Wirtschaft
Hellere Gläser in nur 0,1 Sekunden: Diese Toggenburger Firma lanciert eine Neuheit für die Skipiste

Die Firma Optrel lanciert eine Skibrille mit innovativer Technologie. Je nach Lichtintensität verdunkeln und hellen die Gläser in Sekundenbruchteilen wieder auf.

Urs M. Hemm
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Patrick McDermott, CEO der Optrel Sports AG, und Marco Koch (links), Präsident des Verwaltungsrates der Optrel Group.

Patrick McDermott, CEO der Optrel Sports AG, und Marco Koch (links), Präsident des Verwaltungsrates der Optrel Group.

Bild: Urs M. Hemm

Insgesamt hat es von der Produktidee bis zu Fertigstellung des ersten Prototyps rund sieben Jahre an Forschung und Entwicklung gebraucht, sagt Marco Koch, Präsident des Verwaltungsrates der Optrel Group in Wattwil. Dabei herausgekommen ist eine Skibrille, deren Glas sich innerhalb von 0,1 Sekunden den jeweiligen Lichtverhältnissen anpasst. «Die Gläser werden 300-mal schneller dunkler und 1200-mal schneller heller als herkömmliche Gläser», präzisiert Patrick McDermott, CEO der Optrel Sports AG, welche die Brillen unter der Marke React produziert und vertreibt.

Etablierte Technologie

Die Technologie, die dahintersteckt, basiert auf dem Kernprodukt der Optrel Group, dem Schweisshelm. «Die Grundidee war, dass ein Arbeiter nicht jedes Mal sein Visier herunter- und heraufklappen muss, wenn beim Schweissen ein Lichtbogen entsteht. Daraufhin entwickelten wir eine Technologie, bei der sich das Glas des Schweisshelms bei Licht selbst verdunkelt und, wenn der Lichtbogen weg ist, wieder aufhellt – und das jeweils im Bruchteil einer Sekunde», erläutert Marco Koch.

Die Skibrille wird durch Solarzellen mit Strom versorgt.

Die Skibrille wird durch Solarzellen mit Strom versorgt.

Bild: PD

Möglich macht das Flüssigkristall, das sich zwischen zwei Gläsern befindet. In Schweisshelmen konnte diese Technologie bisher erfolgreich umgesetzt werden. Die Displays werden durch integrierte Solarzellen mit Strom versorgt.

«Vor etwa sieben Jahren machten wir uns schliesslich Gedanken, wie wir dieses Prinzip auch anderweitig einsetzen könnten, und konzentrierten uns zuerst auf die Entwicklung von Sportbrillen», sagt Marco Koch.

Erfolgreich mit Sportbrillen

Die Ansprüche im Sportbereich hätten sie jedoch anfangs vor schier unlösbare Schwierigkeiten gestellt. Hatte die Technologie bei Schweisshelmen noch mit starren Kassetten funktioniert, musste es bei einer Sportbrille eine flexible, gebogene Lösung sein, da auch die Gläser einer Sportbrille gebogen sind und sich der Gesichtsform anpassen.

«Zuerst musste also biegsames Material für das Flüssigkristalldisplay und ein Verfahren gefunden werden, um die Platten so zu biegen, dass sich der Abstand zwischen den Platten am Scheitelpunkt nicht verringert», erklärt Marco Koch. Dies sei ein entscheidender Punkt gewesen, da sich ansonsten an dieser Stelle die Eigenschaften der Flüssigkristalle verändert hätten und der gewünschte Effekt verloren gegangen wäre.

Nachdem diese Problemstellungen gemeistert werden konnten, brachte die Optrel Sports AG die Sonnenbrillen im vergangenen Jahr auf dem Markt. Die Leistung der Sportbrillen konnte überzeugen, sodass einer der etabliertesten Ausrüster von Radrennteams an der Tour de France ihre Fahrer mit diesen Brillen ausstattet.

Von Hand in Wattwil produziert

«Nachdem wir uns im Markt für Sportbrillen erfolgreich positionieren konnten, wollten wir einen Schritt weiter gehen und unser Know-how in der Produktion von Skibrillen anwenden», sagt Patrick McDermott. Auch hier sei die Entwicklungsabteilung vor Herausforderungen gestellt worden. Denn neben den zwei Kunststoffgläsern, zwischen denen der Flüssigkristall ist, musste ein drittes Glas integriert werden, damit die Skibrille nicht von innen beschlägt. «Um diese Brillen zusammenzubauen, gibt es keine Maschine, jede einzelne Brille wird hier in Wattwil von Hand produziert», betont McDermott.

Jede einzelne Skibrille wird von Hand in Wattwil produziert.

Jede einzelne Skibrille wird von Hand in Wattwil produziert.

Bild: Urs M. Hemm

Um diese Exklusivität zu unterstreichen, fokussiert sich die Marke React bei den Skibrillen vorerst auf einen selektiven Vertrieb. «Wir wollen uns zuerst in der Schweiz und den anderen Alpenländern profilieren. Haben wir erst einmal in diesen Märkten Fuss gefasst, werden wir die Märkte in Übersee anvisieren», sagt er.