Langjährige Foto-Liebhaber im Städtli

LICHTENSTEIG. Gestern schlenderten wiederum einige Hundert Besucherinnen und Besuchern durch die von Marktständen gesäumten Gassen Lichtensteigs. Zum 37. Mal fand der Schweizerische Photoflohmarkt statt, der heuer einen leichten Rückgang an Ausstellern zu verzeichnen hatte.

Olivia Hug
Drucken
Bernward Hyera (links) aus Küsnacht verkauft seine Sammlerstücke seit 1981 im Städtli. (Bilder: Olivia Hug)

Bernward Hyera (links) aus Küsnacht verkauft seine Sammlerstücke seit 1981 im Städtli. (Bilder: Olivia Hug)

Manche fahren gut eintausend Kilometer von Frankreich nach Lichtensteig, um einen Tag lang hinter ihrem Marktstand zu stehen. Und das schon seit über 30 Jahren – der Schweizerische Photoflohmarkt muss gewinnbringend sein. «Wenn man es richtig macht, kann man sicher gutes Geld verdienen», sagt Silvio Storchenegger vom örtlichen Verkehrsbüro, das den Photoflohmarkt im Städtli seit 37 Jahren organisiert.

Gutes zum Schnäppchenpreis

Es sei heute weniger der Ertrag, der ausschlaggebend für die Teilnahme am Photoflohmarkt ist, meint Fotofachmann Jürg Meier, der seit rund 30 Jahren zu den regelmässigen Ausstellern gehört. «Wir sind zu siebt hier, das rechnet sich nie. Aber es spielt viel Freude und Faszination an der Fotografie, am Feilschen und am Kontakte- pflegen mit, weswegen wir gerne hierher kommen.» Der Inhaber eines Foto- und Videofachgeschäftes in Bümpliz und Organisator der Berner Fotobörse in Burgdorf hat es wie die meisten der gut 80 Aussteller: Am Schweizerischen Photoflohmarkt kann er Platz für Neues schaffen. «Verkaufen konnten wir noch jedes Jahr etwas. Denn die Käufer wissen, dass sie hier finden, wonach sie suchen. Und das im Grunde genommen zu Schnäppchenpreisen», sagt Jürg Meier.

Alles, fürs Sammlerherz

Auch Bernward Hyera aus Küsnacht baut in Lichtensteig sein grosses Sammelsurium ab, um danach Platz für «neue» Occasionen zu haben. «Gut 80 Prozent meiner Sammlerstücke sind Leica-Produkte. Ich habe das grösste Leica-Angebot im Städtli», erzählt der gebürtige Tansanier, der seit 1981 jährlich hinter seinem Stand am Schweizerischen Photoflohmarkt steht. Der leidenschaftliche Sammler erinnert sich gut an die Anfänge des grössten Schweizer Photoflohmarktes. «Bis so ins Jahr 2002 lief es sehr, sehr gut. Heute merkt man halt, dass sowohl die Nachfrage als auch das Angebot kleiner geworden sind.» Und dennoch sei er überzeugt, dass es in der Schweiz alles für den Bedarf gibt, für Laien wie auch für Profis. «Ich mache regelmässig Tagestouren durch die Schweiz, wo ich an Flohmärkte oder in Occasionsfachgeschäfte gehe. Abends habe ich meine Tasche voller Einkäufe», schildert Bernward Hyera lachend. Gerade eben habe er eine Kamera an einen jungen Kunden verkauft: «Der war sicher etwa 40 Jahre jünger als der Fotoapparat.»

Schrumpfender Markt

Manche Käufer seien auch frustriert, weiss Jürg Meier. «Viele kommen an Flohmärkte, um zu sehen, wie viel ihr Apparat heute noch wert ist, den sie vor vielen Jahren teuer gekauft haben. Und dann stellen sie fest, dass man halt nicht mehr viel kriegt.» Dass sich die Zeiten ändern, sehe man deutlich an der Grösse des Marktes. «Früher war hier alles voll, da konnte man mittags kaum noch durch die Gasse gehen», erzählt Jürg Meier. Auch Silvio Storchenegger sieht diesen Rückgang. «Grösser als heute werden wir sicher nicht mehr, im Gegenteil», erläutert er. In den vergangenen Jahren habe man immer rund 85 Aussteller verzeichnen können, viele davon mit mehreren Ständen. Allein auf die 37. Ausgabe des Schweizerischen Photoflohmarktes sei man um etwa sechs Stände geschrumpft. Die Begründung liege im Alter der Aussteller: «Viele sind schon lange pensioniert und betreiben das Fotografieren als Hobby. Doch irgendwann wird es ihnen halt zu mühsam, von weither nach Lichtensteig zu reisen.»

Trotz des Schwunds im Gegensatz zu früher: Noch besuchen immer mehrere hundert Personen aus dem In- und Ausland den Photoflohmarkt im Städtli – junge Fans, wie ältere Sammler.