Sport-Auszeichnung
Tennisspielerin Bencic und Skifahrer Odermatt triumphieren an den Sports Awards – alle Gewinner in der Übersicht

Skifahrer Marco Odermatt ist zum Sportler des Jahres gewählt worden. Bei den Frauen kann sich Tennisspielerin Belinda Bencic auszeichnen. Die sechs Kategorien und die Gewinnerinnen und Gewinner in der Übersicht.

Simon Häring und Etienne Wuillemin
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Sportlerin des Jahres

Tennisspielerin Belinda Bencic gewann in Tokio Gold im Einzel.

Tennisspielerin Belinda Bencic gewann in Tokio Gold im Einzel.

Keystone

Die Karriere von Belinda Bencic war von langer Hand geplant, sollte sie an die Weltspitze und zu Triumphen bei Grand-Slam-Turnieren führen. Im Masterplan nicht vorgesehen war, dass der vorläufige Höhepunkt einmal ein Olympiasieg werden sollte. Doch in Tokio kam für die 24-Jährige alles zusammen. Vier Mal setzte sie sich im Einzel jeweils im dritten Satz durch, so auch im Final. Zu Gold im Einzel kam auch noch Silber im Doppel an der Seite von Viktorija Golubic. Bencic wurde in diesen denkwürdigen Tagen von Tokio zum Gesicht des Schweizer Medaillenrauschs: jung, weiblich, erfolgreich. Mit ihren Wurzeln in der Slowakei steht Bencic auch sinnbildlich für den Wandel in der Schweizer Gesellschaft, in der inzwischen mehr als jede Dritte Wurzeln im Ausland hat. Zwar hat die Schweiz seit 2008 bei Olympischen Spielen im Tennis immer eine Medaille gewonnen, doch Gold im Fraueneinzel war eine Premiere.

Daneben verlief Bencics Saison eher unbefriedigend: Zwar erreichte sie die Viertelfinals der US Open, stand mit der Schweiz im Final des Billie Jean King Cup und in zwei Einzelfinals, einen Titel gewann sie aber nicht. In der Weltrangliste fiel sie vom neunten auf den 23. Rang zurück. Doch das war in diesem Jahr völlig unerheblich. Drei Tage vor der Wahl zur Sportlerin des Jahres liess Bencic sich auf der Innenseite des rechten Handgelenks die olympischen Ringe als Tattoo stechen. Die Tage in Tokio – sie gingen unter die Haut. Sprichwörtlich.

Die Stimmen der Top 3

  1. Belinda Bencic 26,28 Prozent
  2. Jolanda Neff 20,20 Prozent
  3. Lara Gut-Behrami 17,58 Prozent 

Sportler des Jahres

Ski-Ass Marco Odermatt ist Sportler des Jahres.

Ski-Ass Marco Odermatt ist Sportler des Jahres.

Keystone

Sein Aufstieg ist grandios. Seine Zukunft goldig. Und nun wird er 24-jährig zum ersten Mal als Sportler des Jahres ausgezeichnet: Marco Odermatt. Der Skifahrer schrammte im letzten Winter nur ganz knapp am Sieg im Gesamtweltcup vorbei. Gestoppt wahrscheinlich nur vom schlechten Wetter beim Weltcup-Final auf der Lenzerheide, als Abfahrt und Super G abgesagt werden mussten. Doch auch Rang 2 hinter Alexis Pinturault ist eine herausragende Leistung. Die Frage bei Odermatt lautet nicht ob, sondern wann er den Gesamtweltcup gewinnt.

Als er die Auszeichnung als Sportler des Jahres entgegennimmt, ist Odermatt ziemlich gerührt. Er sagt: «Schön, dass ich nicht bei jedem Rennen so nervös bin wie an diesem Abend.» Und Beat Feuz, der Rang zwei belegt, richtet er mit einem Zwinkern aus: «Sorry Beat, ich hoffe, wir können die Abfahrt von Kitzbühel trotzdem auch künftig noch gemeinsam besichtigen.»

Keystone-SDA

Die Schweizer Sportler standen im Jahr 2021 ganz klar im Schatten der Frauen. Marco Odermatt steht ein bisschen sinnbildlich dafür. An der WM verpasste er den grossen Coup noch, trotzdem wurde er nun als erster Skifahrer seit zehn Jahren und Didier Cuche zum Sportler des Jahres gekrönt. Doch nun steht der Ski-Himmel weit offen für Odermatt. Der Start in die neue Saison war mit drei Siegen aus sechs Rennen schon einmal fast perfekt. Die nächsten grossen Emotionen werden garantiert folgen.

Die Stimmen der Top 3

  1. Marco Odermatt 33,97 Prozent
  2. Beat Feuz 17,16 Prozent
  3. Jérémy Desplanches 15,36 Prozent

Paralympische Sportler des Jahres

Marcel Hug holte in Tokio vier Mal Gold.

Marcel Hug holte in Tokio vier Mal Gold.

Keystone

Seine Spitznamen «Silver Bullet» verdankt Marcel Hug seinem silbernen Helm, nicht etwas seinem Palmarès. Denn dort dominiert Gold. Bei den Paralympischen Spielen in Tokio triumphierte der 35-jährige Thurgauer bei vier Starts vier Mal. Auch die Städtemarathons von Berlin, London und Boston gewann der Weltbehindertensportler von 2017. Mit seinem siebten goldenen Award zieht Hug mit Roger Federer und Edith Wolf-Hunkeler gleich. Nur Heinz Frei (9 Titel) wurde noch öfter als Sportler des Jahres ausgezeichnet als Hug.

Die Stimmen der Top 3

  1. Marcel Hug 29,1 Prozent
  2. Manuela Schär 20,3 Prozent
  3. Heinz Frei 17,0 Prozent

Trainer des Jahres

Sina Frei (Olympia-Silber) übergibt Edi Telser die Auszeichnung.

Sina Frei (Olympia-Silber) übergibt Edi Telser die Auszeichnung.

Keystone

Dreifachsieg im Mountainbike-Rennen, und 24 Stunden später Silber im Zeitfahren: Edmund Telser wurde in Tokio zum Schweizer Medaillenschmied. Wie gross sein Anteil an den Erfolgen ist, zeigte die Geste von Marlen Reusser, die ihm ihre Medaille schenken wollte. Die Wahl zum Trainer des Jahres ist der Höhepunkt einer Tellerwäschergeschichte: Als Telser 2013 Nationaltrainer wurde, war das Geld so knapp, dass er nur zu 40 Prozent angestellt wurde, und sich mit dem Vertrieb von Bikezubehör über Wasser halten musste.

Die Stimmen der Top 3

  1. Edmund Telser 22,3 Prozent
  2. Laurent Meuwly 13,7 Prozent
  3. Beat Tschuor 11,4 Prozent

Team des Jahres

Patrick Foletti, Yann Sommer, Pierluigi Tami und Christian Fassnacht.

Patrick Foletti, Yann Sommer, Pierluigi Tami und Christian Fassnacht.

Keystone

Es war eine Nacht für die Ewigkeit. 28. Juni 2021. EM-Achtelfinal in Bukarest. Schweiz gegen Frankreich. Ein Spiel voller Wahnsinn. Frühes 1:0. Penalty verschossen. Plötzlich 1:1, 1:2, 1:3 – der Traum vom Viertelfinal scheint wieder einmal zu platzen, wie 2014, 2016 und 2018 schon. Doch dann die wundersame Wende, erst das 2:3, dann kurz vor Schluss das 3:3. Der Sieg im Penaltyschiessen dank Sommers Parade gegen Mbappé und nervenstarken Schweizer Schützen. Unvergessliche Jubel­bilder und Emotionen.

Ein paar Tage später fehlt der Nati im Viertelfinal gegen Spanien nur wenig, um gar den Halbfinal zu erreichen. Das Penalty-Drama geht diesmal zu Ungunsten der Schweiz aus. Die Euphorie im Land ist dennoch fast grenzenlos. Angeführt von Yann Sommer haben es die Nationalspieler und ihr Trainer Vladimir Petkovic geschafft, die Herzen des Volks zu erobern.

Doch mit der EM ist das grossartige Schweizer Fussballjahr noch nicht zu Ende. Im Gegenteil. Zwar verlässt Trainer Petkovic die Schweiz in Richtung Bordeaux (wo er mittlerweile tief im Abstiegskampf steckt), aber mit Murat Yakin übernimmt ein Trainer, der ­sich vor keiner Aufgabe fürchtet und sich voller Stolz und Freude in die «Herausforderung Nati» stürzt.
In der WM-Qualifikation heisst der grosse Konkurrent Italien, im Juli Europameister geworden. Die Schweizer überspringen die Hürde auf imposante Art. Mit viel Leidenschaft erkämpfen sie in den Direktduellen gegen Italien zwei Unentschieden, in beiden Spielen verschiesst der Italiener Jorginho einen ­Penalty (Sommers Aura sei Dank!).

Schliesslich darf die Nati am 15. November in Luzern nach dem 4:0 gegen Bulgarien die Qualifikation feiern. Die WM Ende 2022 in Katar wird das fünfte grosse Turnier hintereinander sein, an dem die Schweiz teilnimmt – es ist eine herausragende Bilanz. Nati-Direktor Pierluigi Tami, der den Award in Empfang nimmt, sagt schon einmal: «Die Emotionen, die wir 2021 erlebten, können sich wiederholen. Auch im nächsten Jahr.»

Die Stimmen der Top 3

  1. Fussball Nationalteam 20,4 Prozent
  2. Tennis Doppel Bencic/Golubic 17,5 Prozent
  3. 4x100m Staffel Leichtathletik 11,6 Prozent

MVP des Jahres

Nati-Goalie Yann Sommer sorgte für Schweizer Fussballmärchen an der Fussball-EM.

Nati-Goalie Yann Sommer sorgte für Schweizer Fussballmärchen an der Fussball-EM.

Keystone

Eigentlich hätte der Torhüter der Schweizer Nati auch Sportler des Jahres werden können – immerhin gibt es mittlerweile für Teamsportler die Auszeichnung als wertvollster Akteur. Yann Sommer sorgt nicht nur für Emotionen – er zeigt sie auch selbst. Als er den Award entgegennimmt, bedankt er sich unter Tränen bei seiner Frau Alina für ihre unendliche Unterstützung. Die beiden wurden während der EM Eltern ihrer zweiter Tochter, Sommer verbrachte einen Tag zu Hause, ehe er die Schweiz in den EM-Viertelfinal hexte.

Die Stimmen der Top 3

  1. Yann Sommer 58,7 Prozent
  2. Clint Capela 14,3 Prozent
  3. Leonardo Genoni 8,9 Prozent

Keystone-SDA
Tennisspielerin Belinda Bencic.
14 Bilder
Skifahrer Marco Odermatt.
Schützin Nina Christen.
Mountainbiker Nino Schurter.
Tennisspielerinnen Belinda Bencic (links) und Viktorija Golubic.
Musiker Bastian Baker.
Mountainbikerin Jolanda Neff.
Bundesrat Guy Parmelin
Parasportler Heinz Frei
Leichtathletinnen Mujinga Kambundji (links) und Ditaji Kambundji.
Sänger Michael Patrick Kelly.
Goalie-Trainer Patrick Foletti, Goalie Yann Sommer, Direktor Pierluigi Tami und Stürmer Christian Fassnacht.
Parasportler Marcel Hug.
Mountainbikerin Sina Frei (links) und ihr Trainer Edi Telser.

Tennisspielerin Belinda Bencic.

Bilder: Keystone