Kreisgericht Wil
Nichts mit «Dolce far niente»: Polizei vereitelt Schmuckdieben die Ferienträume

Der Plan, sich das Geld für einen Italienurlaub mit dem Einbruch in ein Schmuckgeschäft zu beschaffen, brachte zwei junge Schweizer erst in Untersuchungshaft und dann vor das Kreisgericht Wil. Beide wurden nun zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

Andrea Häusler
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Beim Einbruch in die Wiler Filiale von Rhomberg Schmuck erbeuteten die beiden Angeklagten im November 2020 Uhren und Schmuckstücke im Wert von über 17'000 Franken.

Beim Einbruch in die Wiler Filiale von Rhomberg Schmuck erbeuteten die beiden Angeklagten im November 2020 Uhren und Schmuckstücke im Wert von über 17'000 Franken.

Bild: Larissa Flammer

«Wir haben die Sache gemeinsam geplant und durchgezogen. Allein hätten wir das niemals gemacht», sagten die beiden heute knapp 22-Jährigen dem Einzelrichter übereinstimmend. Die «Sache», das waren ein gescheiterter Einbruchversuch bei der Bolli Goldschmied AG in St.Gallen, beziehungsweise der Diebstahl von Schmuck und Uhren im Wert von 17'219 Franken aus den Auslagen des Schmuckgeschäfts Rhomberg in Wil. Mit dem Verkauf des Diebesguts wollten sich die zwei ihre Ferien in Italien finanzieren.

In der Befragung zeigten sich die beiden, die ohne Verteidiger vor Gericht erschienen waren, vollumfänglich geständig. Keiner bestritt die Tatvorwürfe, versuchte zu bagatellisieren oder den anderen zu belasten. Obwohl die Kollegen von einst heute keinen Kontakt mehr pflegen.

Schmuckdiebstahl bei Rhomberg in Wil

Die Delikte liegen gut ein Jahr zurück. Es war der 20. November 2020, frühmorgens um 4.35 Uhr. Noch schlief St.Gallen. Während L. auf der Multergasse Schmiere stand, versuchte F., mit einem vorgängig auf einer Baustelle behändigten Vorschlaghammer in die Verkaufsräume des Schmuckgeschäfts Bolli einzudringen. Doch die vor Wochenfrist inspizierte gläserne Eingangstür wie auch das Schaufenster hielten den Schlägen stand. Das Resultat der Aktion: ein angerichteter Sachschaden von 9500 Franken.

Nach dem missglückten Einbruchversuch fuhren die beiden Angeklagten getrennt und – laut eigenen Angaben – spontan nach Wil in der Absicht, die Tat in der Filiale von Rhomberg Schmuck im Centralhof zu vollenden. Es war 5.20 Uhr. Wiederum war es F., der mit dem Vorschlaghammer zu Werke ging. Diesmal erfolgreich. Die Tür zum Schmuckgeschäft barst genauso wie das Glas der Vitrinen im Ladeninneren. Während F. diverse Uhren, Armbänder, Ohrringe, Halsketten und Ringe im Gesamtwert von 17'219 Franken einsteckte, beobachtete L. wiederum die Umgebung. Wobei es tatsächlich zu einer Konfrontation mit Passanten kam. L. wimmelte diese jedoch unter dem Vorwand ab, ebenfalls zufällig hier zu sein und jetzt die Polizei zu informieren.

Geplündert: Die Vitrine der Filiale Wil von Rhomberg Schmuck nach dem Einbruch vom 20. November.

Geplündert: Die Vitrine der Filiale Wil von Rhomberg Schmuck nach dem Einbruch vom 20. November.

Bild kapo (20.11.2020)

Mit der Beute gelang den beiden Angeklagten zunächst die Flucht. Anhand von Videoaufzeichnungen und weiteren Indizien gelang es der Kantonspolizei St.Gallen mithilfe der Stadtpolizei St.Gallen die beiden Beschuldigten zu ermitteln und festzunehmen.

Bedingte Haftstrafen und hohe Kosten

Sowohl F. als auch L. sind wegen Strassenverkehrsdelikten vorbestraft. Dennoch oder gerade deswegen zeigten sie sich in ihrem Schlusswort reuig, versicherten, den Turnaround geschafft und mit sicheren Arbeits- und Ausbildungsplätzen, einem aufgeräumten sozialen Umfeld und klaren Lebenszielen den Weg in eine deliktfreie Zukunft aufgegleist zu haben.

Der Einzelrichter glaubte ihnen. Dies machte er letztlich in der Urteilsbegründung klar. Die Strafe fiel denn auch leicht milder aus, als von der an Schranken nicht vertretenen Anklage beantragt. F. wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten (Anklage zwölf Monate) verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre (Anklage vier Jahre). Ferner hat er eine Busse von 2500 Franken und die Verfahrenskosten von knapp 5600 Franken zu zahlen. Hinzu kommt der Widerruf einer bedingten Geldstrafe vom Februar 2020 im Betrag von 2100 Franken.

L. wurde zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt (Anklage zwölf Monate), bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre (Anklage vier Jahre). Auch ihm wurde eine Busse von 2500 Franken auferlegt. Aufgrund des Widerrufs zweier bedingter Vorstrafen aus dem Jahr 2019 muss L. die Geldstrafen von 1000 bzw. 500 Franken nun tatsächlich bezahlen. Dies nebst den Verfahrenskosten von gut 4000 Franken.

Die Zivilforderungen der Geschädigten wurden auf den Zivilweg verwiesen.

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