Baukonjunktur
Weniger Umsatz: Baugewerbe leidet unter Coronapandemie

Das Bauhauptgewerbe hat im Jahr 2020 fast 6 Prozent weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr. Nun hofft die Branche auf Aufträge der öffentlichen Hand.

André Bissegger
Merken
Drucken
Teilen
Die Baubranche litt 2020 unter der Coronapandemie. Im Jahr 2021 soll es wieder aufwärts gehen.

Die Baubranche litt 2020 unter der Coronapandemie. Im Jahr 2021 soll es wieder aufwärts gehen.

Keystone

Das Bauhauptgewerbe erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 19,5 Milliarden Franken. «Dieser Rückgang von 5,8 Prozent schmerzt uns», sagte Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverband (SBV), am Donnerstag vor den Medien. «Im Vergleich zu anderen Branchen, die härter getroffen wurden, stehen wir aber gut da.» Das Bauhauptgewerbe sei seiner Rolle als robuste Stütze der Schweizer Wirtschaft gerecht geworden.

Am stärken betroffen waren die Romandie und das Tessin mit Umsatzrückgängen von 12 respektive 14,5 Prozent. In der Deutschschweiz sank der Umsatz um 3 Prozent. Als Gründe dafür nannte SBV-Zentralvorstandsmitglied Hannes Schiesser geschlossene Baustellen in der Westschweiz und die Grenzgängerproblematik.

Mehr Arbeitslose wegen Gewerkschaftspolitik

Er äusserte denn auch Kritik an den Gewerkschaften, die sich für einen landesweiten Baustopp eingesetzt haben. «Die Baustellenschliessungen hatten nicht nur Einfluss auf den Umsatz, bis zu 10'000 Beschäftigte wurden in der Westschweiz unnötig in Kurzarbeit geschickt», sagte er. «Zudem wurden mehrere hundert Personen wegen der Gewerkschaftspolitik arbeitslos.»

Für das kommende Jahr rechnet der SBV mit einer laut Lardi «bescheidenen» Erholung von 1,5 Prozent auf 19,8 Milliarden Franken. Vor allem der Wohnungsbau, dessen Umsatz im vergangenen Jahr mit über 16 Prozent deutlich zurück ging, sollte wieder etwas besser laufen. Beim Wirtschaftsbau seien die Unsicherheiten hingegen gross. Der Baumeisterverband rechnet daher mit einer Stagnation.

Öffentliche Bauherren sind gefordert

Ob die positive Entwicklung tatsächlich einsetzt, ist auch von der öffentlichen Hand abhängig. Sie ist für die Hälfte des Umsatzes im Bauhauptgewerbe verantwortlich, wie Lardi sagte. Die öffentlichen Bauaufträge gingen im vergangenen Jahr in der Mehrheit der Kantone zurück. Im öffentlichen Tiefbau wurden beispielsweise 3,4 Prozent weniger Aufträge vergeben.

Der Staat sollte sich gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten nicht zurückziehen, sagte Lardi. «Es war sehr ungewöhnlich, dass der Arbeitsvorrat an öffentlichen Aufträgen seit Jahresbeginn durchgehend abgebaut wurde.» Die Reserven seien nun deutlich reduziert, der Arbeitsvorrat sank auf 2,5 Prozent. Lardi ruft deshalb Gemeinden, Bund und Kanton auf, Projekte forciert zu planen, auszuschreiben und zu vergeben. Baugesuche sollen rasch begutachtet und baureifen Projekte vorangetrieben werden. «Wir müssen weitere Verzögerungen vermeiden.»