Flughafen Zürich
Einmaliger Schritt: Gewerkschaften künden Gesamtarbeitsvertrag und drohen mit Streiks

In der Pandemie bot das Bodenpersonal des Flughafen Zürich Hand zu Krisenmassnahmen. Nun will Swissport diese beibehalten. Das kritisieren die Gewerkschaften und künden den Gesamtarbeitsvertrag. Zudem drohen sie mit Streiks, die zu zusätzlichen Verspätungen und Flugausfällen führen könnten.

Samuel Thomi
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Droht den Passagieren am Flughafen Zürich schon bald ein weiteres Chaos? Die Gewerkschaften drohen mit Streiks. (Archivbild)

Droht den Passagieren am Flughafen Zürich schon bald ein weiteres Chaos? Die Gewerkschaften drohen mit Streiks. (Archivbild)

Keystone

Nach der Streichung dutzender Flüge durch Fluggesellschaften – darunter auch die Swiss – droht dem Flughafen Zürich weiteres Ungemach als Folge der Coronapandemie. Die Gewerkschaften haben den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit der Flughafendienstleisterin Swissport per Ende Jahr gekündigt. Und sie drohen mit Kampfmassnahmen – von Protestaktionen bis zum Streik. Wie Stefan Brülisauer von der VPOD Luftverkehr gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte, müssten sich Passagiere auf Verspätungen einstellen. Es könne auch sein, dass Flüge ausfallen.

Wie es in praktisch gleichlautenden Mitteilungen vom Donnerstag heisst, haben die Mitglieder von SEV-GATA, VPOD und kfmv die Kündigung des GAV jeweils einstimmig beschlossen. Die Firma Swissport sei bereits am Mittwochabend über die Kündigung informiert worden.

Erschöpfung wegen Personalmangel und schlechten Arbeitsbedingungen

Laut den Gewerkschaften sind viele Flughafen-Mitarbeitende wegen Personalmangels und schlechter Arbeitsbedingungen erschöpft. Denn die zwei vergangenen Coronajahre hätten ihnen viel abverlangt. Fazit: «Eine Fortführung des Krisen-GAV ist für die Mitarbeitenden unter den aktuellen Umständen nicht mehr zumutbar.» Wie der kvfm schreibt, ist dies die erste Kündigung eines Luftfahrt-Gesamtarbeitsvertrags in der knapp 80-jährigen Sozialpartnerschaftsgeschichte des Verbands.

Die in der Pandemie ausgehandelte Zusatzvereinbarung zu dem seit 2019 gültigen GAV sah für Zürcher Swissport-Mitarbeitende Lohneinbussen sowie längere Arbeitszeiten vor und sie verzichteten auf Ferien- sowie sogenannte Off-Tage. Die Angestellten hätten in der Pandemie «alles» gemacht, um Swissport durch die Krise zu bringen, schreiben die Gewerkschaften.

Und weiter: «Jetzt hat der Normalbetrieb wieder Fahrt aufgenommen und es ist höchste Zeit, auch bei den Arbeitsbedingungen des Bodenpersonals wieder zur Normalität zurückzukehren.» Der VPOD wirft in seiner Mitteilung Swissport denn auch «Wortbruch» vor. Und die Gewerkschaft droht, dieser werde «nicht unbeantwortet bleiben».

Allerdings setzen die Arbeitnehmer in der aktuellen Situation noch einen drauf und fordern nebst der Rückkehr zum alten GAV für das Bodenpersonal des Flughafen Zürich auch einen Teuerungsausgleich und Verbesserungen bei der Off-Tage-Regelung. Dies «um die Work-Life-Balance wieder herzustellen», wie Gewerkschaftssekretärin Regula Pauli in der Mitteilung zitiert wird. Laut Angaben der Gewerkschaften haben mit Swissport seit April fünf erfolglose Verhandlungsrunden stattgefunden.

Swissport bedauert Entscheid, will Dialog aber «aktiv aufrecht» halten

Swissport Zürich bestätigt auf Anfrage von CH Media die Kündigung. «Wir werden nun die aktuelle Situation und mögliche Szenarien bewerten», schreibt die Servicegesellschaft für Fluggesellschaften und Flughäfen.

Zwar bedauert Swissport den Entscheid der Verbände, will aber den Dialog «weiter aktiv aufrecht» halten. Gemeinsam hätten die Sozialpartner am Montag beschlossen, die seit April laufenden GAV-Verhandlungen ab August weiterzuführen. Gemeinsames Ziel laut Swissport: auf Anfang 2023 einen neuen GAV abschliessen und die Sozialpartnerschaft fortführen.