Leitungswasser
«Das ist nicht normal»: Aus mehreren Wasserhähnen in St.Gallen fliesst braunes Wasser – das steckt dahinter

Bei einer Familie im Ruckhalde-Quartier fliesst seit mehreren Monaten immer wieder braunes Wasser aus dem Hahn. Im Stadtmelder erkundigen sie sich nun, ob das bedenklich sei. Darauf melden gleich mehrere Personen dasselbe Problem.

Marlen Hämmerli
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Vor allem bei älteren Häusern ist es nichts Ungewöhnliches, wenn das Wasser sich braun verfärbt.

Vor allem bei älteren Häusern ist es nichts Ungewöhnliches, wenn das Wasser sich braun verfärbt.

Symbolbild: Getty

Bei einer Familie im Ruckhalde-Quartier plätschert seit einiger Zeit braunes Wasser aus dem Wasserhahn, teilweise gespickt mit Rostpartikeln. So beschreibt es eine der betroffenen Personen im Stadtmelder, dem Onlineportal der Stadtverwaltung, und fragt: «Da meine Familie viel Leitungswasser trinkt, ist dies gesundheitlich bedenklich?»

Jörg Hohl, Abteilungsleiter Betrieb Netz Gas und Wasser bei den St.Galler Stadtwerken, gibt Entwarnung. «Meistens sind das harmlose Rostspuren. Solches Wasser enthält im Wesentlichen für den Menschen unschädliches Eisen.» Gelblich-bräunliches Wasser aus dem Hahnen ist nicht appetitlich. Es entspricht laut Hohl auch nicht den gesetzlichen Vorgaben. Daher gilt: Hahnen auf und warten, bis wieder klares Wasser fliesst.

Meistens harmlose Rostspuren, trinken sollte man das Wasser aber nicht

Fliesst statt klarem Wasser rostrotes aus dem Hahn, sprechen Fachfrauen und Fachmänner gerne von «Stagnationswasser». Dieses entsteht in der Regel, wenn Wasser über Nacht oder während längerer Zeit in der Leitung nicht fliesst, sondern stagniert. Gerade bei älteren Leitungen kann es dann zu Korrosionserscheinungen kommen. Die Leitungen rosten.

Im Stadtmelder haben mehrere Personen den Eintrag kommentiert. In der südlichen wie der nördlichen Altstadt fliesse ebenfalls braunes Wasser. Dasselbe im Museumsquartier und im Neudorf. Grundsätzlich fliesst aus allen Hähnen in der Stadt dasselbe: Bodenseewasser. «Eine lokale Häufung dürfte daher eher Zufall sein oder allenfalls mit dem Alter der Gebäude zusammenhängen», sagt Hohl. Oder es hat mit der Ferienzeit zu tun, wenn die Wohnung oder das Haus länger unbewohnt war. «Wir empfehlen, nach längerem Nichtgebrauch das Wasser einige Minuten vorzuspülen. Ist das Wasser wieder farblos und fliesst es mit gleichbleibender kühler Temperatur aus dem Hahnen, ist dies ein Zeichen für gutes Trinkwasser.»

Jörg Hohl ist bei den St.Galler Stadtwerken Abteilungsleiter Betrieb Netz Gas und Wasser.

Jörg Hohl ist bei den St.Galler Stadtwerken Abteilungsleiter Betrieb Netz Gas und Wasser.

Bild: PD

In der Regel ist der Vermieter zuständig

Der Familie im Ruckhalde-Quartier und allen anderen Personen rät Hohl, den Vermieter zu kontaktieren. In der Regel sind die alten Hausleitungen der Grund für regelmässig verfärbtes Wasser. Dennoch würden solche Meldungen zum Trinkwasser auch von den Fachleuten der Qualitätssicherung überprüft, sagt Hohl. «Wenn sich bei der Untersuchung herausstellt, dass die Leitung der Stadtwerke der Grund ist, gehen wir dem natürlich nach.»

Einige der Wasserleitungen der St.Galler Stadtwerke können mit über 100 Jahren durchaus als alt bezeichnet werden. Da birst auch mal das eine oder andere Rohr. Mit sogenannten Stresstests prüfen die Mitarbeiter der Stadtwerke den Zustand der Leitungen: Sie pressen mit viel Druck Wasser in das entsprechende Rohr.

«Insgesamt verzeichnen wir pro Jahr nur wenige ‹richtige› Rohrbrüche», sagt Jörg Hohl. Mehrheitlich seien es kleine, kaum bemerkbare Lecks. Rohrbrüche mit grossem Wasseraustritt und entsprechendem Schaden seien eher selten. Allerdings können sie bei einem Leitungsnetz von fast 350 Kilometern nie ausgeschlossen werden. Sicher ist: Wenn, dann sprudelt das Wasser nicht braun.

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