Corona
Taskforce sieht Leute in den Fünfzigern als neue Risikogruppe

Wer über 50 Jahre alt ist, soll sich so schnell wie möglich impfen lassen. Dies sagte Taskforce-Vize Urs Karrer an einer Medienkonferenz des Bundesamts für Gesundheit. In dieser Altersgruppe gebe es deutlich mehr schwere Verläufe und Todesfälle.

Peter Walthard
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Zwar ist die von der Corona-Taskforce für April befürchtete Explosion der Fallzahlen ausgeblieben. Doch bereits sehen die Experten eine neue Gefahr: Während sich das Infektionsgeschehen bei den ältesten Altersgruppen in Folge der Impfungen beruhigt habe, gebe es nun bei jüngeren Menschen mehr Hospitalisierungen und Todesfälle, sagte Urs Karrer, Vizepräsident der Taskforce, an einer Medienkonferenz des Bundesamts für Gesundheit (BAG) in Bern:

Covid-Hospitalisationen: Jüngere landen häufiger im Spital

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Grund dafür sei die höhere Virulenz der mittlerweile dominanten Virusvariante B117. Sie sei laut neuesten Untersuchungen nicht nur leichter übertragbar, sondern führe auch mit einer 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit zum Tod.

Mit der zunehmenden Durchimpfung der älteren Bevölkerungsgruppen verteile sich die Krankheitslast zunehmend auf jüngere Menschen, so Karrer. Heute würden deutlich mehr 40- bis 60-Jährige hospitalisiert, was bislang nicht genügend wahrgenommen werde. Diese Altersgruppe sei mobil, habe oft schulpflichtige Kinder und viele soziale Kontakte. Es sei deshalb wichtig, dass sich diese Personen so schnell wie möglich impfen liessen, sagte Karrer. Ziel müsse es sein, bei den Über-50-Jährigen rasch auf eine Impfquote von 75 Prozent zu kommen. «Dies würde das Gesundheitssystem stark entlasten», sagte er. Auch das wäre aber nur ein Zwischenschritt: Die Schweiz brauche eine 80-Prozent-Immunität über die ganze Bevölkerung, so Karrer.

Schulferien hatten möglicherweise einen positiven Einfluss

Damit stellt sich die Frage nach der Impfung von Kindern. Ohne diese werde es keine Herdenimmunität geben, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG. Er betonte aber, dass die Impfstoffe derzeit noch nicht für Kinder zugelassen seien. «Entscheidend ist, dass die Sicherheit gewährleistet werden kann, dafür braucht es Studien», sagte er.

Deshalb empfiehlt Taskforce, auch Kinder zu impfen

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Offen blieb an der Medienkonferenz, weshalb die von der Taskforce im Winter präsentierten Modellrechnungen so stark daneben lagen. Gemäss den Modellen hätten die Fallzahlen mit der weiteren Verbreitung der Variante B117 exponentiell zunehmen sollen, im April wäre mit bis zu 20'000 Infektionen pro Tag zu rechnen gewesen. Karrer betonte, dass es sich nicht um Prognosen, sondern um Szenarien gehandelt habe. Möglicherweise hätten die Schulferien einen Einfluss gehabt, vielleicht auch das Wetter. Die grösste unberechenbare Variable sei aber das Verhalten der Menschen. Diese seien im Umgang mit der Infektionsgefahr heute routinierter als noch im letzten Herbst. Dies habe möglicherweise einen Einfluss gehabt.

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