Arbeitsmarkt
Nach Erholung: Seco rechnet mit Fachkräftemangel wie vor der Krise

Nach einer weiteren Erholung des Schweizer Arbeitsmarkts rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bereits ab Frühjahr wieder mit einem Fachkräftemangel wie vor der Pandemie.

Samuel Thomi
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Rechnet bald schon wieder mit einem Fachkräftemangel wie vor der Coronakrise: Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Seco.

Rechnet bald schon wieder mit einem Fachkräftemangel wie vor der Coronakrise: Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Seco.

Keystone

Es ist noch nicht lange her, da suchten Unternehmen händeringend nach Spezialistinnen und Spezialisten. Und die Arbeitslosigkeit war auf einem Rekordtief. Auch wenn derzeit die Omikronwelle und damit verbundene Ausfälle von Mitarbeitenden Schlagzeilen machen: Bald könnte es auf dem Schweizer Arbeitsmarkt wieder sein wie vor der Coronakrise. Zumindest was Spezialisten betrifft: «Bereits im dritten Quartal des letzten Jahres hat der Fachkräftemangel das Vorkrisenniveau erreicht», sagte Boris Zürcher vom Seco am Freitag vor den Medien in Bern.

Der Leiter der Direktion für Arbeit im Seco rechnet damit, dass sich die Konjunktur nach einer weiteren Abbremsung zu Jahresbeginn ab kommendem Frühjahr rasch wieder weiter erholen wird. Und damit auch der Arbeitsmarkt. «Dann werden auch Engpässe bei der Rekrutierung von Fachkräften wieder verstärkt ein Thema werden», sagte Zürcher.

«Sehr gute Aussichten»

Laut dem Experten ist dies allerdings zumindest teilweise ein altbekanntes Problem eines funktionierenden Arbeitsmarkts. Und dieser könne oder müsse den Fachkräftemangel denn auch zumindest teilweise selbst beheben, etwa bei den Löhnen oder mit Anpassungen weiterer Anstellungsbedingungen. Boris Zürcher dämpft damit auch immer wieder aufkommende Forderungen vorab von links-grünen Politikern nach einem stärkeren Eingreifen der Politik.

In einem normalen Jahr wechseln gemäss Zürcher etwa 15 Prozent der Arbeitskräfte intern oder extern die Stelle. «Seit Herbst kommt diese übliche Bewegung nun wieder in Schwung.» Im Januar dürfte die Arbeitslosenquote zwar nochmals leicht leicht ansteigen. «Im Anschluss daran gehen wir aber von einem weiteren Rückgang aus.» Es gelte darum nun, diesen «Aufschwung zu nutzen», sagte Zürcher an Arbeitgeber und Arbeitnehmerinnen gerichtet. Und auch darüber hinaus beurteile er die Aussichten für die kommenden Jahre als «sehr gut», sagte der Leiter der Direktion für Arbeit im Seco. Dies nicht zuletzt weil demografisch bedingt starke Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt austreten werden.

Nachzahlung von Ferien- und Feiertagsgelder: Seco will dem Bundesrat bald Lösungsvorschlag unterbreiten

Laut Bundesgericht haben Betriebe auch in der Coronazeit Anrecht auf Ferien- und Feiertagsgelder bei der Berechnung der Kurzarbeitsentschädigungen. Das Seco hatte diese zu Beginn der Coronakrise gestrichen, um das Berechnungsverfahren der Kurzarbeitsgelder zu vereinfachen. Im konkreten Fall gab «Lausanne» einem Luzerner Gastrounternehmer Recht, der nachträglich nun zusätzliche Kurzarbeitsgelder ausbezahlt erhält. Das Seco versprach im vergangenen Dezember, das Urteil zu prüfen und noch im alten Jahr Stellung zu nehmen.

Diese Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen, sagte Boris Zürcher am Freitag vor den Medien auf die Frage von CH Media. Doch werde das Seco dem Bundesrat «in den nächsten Wochen» einen Vorschlag zur Lösung unterbreiten. Details wollte er nicht vorwegnehmen; auch nicht, welche zusätzlichen Kosten dies allenfalls für den Bund zur Folge haben könnte.

Nach Anpassungen der Corona-Kurzarbeitsentschädigung gehe man allerdings davon aus, dass diese seit Anfang Jahr bundesgerichtskonform berechnet würden, so Zürcher. (sat)

Wie das Seco am Freitag weiter mitteilte, war die Arbeitsmarktentwicklung in der Schweiz auch im vergangenen Jahr erneut stark von der Coronapandemie geprägt. Dabei ist 2021 die Zahl der Arbeitslosen als auch jene der registrierten Stellensuchenden kontinuierlich zurückgegangen. Im Jahresdurchschnitt betrug die Arbeitslosenquote 3 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 3,1 Prozent. Eine Stelle suchten letztes Jahr durchschnittlich 228’930 Personen – das sind 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Verglichen mit der Zeit vor Corona liegt die Zahl der Stellensuchenden aktuell noch um 16’721 Personen respektive 8,7 Prozent höher, die Arbeitslosenzahl um 4’451 Personen respektive 3,8 Prozent. Besonders betroffen sind etwa der Detailhandel und das Gastgewerbe. Aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen sind viele Personen ohne Arbeit.

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