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Demografie-Konferenz 2022: Das Baselbiet steht vor riesigen Herausforderungen

In der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz gaben Experten Einblick in ihre zum Teil düsteren Zukunftsszenarien, wiesen aber auch auf Chancen hin. Schwerpunktthema der 1. Demografie-Konferenz war der sich zuspitzende Fachkräftemangel.

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Regierungsrat Anton Lauber begrüsste die Gäste zur ersten Demografie-Konferenz des Kantons Basel-Landschaft.

Regierungsrat Anton Lauber begrüsste die Gäste zur ersten Demografie-Konferenz des Kantons Basel-Landschaft.

Fotos: foto-mimmo

Dominic Vögtli (texere.ch)

Dr. Manuel Buchmann von Demografik, einem unabhängigen Kompetenzzentrum für Demografie in Basel, der sich eingehend mit der Situation im Kanton Basel- Landschaft befasst hat, liess keinen Zweifel offen: «Die Pensionierung der Baby-Boomer hat zwar schon begonnen, aber die grosse Welle kommt noch – zwischen jetzt und 2030. Oft wird die Problematik des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels unterschätzt.» Verschärfend kommt hinzu, dass der Kanton im schweizerischen Vergleich nicht eben gut dasteht. Nach dem Tessin wies er im Jahr 2020 mit 38 % den höchsten Altersquotienten auf; damit wird das Verhältnis der mindestens 65-Jährigen zu den 20- bis 64-Jährigen bezeichnet. Und dieser Quotient wird bis 2040 noch auf sage und schreibe 53 % steigen. Immer weniger Leute im erwerbsfähigen Alter werden für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen müssen. Auf die Gesellschaft warten damit Herausforderungen in verschiedenen Bereichen, am meisten diskutiert werden die steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Demgegenüber ist der sich abzeichnende Mangel an qualifizierten Fachkräften ein noch immer vernachlässigtes Thema. «Im Moment ist es so, dass die Unternehmen in Baselland gerade die offensichtlichen Massnahmen treffen, aber ein grosses Potenzial liegt noch brach». Ein solches erkennt Buchmann insbesondere bei der Rekrutierung von über 55-Jährigen. «Da ist der Leidensdruck einfach noch nicht gross genug. Alle spüren das Problem, aber wir stehen erst am Anfang.»

Manuel Buchmann von Demografik, einem unabhängigen Kompetenzzentrum in Basel, erkennt ein grosses Potenzial bei der Rekrutierung von über 55-Jährigen

Manuel Buchmann von Demografik, einem unabhängigen Kompetenzzentrum in Basel, erkennt ein grosses Potenzial bei der Rekrutierung von über 55-Jährigen

Von der Wichtigkeit des Themas nicht mehr überzeugt werden mussten die rund 90 Interessierten, je etwa zur Hälfte aus Verwaltung und Privatwirtschaft, die den Weg in die FHNW gefunden hatten. Eingeladen hatte das Statistische Amt, nachdem in einer ausführlichen Chancen-Risiko- Analyse mit Massnahmenplan bereits 2015 vorgeschlagen worden war, regelmässig Konferenzen zur Demografie mit wechselnden Schwerpunktthemen durchzuführen. Zuletzt hatte die Pandemie die für 2020 geplante erstmalige Durchführung verhindert.

Eine Chance für Unternehmen und die Gesellschaft

Stefan Leist vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ging auch auf die Fachkräfteknappheit nach Berufen ein.

Stefan Leist vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ging auch auf die Fachkräfteknappheit nach Berufen ein.

Heute lässt sich sagen: Die Entwicklung ist genau wie seit Jahren vorausgesagt verlaufen. Demografischer Wandel ist eine langfristige Angelegenheit. Vielleicht fällt es gerade deshalb schwer, die Dringlichkeit zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Nur: Wie soll das geschehen? Strategien im Hinblick auf den sich abzeichnenden «War for Talents» wurden in den Vorträgen und im anschliessenden Podiumsgespräch aufgezeigt. Soviel lässt sich auf jeden Fall sagen: Der Wandel bietet für Unternehmen und die Gesellschaft auch Chancen. Dr. Stefan Leist, beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) zuständig für Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, sieht diese unter anderem in einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mit der sich die Erwerbsquote von Frauen steigern lässt. Dieses Potenzial ist allerdings gerade in den Mangelberufen schon nahezu ausgeschöpft.

Christian Stähelin von Bachem in Bubendorf unterstrich die grosse Bedeutung von individueller Förderung und Weiterbildung der Mitarbeitenden.

Christian Stähelin von Bachem in Bubendorf unterstrich die grosse Bedeutung von individueller Förderung und Weiterbildung der Mitarbeitenden.

Auf eine Schlüsselstrategie, mit der ein Unternehmen auf den demografischen Wandel reagieren kann, verwies Dr. Christian Stähelin von Bachem, einem stark expandierenden Unternehmen mit derzeit rund 1100 Angestellten in Bubendorf: «Unser Fokus liegt bei den Mitarbeitenden. Wir brauchen sie, damit wir die Dienstleistung, die wir im Moment erbringen, unsern Kunden auch in Zukunft bieten können.» Deshalb versucht Bachem, die noch überwiegend jungen Mitarbeitenden mit attraktiven Arbeitsbedingungen langfristig an das Unternehmen zu binden. Wesentlich dabei sind individuelle Förderung und – hier regt er noch mehr Zusammenarbeit mit dem Kanton an – Weiterbildungen.

Regierungspräsident Thomas Weber erklärte, dass die KMU im Fokus stehen und das KIGA eine Demografie-Beratung eingerichtet hat.

Regierungspräsident Thomas Weber erklärte, dass die KMU im Fokus stehen und das KIGA eine Demografie-Beratung eingerichtet hat.

Die KMU im Fokus

Allerdings gibt es bedeutende Unterschiede. Regierungspräsident Thomas Weber weiss, wo Handlungsbedarf besteht: «Grosse Konzerne analysieren ihre Demografie selbst. Es sind vor allem die mittelgrossen Unternehmen, KMU mit vielleicht 50 oder 100 Leuten, die sich noch zu wenig Gedanken gemacht haben. Was genau ist das eigentlich: die Altersstruktur meines Mitarbeiterstabs? Wie entwickelt sich diese? Wie verändert sich mein Geschäftsmodell? Welche Mitarbeitenden brauche ich in Zukunft?» Für solche Fragen hat das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) eine Ansprechstelle eingerichtet, die sogenannte Demografie-Beratung, die praktische Lösungsvorschläge für die in jedem Unternehmen spezifischen Herausforderungen bereithält.

Die abschliessende Podiumsdiskussion mit von links Christian Stähelin (Bachem AG), Daniela Visintin (Netzwerkkoordination «Potenzial 50plus», KIGA Baselland), Flurina Landis (Moderation), Regierungspräsident Thomas Weber und Manuel Buchmann (Kompetenzzentrum Demografik).

Die abschliessende Podiumsdiskussion mit von links Christian Stähelin (Bachem AG), Daniela Visintin (Netzwerkkoordination «Potenzial 50plus», KIGA Baselland), Flurina Landis (Moderation), Regierungspräsident Thomas Weber und Manuel Buchmann (Kompetenzzentrum Demografik).

Dass seitens der Unternehmen durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist, zeigte sich in der anschliessenden Fragerunde. Wie gelingt es beispielsweise, Angestellte, die vor der Pensionierung stehen, davon zu überzeugen, mit reduziertem Pensum weiterzuarbeiten? Eine Teilnehmerin des Podiums, Daniela Visintin, Netzwerkkoordinatorin des Programms «Potenzial 50plus» des KIGA, hat dazu eine klare Botschaft: «Früher anfangen!» Und das kann sogar schon unter 50 beginnen. Attraktive Arbeitsbedingungen ermöglichen sogenannte Bogenkarrieren mit langsamer Reduktion des Pensums und bereiten den Boden für die Tätigkeit über 65 hinaus. Mit «Knowledge Management» verhindern Unternehmen, dass mit der anrollenden Pensionierungswelle kaum ersetzbares Wissen verloren geht. Die Herausforderungen in den Unternehmen sind laut Visintin vielfältig: «Wie schaffen wir eine Kultur, dass der Linienchef vorne, der seinen Bau managen muss, bei seiner Pensionierung als Nachfolger einen 58-Jährigen nimmt? Hier sind Leute aus dem HR gefordert, aus der Verwaltungsdenke hinaus zu einer initiativen Denke zu gelangen.»

Schlussbild einer erfolgreichen ersten Demografie-Konferenz: Ganz rechts die Organisatorin Corinne Hügli, Leiterin des Statistischen Amts des Kantons Basel-Landschaft.

Schlussbild einer erfolgreichen ersten Demografie-Konferenz: Ganz rechts die Organisatorin Corinne Hügli, Leiterin des Statistischen Amts des Kantons Basel-Landschaft.

Die nächste Konferenz findet voraussichtlich schon im nächsten Jahr statt.

https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/finanz-und-kirchendirektion/statistisches-amt/schwerpunkt-demografie/demografie_konferenz_2022