Food Waste
Verlängerte Haltbarkeit soll Food Waste-Problematik verringern

Der Detailhandel erhält mehr Spielraum, um die Vernichtung von abgelaufenen Lebensmitteln zu vermeiden. Profitieren sollen auch Hilfsangebote für Bedürftige.

Peter Walthard
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Mit dem neuen Leitfaden kann Fleisch vor dem Ablaufdatum zu Tiefkühlware umetikettiert werden.

Mit dem neuen Leitfaden kann Fleisch vor dem Ablaufdatum zu Tiefkühlware umetikettiert werden.

Keystone

Viele Nahrungsmittel sind auch noch dann geniessbar, wenn sie das aufgedruckte Ablaufdatum überschritten haben. Zugleich verlangen die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030, dass die Schweiz im kommenden Jahrzehnt die Menge der jährlich vernichteten Lebensmittel halbiert – zur Zeit sind das 2,8 Millionen Tonnen. Allein im Detailhandel werden jährlich 100'000 Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen: Meist, weil sie das Haltbarkeitsdatum überschritten haben.

Um dem entgegenzuwirken, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) beauftragt, Entscheidungsgrundlagen für die Abgabe und Datierung von Lebensmitteln zu erstellen. Die neuen Empfehlungen wurden vom BLV am Mittwoch in einem Empfehlungsschreiben veröffentlicht. Damit erhält die Lebensmittelbranche mehr Spielraum. Denn bei der Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatum sind die Hersteller bisher eher vorsichtig – sie sind laut Gesetz für die Qualität ihrer Produkte verantwortlich. Nun sind sie mit dem Leitfaden der ZHAW auch bei einer längeren Haltbarkeitsdauer auf der sicheren Seite.

«Zu verbrauchen bis» ist nicht gleich «mindestens haltbar bis»

Die ZHAW arbeitete dabei mit einer Auswahl an repräsentativen Lebensmitteln, die auf bestimmte Parameter untersucht wurden, wie Autorin Corinne Gantenbein-Demarchi an einer Medienkonferenz ausführte. Alle Lebensmittel einzeln im Labor zu untersuchen, wäre zu aufwendig gewesen, sagte sie. Für den Leitfaden bestimmte das Forscherteam schliesslich, welche Lebensmittel weiterhin mit einem Verfallsdatum als «zu verbrauchen bis» gekennzeichnet werden müssen und bei welchen die Kennzeichnung «mindestens haltbar bis» ausreicht.

Im Gegensatz zum Verbrauchsdatum, das aus gesundheitlichen Gründen beachtet werden muss, gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum nur einen Hinweis auf die Produktqualität, nicht aber auf eine allfällige Gefährdung. «Der Ablauf dieser Daten bedeutet nicht zwingend, dass die Lebensmittel nicht mehr geniessbar sind», betonte Claudio Beretta vom Verein Foodwaste.ch: «Sie sind dann vielleicht nur nicht mehr ganz so farbig, knackig oder geschmacksintensiv.» Beretta verwies an der Medienkonferenz auf Erfahrungen aus dem Ausland. In Italien und den Niederlanden gebe es bereits ähnliche Listen. Diese seien bei der Anpassung berücksichtigt worden.

Ausserdem sollen Lebensmittel, die kurz vor Erreichen des Ablaufdatums eingefroren werden, neu etikettiert und als Tiefkühlprodukt weitere 90 Tage lang abgegeben werden dürfen. Organisationen, die Bedürftige mit unverkäuflichen Lebensmitteln versorgen, hätten damit mehr Ware zu verteilen. So könnte etwa abgepacktes Fleisch tiefgekühlt und länger aufbewahrt werden als bisher. «Lebensmittelhilfen gewinnen ein Zeitfenster, das sie bisher nicht hatten», sagte dazu der Geschäftsführer von Tischlein deck dich», Alex Stähli.

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