Studie
Verkehr der Zukunft: Automatisierung ohne Carsharing bringt nicht viel

Eine Studie hat die künftigen Auswirkungen und Kosten von automatisiertem Fahren und Carsharing untersucht. Dabei gibt es positive, aber auch negative Effekte.

Dario Pollice
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Selbstfahrende Autos dürften sich in Zukunft wohl immer mehr durchsetzen. (Symbolbild)

Selbstfahrende Autos dürften sich in Zukunft wohl immer mehr durchsetzen. (Symbolbild)

Keystone

Selbstfahrende Autos und Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung von Autos, werden dereinst die Mobilität verändern. Doch welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf den Verkehr und die Wirtschaft im Jahr 2060? Dieser Frage ist eine Studie im Auftrag vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) nachgegangen, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die positiven Effekte der Automatisierung und des Sharings zeigen sich gemäss den Studienautorinnen und -autoren auf verschiedene Weise. Zum einen würden die Kosten durch die geteilte Nutzung von Autos sinken. Weitere Vorteile seien, dass es zu weniger Unfällen käme und die Fahrzeit dank der Automatisierung für andere Tätigkeiten genutzt werden könnte.

Darüber hinaus könnte eine höhere Auslastung der Autos und deren Automatisierung den Verkehr verflüssigen und den Zeitverlust in Staus deutlich reduzieren. Entwickeln sich Automatisierung und Sharing im Gleichschritt, schätzen die Autoren den Nettonutzen auf 25 Milliarden Franken pro Jahr.

Entwicklungen sind ungewiss

Die Studie verortet aber auch negative Effekte. So könnten Arbeitsplätze in der Schweiz aufgrund der Automatisierung wegfallen. Problematisch sei auch, dass Autos und gewisse Bauteile heute mehrheitlich aus dem Ausland kommen. Die erhöhte Nutzung der Autos und der Kostenanstieg hätten zur Folge, dass der Konsum anderer Güter sinkt. Dies würde wiederum die gesamte Wertschöpfung in der Schweiz verringern.

Zudem zeigen die Studienautoren in einem Szenario: wenn sich die Automatisierung ohne Sharing durchsetzt, würde die Schweizer Wirtschaft einen jährlichen Verlust von 8,6 Milliarden Franken pro Jahr einfahren. Die Automatisierung und die Ausweitung des motorisierten Individualverkehrs berge auch Risiken für die Umwelt und widerspreche den bestehenden klima- und umweltpolitischen Zielen.

Anders sieht es aus, wenn sich lediglich das Sharing etablieren würde. Der jährliche Nutzen beliefe sich auf 3,8 Milliarden Franken. Weil die Anschaffungskosten für gemeinsam genutzte Fahrzeuge tiefer ausfielen, würde mehr Geld für wertsteigernde Ausgaben zur Verfügung stehen. Allerdings ist es laut der Studie ungewiss, ob sich das Teilen von Fahrten und Fahrzeugen wirklich durchsetzen wird.

Die Studienautoren halten fest, dass grosse Unsicherheiten mit Blick auf die künftige Entwicklung der genannten Trends bestehen. Um deren Effekte abschätzen zu können, mussten sie zum Teil starke Annahmen treffen.