Hedgefonds-PLeiten
CS-Präsident: Nun soll Schluss sein mit «unerfreulichen Überraschungen»

Die Credit Suisse kommt derzeit nicht zur Ruhe. Ihr Präsident, Axel Lehmann, spricht von einem Vertrauensproblem. Trotzdem ist er überzeugt, dass die Bank wieder auf den grünen Zweig kommt.

Dario Pollice
Drucken
Der ehemalige UBS-Verwaltungsrat Axel Lehmann ist seit Januar 2022 Präsident der Credit Suisse.

Der ehemalige UBS-Verwaltungsrat Axel Lehmann ist seit Januar 2022 Präsident der Credit Suisse.

AP

Bei der Grossbank Credits Suisse (CS) reiht sich wieder mal eine Negativschlagzeile an die andere. Nachdem sie für das erste Quartal einen Verlust verbuchen musste, verweigerten die Aktionäre an der Generalversammlung vom Freitag dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2020. Hintergrund waren die Debakel um den Hedgefonds Archegos und Greensill Capital.

Entsprechend spricht auch CS-Präsident Axel Lehmann in einem Interview von einer «Governance-Krise» und einem «Vertrauensproblem». Die Grossbank müsse nun konsequent ihre Altlasten abarbeiten. «Es darf keine solche Häufung von unerfreulichen Überraschungen mehr geben», sagt Lehmann gegenüber der NZZ vom Samstag.

Die Credit Suisse sei derzeit im Umbruch, gibt Lehmann zu bedenken. Die Grossbank habe sich einem umfassenden Risikoprogramm unterzogen und die ganze Risiko- und Kontrollorganisation neu aufgestellt. Es seien bereits «erfreuliche Fortschritte» erzielt worden.

Der CS-Präsident lehnt sich aus dem Fenster und sagt: «Ich wage zu behaupten, ein Fall wie Archegos wäre heute nicht mehr möglich». Heute könne er als Verwaltungsratspräsident ebenso wie das Risiko-Komitee jederzeit sehen, wo irgendwo im Konzern Limiten verletzt werden. «Diese Transparenz ist Teil des Wandels», so der 63-Jährige weiter. Dennoch brauche es Zeit, bis die Resultate sichtbar seien.

Credit Suisse will ihre Hausaufgaben machen

Für die Chefetage hatten die negativen Schlagzeilen Konsequenzen: So gab die CS jüngst bekannt, dass Finanzchef David Mathers, Chefjurist Romeo Cerutti und der Chef des Asien-Geschäfts, Helman Sitohang, die Bank verlassen. Doch Konzernchef Thomas Gottstein geniesst weiterhin das Vertrauen des Verwaltungsratspräsidenten. «Weil er gut ist», so Lehmann, und weil es bei so vielen Neubesetzungen jemanden an der Spitze brauche, der weiss, «wie die ganze Organisation tickt und wer die Schlüsselkunden sind».

Dass die Aktionäre mit 60 Prozent Nein-Stimmen dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Erteilung der Décharge für das Jahr 2020 verweigert haben, nimmt Axel Lehmann «zur Kenntnis». Nun werde der Verwaltungsrat alle weiteren notwendigen Schritte überprüfen. «Wir nehmen aber die Anliegen unserer Aktionärinnen und Aktionäre sehr ernst und arbeiten weiter daran, unsere Hausaufgaben zu machen», so der CS-Präsident.

Erst am Mittwoch teilte die Grossbank mit, dass für die ersten drei Monate des Jahres 2022 ein Verlust von 273 Millionen Franken resultierte. Dabei belasteten insbesondere hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten das Ergebnis der Bank. Ebenfalls am Mittwoch gab die US-Staatsanwaltschaft zudem bekannt, dass sie Anklage gegen die Archegos-Chefs Bill Hwang und Patrick Halligan erhebt. Ihnen werden unter anderem Marktmanipulation und Betrug vorgeworfen. Der Zusammenbruch der Finanzfirma im März 2021 hatte einigen Investoren, darunter der Credit Suisse, hohe Verluste eingebrockt.

Aktuelle Nachrichten