Vor dem Spiel in Amsterdam
Auch die Goalie-Rochade bringt die Young Boys nicht aus der Ruhe

Der Schweizer Meister tritt am Donnerstag im Achtelfinale der Europa League bei Ajax Amsterdam an. Die Berner wollen sich so wenig wie möglich als Aussenseiter präsentieren und stattdessen die nächste Überraschung schaffen.

Simon Scheidegger
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YB-Goalie Guillaume Faivre beim ersten Training in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam.

YB-Goalie Guillaume Faivre beim ersten Training in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam.

Claudio de Capitani / Freshfocus

Gerardo Seoane und Silvan Hefti sitzen im Presseraum der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam, und lauscht man den Worten des YB-Trainers und seines Rechtsverteidigers würde nichts darauf hindeuten, dass für die Young Boys am Donnerstag (18:55 Uhr) eines der grössten Spiele der Vereinsgeschichte ansteht. Wenn die beiden über die Europa-League-Achtelfinalpremiere gegen Ajax Amsterdam sprechen, strahlen sie ihre gewohnte Ruhe aus. Und auch eine gewisse Forschheit, wenn Seoane sagt: «Wir sind nicht gerne in der Aussenseiterrolle, aber in einem solchen Spiel ist es legitim. Wir wollen trotzdem möglichst oft Ball und Gegner kontrollieren.».

In der Meisterschaft spielten die Berner zuletzt dreimal in Serie unentschieden. Seoane gewährte vielen Akteuren Einsatzminuten und schonte Stammpersonal. Es sind Indizien dafür, dass der Fokus längst auf das Aufeinandertreffen mit dem holländischen Rekordmeister gerückt ist. Hefti verneint dies nicht, deutet es aber positiv, wenn er sagt: «Alle sind fit und bereit, sowohl physisch als auch psychisch.»

Faivres unverhoffter Auftritt auf grosser Bühne

Auf einen trifft dies freilich nicht zu. Goalie David von Ballmoos hat die Reise nach Holland nicht angetreten und kuriert seine am Samstag im Spiel gegen Vaduz (1:1) erlittene Gehirnerschütterung aus. Das eröffnet einem das Tor zur grossen europäischen Bühne, der sich einen solchen Auftritt vor kurzem nicht einmal zu erträumen gewagt hätte: Guillaume Faivre. Der 34-Jährige stieg im letzten Sommer mit dem FC Thun ab und suchte nach acht Saisons im Berner Oberland eine neue Herausforderung. Er fand sie bei YB und sollte in die Rolle des erfahrenen, verlässlichen Ersatzgoalies schlüpfen, die in Bern über Jahre Clublegende Marco Wölfli bekleidet hatte.

Bisher kam der Neuenburger in drei Pflichtspielen und während insgesamt lediglich 211 Minuten zum Einsatz. Es sind nicht die besten Voraussetzungen für das grösste Spiel seiner langen Karriere, aber die Young Boys sind bemüht, ihren Goalie zu schützen und unterstützen. Medienanfragen zu Faivre wurden im Vorfeld alle abgelehnt, um den Druck von aussen zu reduzieren. Seoane sagt: «Wir haben Gui genau für solche Situationen geholt, und ich bin überzeugt, dass er sich mit seiner Erfahrung und Ruhe top präsentieren wird.»