Romanshorn
Nach 42 Jahren ist Schluss: Zugführer Hansjürg Oesch geht nächste Woche in Pension

Seit seiner Kondukteurlehre 1979 hat Zugführer Hansjürg Oesch viel erlebt. Als Kameramann erhielt er gar den Kulturpreis der Stadt Romanshorn.

Markus Bösch
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Hansjürg Oesch steigt am Bahnhof Romanshorn aus dem Zug.

Hansjürg Oesch steigt am Bahnhof Romanshorn aus dem Zug.

Bild: Markus Bösch

Am 15. Dezember ist das Leben nach Fahrplan vorläufig zu Ende. Dann wird der Zugführer Hansjürg Oesch pensioniert. Nach seiner Kochlehre in Romanshorn hat er 1979 mit der Kondukteurlehre angefangen. Die damals noch zahlreichen Nacht- und TEE-Züge hat er in spezieller Erinnerung:

«Fasziniert an meiner Tätigkeit bei der Bahn haben mich immer die interessanten Begegnungen mit Pendlern, Ausflüglern und Touristen.»

Und die Abwechslung, denn er hatte sowohl Regional-, Schnell- und Güterzüge zu bedienen. «Gerne erinnere ich mich auch an besondere Episoden – wie beispielsweise, als wir auf der einspurigen Rheintalstrecke mal einen Wagen verloren haben.» Oder auch der Umstand, dass man die Wagentüren damals noch von Hand schliessen mussten. «Sie liessen sich sogar während der Fahrt öffnen.»

22 Jahre auch Kameramann

Mit der Einführung des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV kam Oesch 1981 auch zur Filmerei. «Dieser aerodynamische und schnelle Zug hat mich sofort in den Bann gezogen.» Und während 22 Jahren sei er nebst dem angestammten Beruf in Teilzeit auch für «Kommunikation SBB» als Kameramann und Begleiter von Filmteams tätig gewesen.

«Zu den Highlights zählten für mich das Bahnjubiläum 1997 (150 Jahre Schweizer Bahnen), Hundert Jahre SBB im Jahr 2002 und selbstverständlich die Weltrekordfahrt des TGV.» Für seine filmische Tätigkeit als Ganzes erhielt er 2013 den Kulturpreis der Stadt Romanshorn.

Oesch ist überzeugt: Öffentlicher Verkehr hat viele Fortschritte gemacht

Grundsätzlich hat der Öffentliche Verkehr in seinen vierzig Berufsjahren enorme Fortschritte gemacht, ist Oesch überzeugt. Neue Linien wurden gebaut, Geschwindigkeit und Komfort erhöht, der Taktfahrplan eingeführt. Neben einer auch anspruchsvolleren Kundschaft führten enge Fahrpläne, Baustellen und Störungen zu zusätzlichen Belastungen im Alltag.

«Und Romanshorn ist nach dem Bahnhofsumbau vor bald zwanzig Jahren ebenfalls im neuen Jahrtausend angekommen.»

Heute ist der Ort noch immer ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

«Letztlich habe ich sehr gerne in diesen zwei Berufsfeldern gearbeitet», sagt Oesch. Vor allem das «Unterwegssein» mit Abwechslung und der nötigen Flexibilität habe ihm gefallen. «Und selbstverständlich meine Möglichkeiten und Ideen, die Bahn in bewegten und bewegenden Bildern festzuhalten.» Hansjürg Oesch freut sich auf eine Zeit, über die er selber bestimmen kann.