Justiz
St.Galler Osterkrawalle: Staatsanwaltschaft erteilt 58 Strafbefehle – zwei Verfahren kommen vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat im Nachgang zu den zwei Freitagskrawallen in der Stadt St.Gallen von Ende März und Anfang April 2021 einen Grossteil der über 100 Verfahren abgeschlossen. In 58 Fällen erging ein Strafbefehl, zwei Verfahren wurden an das zuständige Gericht überwiesen.

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Die Krawalle am Karfreitag in der St.Galler Innenstadt.

Die Krawalle am Karfreitag in der St.Galler Innenstadt.

Bild: Michel Canonica
(2. April 2021)

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat im Zusammenhang mit den Osterkrawallen zahlreiche Verfahren abgeschlossen, wie sie per Communiqué mitteilt. Die am meisten begangenen Delikte, die in 58 Strafbefehlen abgehandelt wurden, sind Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Missachten polizeilicher Anordnungen. Diese Delikte hatten gemäss Mitteilung Geldstrafen und Bussen zur Folge.

Im Weiteren erliess die Staatsanwaltschaft sechs Nichtanhandnahme- und drei Einstellungsverfügungen. Zwei weitere Strafbefehle wurden wegen Einsprache an das zuständige Gericht überwiesen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in jenen Fällen: Widerhandlungen gegen das kantonale Übertretungsstrafgesetz (Missachten einer polizeilichen Anordnung und mehrfacher Verstoss gegen eine polizeiliche Fernhaltung).

In über 40 Fällen wurde das Verfahren laut Mitteilung wegen unbekannter Täterschaft sistiert. Sieben Verfahren sind noch pendent. Unter allen Personen, die angezeigt wurden, befanden sich 31 Minderjährige, die sich vor der Jugendanwaltschaft zu verantworten hatten oder noch müssen.

So kam es zu den Osterkrawallen

Ausgangspunkt für die Osterkrawalle in der Stadt St.Gallen war eine illegale Party von rund 100 Personen auf Drei Weieren am Freitagabend, 26. März 2021. Die Party löste sich durch die Polizeipräsenz zwar grösstenteils friedlich auf. Im Anschluss versammelten sich indes über 200 Personen auf dem Roten Platz, die Stimmung wurde zunehmend aggressiv. Polizisten vor Ort wurden beschimpft sowie mit Flaschen und Steinen beworfen. Nachdem die Polizei die illegale Versammlung aufgelöst hatte, gingen kleinere Gruppierungen Polizisten an und verübten diverse Sachbeschädigungen in der Innenstadt. Ein Polizist wurde leicht verletzt und musste im Spital behandelt werden. Der Gesamtsachschaden betrug mehrere zehntausend Franken.

Video: Raphael Rohner

Nach Aufrufen über die sozialen Medien kam es eine Woche später, am Karfreitagabend, 2. April 2021, in der Innenstadt zu erneuten Ausschreitungen. Einsatzkräfte der Polizei wurden mit Flaschen, Steinen, Pyros und einem Molotowcocktail beworfen. Abermals kam es zu diversen Sachbeschädigungen in der Höhe von mehreren zehntausend Franken. Konkret wurden Gegenstände in Brand gesetzt, Mobiliar beschädigt und Scheiben eingeschlagen. Einsatzkräfte der Polizei und der Rettung wurden angegriffen, aber nicht verletzt. Dagegen wurden zwei Privatpersonen verletzt.

Ermittlung der Tatverdächtigen in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St.Gallen und der Stadtpolizei St.Gallen

Unmittelbar nach den Krawallnächten nahm die Stadtorganisation der Kantonspolizei sämtliche Anzeigen mit Sachbeschädigungen entgegen und rapportierte vorerst gegen Unbekannt an die Staatsanwaltschaft. Die Stadtpolizei wertete die Aufzeichnungen aus der städtischen Videoüberwachung aus, erstellte von den einzelnen erkennbaren Tatbeständen und Personen Dossiers und übergab diese der Kantonspolizei. Deren Ermittler führten unter Leitung der Staatsanwaltschaft die einzelnen Verfahren; in den meisten Fällen wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung, jedoch auch wegen Begleitdelikten wie beispielsweise Betäubungsmitteldelikten. Insgesamt rapportierte die Kantonspolizei in über 100 Fällen an die Staatsanwaltschaft. (pd/dar)

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