verschlossenen Türen ab, das Kanzleramt gab später ein Bild heraus: Merkel sitzt auf einem hellen Sofa und schaut Clooney an. Clooney gestikuliert und schaut Merkel an. Amal legt die Hände um ihre Knie und blickt Clooney an.

Aber worüber redeten sie? Sie hätten über die Flüchtlingspolitik gesprochen, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert später. Bei dem Gespräch war auch der ehemalige britische Aussenminister David Miliband dabei, heute Präsident der amerikanischen Hilfsorganisation International Rescue Committee. Merkel sprach später von "einem sehr guten Gespräch", sie hätten über das Engagement der drei Gäste in einer Nichtregierungsorganisation geredet.

Tweet Steffen Seibert

Das Gerücht von der Begegnung mit Flüchtlingen

Der Schauspieler stieg etwa eine Stunde später wieder in seinen Wagen. Die Berlinale wäre nicht die Berlinale, wenn nicht auch noch einige Gerüchte im Umlauf wären. Es wird gemunkelt, Clooney treffe Flüchtlinge. Das hatte der Star in der Pressekonferenz angedeutet, als er seinen neuen Film "Hail, Caesar!" vorstellte.

Kurz nach dem Besuch bei Merkel sammelten sich deshalb im Westen der Stadt erneut Reporter. Sie warteten vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf, rund 1100 Flüchtlinge leben dort in einer Notunterkunft. Die meisten kommen aus Syrien und Afghanistan, wie ein Sprecher sagt. An der Strasse stehen Duschcontainer, einige Bewohner strecken bei dem ganzen Trubel die Köpfe aus dem Gebäude. Kommt Clooney wirklich?

Ein Besuch sei nicht ausgeschlossen, meinen manche, schliesslich sei auch Ben Stiller dort gewesen. Der Komiker traf vor eineinhalb Wochen zwei Flüchtlingsfamilien, wie Leiter Thomas de Vachroi erzählt. Er sei sehr seriös gewesen, habe viele Fragen gestellt und den Milchreis probiert, den die Bewohner gekocht hätten. "Das war toll."

Vergeblich gewartet

Jetzt steht de Vachroi in Lederjacke vor dem Haus und versucht, die Reporter zu koordinieren. Irgendwann fährt die Polizei vor. Wartet. Tauscht die Kollegen aus. Jeder schwarze Luxuswagen, der um die Ecke biegt, wird beäugt. Bis zum Nachmittag tauchtClooney aber nicht auf.

Der Branchendienst "Meedia" meint später, sein Besuch im Kanzleramt sei nach allen Regeln der Social-Media-Kunst in Szene gesetzt worden. "Fast so, als würde der US-Schauspieler im Oval-Office vorbei schauen."

Clooney war auch nicht der erste Prominente, den Merkel traf. Zur Erinnerung: Bei Dreharbeiten für einen Agenten-Thriller in Deutschland liess sie sich zum Beispiel mit Regisseur Steven Spielberg und Hauptdarsteller Tom Hanks fotografieren.

Clooneys Besuch könnte Merkel auch jetzt wohl ganz recht gekommen sein, schliesslich hatte der Schauspieler vorher bereits ihre Flüchtlingspolitik gelobt. "Ich bin absolut einverstanden damit", hatte er am Donnerstagabend auf dem roten Teppich der 66. Berlinale gesagt.

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