Kolumne
Lü: Wahre Gleichberechtigung

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne Lü über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Es soll alles bleiben, wie es ist. Geht es nach der Regierung, tagt das Thurgauer Kantonsparlament weiterhin in einer Sitzordnung, die eher an eine Festhütte als an einen Ratssaal erinnert. Konsequenterweise kann auch künftig nur Stimmenzähler werden, wer einen BMI von weniger als 24 aufweist. Beleibtere Ratsmitglieder kommen zwischen den Tischreihen gar nicht durch. Ein elektronisches Abstimmungssystem steht erst recht nicht zur Diskussion. Würde grad noch fehlen, wenn jeder Bürger nachlesen könnte, wer wie abgestimmt hat. Oder gar nicht da war.

«Lottospieler liebäugeln mit Motorsäge» – wehe dem, der die Zahlen zieht.

Thurgauer wollen Chriesi aus Fernost

Der Architekturwettbewerb für den Neubau des Kirchenzentrums von Evangelisch Amriswil-Sommeri ist entschieden. Gewonnen hat das Projekt «Chriesi-Foyer», das auf dem Vorplatz fünf hochstämmige japanische Maienkirschen vorsieht. Andere Projekte hätten auch gefallen, heisst es. Sie liessen aber ausser Acht, dass im Thurgau keine einheimischen Chriesibäume gepflanzt werden dürfen.

«Orange Planen schützen die Anwohner vor Staub und die Bauarbeiter vor allzu neugierigen Blicken» – auch Maurer haben manchmal etwas zu verstecken.

Obwohl immer mehr junge Leute eine Ausbildung absolvieren, zahlt der Kanton Thurgau immer weniger Stipendien aus. Bereits 2019 hat der Regierungsrat deshalb die Anspruchskriterien aufgeweicht. Der Trend wurde damit nicht gebrochen. Jetzt legt der Regierungsrat nach – manche Leute muss man eben zu ihrem Glück zwingen.

«Ein Meter weiter ist alles anders» – einen Meter weiter auch?

Der Abstand schrumpft – der Anstand auch?

Der künftige St.Galler Theaterdirektor Jan Henric Bogen wechselt auf seinen Stellenantritt 2023 das gesamte Direktorium aus. Einen Theaterneubau hat ihm der Verwaltungsrat noch nicht bewilligt. Aber er wird sich schon noch überreden lassen.

Nach 23 coronabedingten Auswärtssitzungen kehrt das St.Galler Stadtparlament zurück ins Waaghaus. Jetzt heisst es wieder «debattieren ohne Abstand». Und hoffen, dass das «b» nicht zum «n» wird.

Am Dienstag war Frauentag. In Winterthur griffen vermummte Demonstrantinnen drei Polizistinnen mit Faustschlägen und Fusstritten an. Frei nach dem Motto: «Was Männer tun, dürfen Frauen auch.»