Es war ein trauriger Anblick für Norbert Steuer, als er letzten Sonntag durchs Mülitäli dem Bach entlang spazierte: An der Wasseroberfläche trieben zahlreiche Bachforellen, die Mäuler und Kiemen weit geöffnet. Der Fischer aus Brügglen rief umgehend seinen Freund Hermann Sahli an, der den Bachabschnitt gepachtet hat. Vom Restaurant Bismarck in Küttigkofen bis hinauf nach Mühledorf kontrollierte Sahli daraufhin den Bachlauf. Es war ein trübes Bild: «Nichts hat überlebt, jeder einzelne Fisch ist gestorben», sagt Sahli. Zwischen 40 und 60 Tiere sind insgesamt verendet.

Seit 20 Jahren ist Hermann Sahli Pächter dieses Abschnitts. Noch nie gab es im Mülital ein so grosses Fischsterben. «Das ist ein Riesenschaden», sagt der Solothurner. «Es ist schade um jede Forelle.»

Wasserproben sollen aufklären

«Im Mülibach treiben entlang des Talwegs viele tote Fische». Diese Meldung ging bei der Kantonspolizei am Sonntag um 21.30 Uhr ein. Begleitet von Spezialisten des Amts für Umwelt rückten die Beamten Richtung Bucheggberg aus. Üble Gerüche haben sie im idyllischen Mülitäli nicht bemerkt. Trotzdem haben die Spezialisten Wasserproben und einige tote Fische entnommen. Diese wurden zur Analyse eingefroren.

Bereits drei Tage zuvor, am Freitag, haben Spaziergänger auf der Wasseroberfläche des Mülibachs eine merkwürdige Schaumbildung beobachtet, dort, wo der Bach aus der Sandsteinhöhle austritt. Doch Stefan Gerster vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei relativiert: «Die Schaumbildung rührt nicht zwingend von einer chemischen Verschmutzung. Grund kann auch Blütenstaub sein, der durch den Bach geschwemmt wird.»

Am Dienstag haben Gerster und sein Team dann die Bestände im Bach kontrolliert. Mit einem Elektrofanggerät wurde das Gewässer abgefischt. Die Ausbeute war ernüchternd: Im Mülibach schwimmen tatsächlich keine grossen Fische mehr.

Grund ist noch nicht bekannt

Den Grund für das Fischsterben kennt Gerster noch nicht. Mögliche Ursachen gibt es viele: Gülle, Pestizide oder chemische Stoffe wie Putzmittel oder Farben, die ins Wasser gelangen. Oft würden unachtsam Flüssigkeiten in Schächte geleitet, die dann in Bächen landeten und die Tierwelt bedrohten. Eines stehe jedoch fest, sagt Gerster: «Die Quelle der Verunreinigung dürfte in Mühledorf liegen». Polizist Walter Fink vom Polizeiposten Biberist versucht abzuklären, wo genau die Ursache liegt. Doch die Arbeit ist aufwändig, denn die Abwasserleitungen sind weit verzweigt. Hilfe könnte der Generelle Entwässerungsplan bieten. Stefan Gerster macht sich allerdings keine allzu grossen Hoffnungen: Es sei schwierig, solche Fälle von Fischsterben einem Verursacher zuzuordnen. Immerhin konnte ein Fall in Lostorf vor wenigen Wochen aufgeklärt werden: Schuld war dort ein Industriebetrieb, bei dem Reinigungsmittel in den Dorfbach entwichen ist.

Ob im Mülibach auch die seltenen Dohlenkrebse verendet sind, ist noch nicht bekannt. So oder so könne man diese Verschmutzung nicht als Bagatelle abtun, sagt Stefan Gerster. Dazu sei das Gewässer viel zu wertvoll. «Es gibt nicht mehr viele Bäche, die so unberührt durch die Landschaft fliessen.»