Ornithologie
Jungvögel fallen derzeit vermehrt aus ihren Nestern – das müssen Sie beachten

Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können. Nicht in allen Fällen ist das ein Problem – aber etwa wenn eine Katze in der Nähe lauert. Die Tipps der Profis.

Merken
Drucken
Teilen
Diese junge Amsel hat bereits das Nest verlassen, ist jedoch noch nicht selbstständig. In der Natur würde sie von ihren Eltern weiterhin betreut.

Diese junge Amsel hat bereits das Nest verlassen, ist jedoch noch nicht selbstständig. In der Natur würde sie von ihren Eltern weiterhin betreut.

Bild: Schweizerische Vogelwarte

(zgc) Momentan sind viele Vögel mit dem Brüten oder der Versorgung der Nestlinge beschäftigt. Wie die Vogelwarte Sempach am Dienstag in einer Medienmitteilung schreibt, haben mancherorts die ersten Jungvögel bereits das Nest verlassen. Dabei springen einige Vogelarten, etwa die Amsel oder der Hausrotschwanz, bereits aus dem Nest, wenn sie noch flugunfähig sind. Sie springen heraus, damit das Risiko verringert wird, dass ein sogenannter Fressfeind alle Jungen frisst, wenn er das Nest entdeckt.

Die Vogelwarte erwähnt, dass, selbst wenn sie noch nicht richtig fliegen können, Jungvögel gut für das Überleben ausserhalb des Nests gerüstet seien. Darüber hinaus kümmern sich auch nach dem Verlassen des Nests die Vogeleltern um die Jungen und versorgen diese mit Nahrung. Jungvögel benötigen daher meist keine menschliche Hilfe. Wie die Vogelwarte mahnt, wäre es gar falsch, die Jungvögel mitzunehmen. In der Mitteilung heisst es:

«Selbst die kompetenteste Pflegeperson kann die Aufzucht nie so geschickt meistern wie die Vogeleltern.»
Im Gegensatz dazu sind diese Amselnestlinge noch vollkommen hilflos und müssen gewärmt werden. Solche kaum befiederten Nestlinge sind immer ein Fall für eine Pflegestation.

Im Gegensatz dazu sind diese Amselnestlinge noch vollkommen hilflos und müssen gewärmt werden. Solche kaum befiederten Nestlinge sind immer ein Fall für eine Pflegestation.

Bild: Schweizerische Vogelwarte

Es kommt vor, dass ein Jungvogel bei seinem ersten Ausflug an einem unglücklichen Ort landet – beispielsweise auf einer Strasse oder in der Nähe einer Katze. Befindet sich ein Vogel in solch einer akuten Gefahr, so ist laut Vogelwarte ein wenig Unterstützung sinnvoll. Es reicht, den Vogel in ein nahe gelegenes Gebüsch zu setzen. Anders als bei anderen Tieren stört die Vogeleltern der Geruch des Menschen auf dem angefassten Jungvogel nicht.

Wann braucht ein Jungvogel Hilfe?

Gelegentlich kommt es vor, dass Vogelkinder tatsächlich zu früh aus dem Nest fallen. Solche Pechvögel sind verloren, wenn sie nicht in eine Pflegestation gebracht werden. Man erkennt sie daran, dass sie nicht herumhüpfen können und meist kaum befiedert sind. Ist man unsicher, ob es sich wirklich um einen zu früh aus dem Nest gefallenen Jungvogel handelt, so empfiehlt es sich, ihn zu fotografieren und sich bei einer Pflegestation nach einer Einschätzung zu erkundigen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach betreibt eine eigene Pflegestation. Diese kann unter 041 462 97 00 (Mo–Fr 8–12 Uhr und 13.30–17 Uhr) erreicht werden; an Wochenenden und Feiertagen ist ein Pikettdienst organisiert (9–12 Uhr und 13.30–17 Uhr).

Vogel gefunden – was tun?

Es kommt gelegentlich vor, dass man auf dem Spaziergang oder bei sich zu Hause einen Vogel findet, der nicht wegfliegt. In gewissen Fällen braucht der Vogel die professionelle Hilfe einer Pflegestation, in anderen ist ein Eingreifen hingegen nicht nötig. Ein Entscheidungsbaum soll helfen, auf die häufigsten Situationen richtig zu reagieren. Mehr Informationen finden Sie auf der Website.

Bei Unsicherheit ob der Vogeleltern und deren Aufenthalts empfiehlt es sich, den Jungvogel aus mindesten 50 Metern zu beobachten. Wird er nicht innert einer Stunde von seinen Eltern versorgt, so empfiehlt es sich, mit einer Pflegestation Kontakt aufzunehmen.

Der Gang zu einer Pflegestation wird zudem dann nötig, wenn man verletzte Vögel oder kaum befiederte Nestlinge am Boden auffindet. Da die Haltung und Pflege einheimischer Singvögel nicht nur Fachwissen, sondern auch eine kantonale Bewilligung erfordert, ist auf eine Aufzucht zu Hause zu verzichten.

Diese Grafik soll eine Hilfestellung sein: Entscheidungsbaum_Vogel-gefunden.pdf