Coronamassnahmen
Gewerbeverband will Lockdown am 1. März beenden und fordert sofort erste Öffnungen

Der Schweizerische Gewerbeverband fordert vom Bundesrat per sofort erste Lockerungen der Corona-Schutzmassnahmen. Zudem soll ab dem 1. März die gesamte Wirtschaft wieder hochfahren dürfen.

Alice Guldimann und Samuel Thomi
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Nachdem am Wochenende erste Wirtschaftsverbände ihre Lockerungs-Fahrpläne präsentiert haben, stellte am Dienstag auch der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) seine «Roadmap aus dem Lockdown» vor. Anders als Economiesuisse und Arbeitgeberverband fordern der SGV und seine Branchenverbände erste Lockerungsschritte jedoch bereits «per sofort».

«Die Lockdown-Strategie des Bundesrates ist gescheitert», sagte SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler an einer Online-Medienkonferenz:

Keystone-SDA

Die Wirtschaft und die Schweizer Bevölkerung benötige «dringend eine Perspektive». Laut dem vom SGV-Vorstand verabschiedeten Öffnungs-Fahrplan sollen beispielsweise Terrassen- und Outdoorbetriebe von Restaurants unter Einhaltung eines Schutzkonzepts sofort wieder öffnen können. Im Detailhandel solle zudem das sogenannte «Private Shopping» mit Voranmeldung neu möglich sein. Und im Aussenbereich soll der Detailhandel sein ganzes Sortiment wieder verkaufen können.

«Die Wirtschaft verfügt über funktionierende Schutzkonzepte», sagte Hans-Ulrich Bigler. Zudem seien kaum Ansteckungsfälle in Wirtschaftsbetrieben bekannt. Interne Zahlen des Bundes zeigten gar, dass diese unter fünf Prozent aller Ansteckungsfälle liegen, so Bigler. Die Wirtschaft trage damit einen Grossteil der Pandemiekosten, werde aber mit der Härtefallregelung dafür nur ungenügend entschädigt.

Mehr Tests und digitalisiertes Contact-Tracing

Zweiter Halt auf dem Fahrplan gemäss SGV ist der 1. März. Ab dann soll laut dem Gewerbeverband die gesamte Wirtschaft wieder geöffnet werden. «Alle Bereiche sollten öffnen und der Detailhandel sein gesamtes Sortiment anbieten können», heisst es in der Mitteilung weiter. Auch Freizeitbetriebe, Sporteinrichtungen und die Gastronomie sollen ihren Betrieb mit Schutzkonzepten wieder aufnehmen können.

Per Ende Juni sieht der SGV schliesslich den Abschluss des Impfprogramms vor. Bis spätestens dann seien zudem Lehren aus den gesundheits- und wirtschaftspolitischen Massnahmen gezogen und Entschlüsse für ein mögliches Wiederaufflammen der Coronapandemie erarbeitet werden. Flankierend zu den geforderten Öffnungen solle zudem mehr getestet und die Digitalisierung des Contact-Tracings vorangetrieben werden.

Zur Frage, weshalb die Wirtschaftsverbände und die bürgerlichen Parteien beim mehrheitlich bürgerlichen Bundesrat mit ihren Anliegen offenbar nicht durchdringen, gab sich Hans-Ulrich Bigler «ratlos». Entsprechend bedauere sein Verband, dass sich die Coronapolitik des Bundes «an Szenarien und nicht an der Evidenz orientiert». Doch inzwischen drehe offenbar die Stimmung in der Bevölkerung und der Wirtschaft. Das zeigten auch Rückmeldungen bei den dem SGV angeschlossenen 230 Verbänden.

Auch Gewerkschafts-Boss fordert Lockerungen

Etwas weniger rasch wollen Economiesuisse und Arbeitgeberverband die Wirtschaft nach dem seit Mitte Januar laufenden Teil-Lockdown wieder hochfahren. Erste Lockerungsschritte ab dem 1. März sollen Tätigkeiten mit geringer Ansteckungsgefahr wieder ermöglichen, etwa Sport ohne Körperkontakt oder Gastronomie im Aussenbereich. Die Homeoffice-Pflicht soll ab dann zur Empfehlung zurückgestuft werden. Erst sobald die Risikogruppen geimpft sind, sollen dann weitere Öffnungsschritte der Wirtschaft folgen. Bürgerliche Parteien und Politiker haben am Montag zudem zwei Petitionen mit dem Ruf nach Lockerungen dem Bundesrat überreicht.

Hinter die Forderung nach einer Strategie zum Ausstieg aus dem Teil-Lockdown haben sich in den letzten Tagen auch Gewerkschaften gestellt. So forderte etwa Pierre-Yves Maillard, der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, eine «Perspektive». Aufgrund der Fallzahlen müssten Lockerungen möglich sein, so der Waadtländer SP-Nationalrat. Dieser Plan müsse zwingend aber auch Vorschläge enthalten, wie die Existenzsicherung von Menschen mit tiefen Einkommen garantiert sei.