Coronafrust
Gewalt und Alkohol in St.Gallen: Heftige Zusammenstösse zwischen jungen Partygängern und der Polizei

Nach einer illegalen Party ist es am Freitagabend in der St.Galler Innenstadt zu Auseinandersetzungen zwischen zumeist jungen Partygängern und der Polizei gekommen. Die Folgen davon: hoher Sachschaden in der Altstadt, Festnahmen und ein verletzter Polizist.

Daniel Walt/Raphael Rohner
Merken
Drucken
Teilen

Mehrere 10'000 Franken Sachschaden, rund 15 eingeschlagene Fenster, Türen und Schaufenster, neun Festnahmen, ein verletzter Polizist, zahlreiche Wegweisungen: So lautet bisher die Bilanz der jüngsten Ausschreitungen in der Stadt St.Gallen. Es vergeht derzeit kaum eine Woche, ohne dass in der Stadt nicht mindestens eine illegale Party stattfindet. Gegen die Coronaregeln verstossen wird normalerweise in Restaurants oder Wohnungen. Am Freitagabend war die Reihe nun an den Drei Weieren. Dort kam es zu einem Polizeieinsatz, nachdem sich rund 100 Personen im Naherholungsgebiet eingefunden hatten, um gemeinsam zu trinken, Musik zu hören und zu feiern. Um 20.30 Uhr konnte die Polizei die Versammlung friedlich auflösen. Danach aber artet es aus.

Gegen 22.30 Uhr versammelten sich über 200 vorwiegend junge Menschen beim Roten Platz. Dabei kam es zu Behinderungen des Verkehrs und die Stimmung wurde zunehmend aggressiv. Die ausgerückten Polizisten wurden beschimpft und mit Flaschen und Steinen beworfen. Reizstoff und Gummischrot kamen schliesslich zum Einsatz, die Gruppierung löste sich dann auf. Danach jedoch zogen kleineren Gruppierungen durch die Innenstadt mit massiven Folgen.

Aufrufe machten auf Tiktok, Snapchat & Co. die Runde

Begonnen hatte alles mit Aufrufen auf Sozialen Medien wie Tiktok, Instagram oder Snapchat, sich auf Drei Weieren zu begeben. Die Polizei erhielt vorzeitig Wind vom Ganzen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: PD

Dionys Widmer, Sprecher der St.Galler Stadtpolizei, bestätigte am Freitagabend den Einsatz auf Drei Weieren. Die Lage wurde laufend beurteilt und die Situation beobachtet. Widmer sprach von über 100 Personen, die sich auf Drei Weieren begeben hätten – «sie hatten sehr viel Alkohol dabei», so der Polizeisprecher.

Die St.Galler Stadtpolizei war präsent und liess keine Party zu.

Die St.Galler Stadtpolizei war präsent und liess keine Party zu.

Bild: Raphael Rohner

Der Polizei gelang es die Menschenansammlung aufzulösen. Durch Absperrungen verhinderte die Polizei, dass weitere Personen auf Drei Weieren gelangten. Die Stimmung, die vor Ort herrschte, beschrieb Dionys Widmer als «grösstenteils friedlich». Es habe zwar einzelne Böller- und Flaschenwürfe gegen die Polizei gegeben, die Lage habe sich dann aber sofort wieder beruhigt.

Vereinzelte Leute blieben auf Drei Weieren.

Vereinzelte Leute blieben auf Drei Weieren.

Bild: Raphael Rohner

In der Folge hätten sich die Partygänger in die Innenstadt verzogen, und zwar in den Bereich des Roten Platzes, wo eine eher aggressive Stimmung herrschte.

Ausgelassen feierten die Jugendlichen am Roten Platz in St.Gallen.

Ausgelassen feierten die Jugendlichen am Roten Platz in St.Gallen.

Bild: Raphael Rohner

Vor Ort reagierte das Partyvolk mit Sprechgesängen auf die Polizeipräsenz: «Scheisspolizei» und «Scheisscorona», riefen die Gruppen den angerückten Polizisten zu. Es wurden Gegenstände auf die Einsatzkräfte geworfen, bis sich die rund zehn Polizisten vom Roten Platz zurückzogen.

Die Stimmung bei den Leuten war aufgeputscht: «Wir wollen endlich wieder raus und feiern! Die Polizei kann uns da gar nichts», sagte ein junger Erwachsener aufgebracht. Man habe jetzt über Monate ausgeharrt, die Leute bräuchten einfach wieder einmal etwas Ausgang.

Ein Passant filmt die Szenen am Roten Platz.

Ein Passant filmt die Szenen am Roten Platz.

Bild: Raphael Rohner

Polizeisprecher Dionys Widmer betonte noch am Abend: «Solche Partys sind verboten, wir tolerieren sie nicht.»

Eingeschlagene Scheiben, Barrikaden und ein Stellungskrieg

Gegen 23.30 Uhr berichteten Augenzeugen, dass die Polizei damit begonnen habe, den Roten Platz zu räumen. Polizisten in schwerer Montur rückten mit Schutzschilden und Reizgas vor. Die Partygänger ihrerseits reagierten darauf mit Gewalt: Sie suchten Zuflucht in den Seitengassen und begannen, Scheiben einzuschlagen, Pflanzentöpfe umzuschlagen und Barrikaden aus Gartenstühlen zu errichten. Zudem bewarfen sie die vorrückende Polizei mit Steinen.

In der Gallusstrasse kam es zu einem regelrechten Stellungskrieg zwischen der Stadtpolizei und dem Mob aus aufgebrachten jungen Erwachsenen. Vermummte junge Männer schlugen die Scheiben des Restaurants Facincani ein und begannen, die Einsatzkräfte mit dem Inventar des Lokals zu bewerfen. Rund zwei Dutzend Polizisten stellten sich in zwei Reihen auf und rückten vor. Es wurden auch Blockaden gegen die Polizisten errichtet. Den Sicherheitskräften gelang es schliesslich aber, den Mob aus der Gasse zu vertreiben – die zumeist vermummten jungen Menschen verteilten sich daraufhin in alle Richtungen. In weiten Bereichen der Stadt kam es zu Sachbeschädigungen und Scharmützeln gegen die Polizei. Es wurden Böller gezündet, die Einsatzkräfte wurden beschimpft sowie mit Flaschen und Steinen beworfen.

Spuren der Verwüstung in der St.Galler Innenstadt.

Spuren der Verwüstung in der St.Galler Innenstadt.

Bild: Leserreporter

Mehrere 10'000 Franken Sachschaden

Kurz vor 1 Uhr bestätigte Polizeisprecher Dionys Widmer dann die Räumung des Roten Platzes und die Zusammenstösse an verschiedenen Schauplätzen in der Stadt. Es gab Zusammenrottungen von Menschen an diversen Orten. Die kleineren Gruppierungen begingen Sachbeschädigungen von mehreren 10’000 Franken, ein Polizist wurde leicht verletzt und musste im Spital behandelt werden. Bei einem Streifenwagen der Polizei wurde eine Scheibe eingeschlagen.

Raphael Rohner

Die Polizei kontrollierte am Abend diverse Personen, neun Personen wurden zwecks weiterer polizeilicher Abklärungen eingebracht. Gegen zahlreiche Personen wurde eine Wegweisung für die Stadt St.Gallen ausgesprochen. Die Kantons- und Stadtpolizei St.Gallen haben die Ermittlungen aufgenommen.

Bild: Leserreporter