Spanischer Traditionsverein in Schieflage
Schwindelerregender Schuldenberg: So schlecht steht es um den FC Barcelona

Der FC Barcelona steht tief in der Kreide. Das Ausmass bei den Katalanen ist «dramatisch». So bezeichnet Klubpräsident Joan Laporta die Situation. Er gibt sich dennoch kämpferisch.

Gabriel Vilares
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Der Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, gewährt einen Einblick in die finanzielle Schieflage des spanischen Traditionsvereins.

Der Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, gewährt einen Einblick in die finanzielle Schieflage des spanischen Traditionsvereins.

Keystone

«Die geerbte wirtschaftliche Situation ist besorgniserregend und die finanzielle Situation ist dramatisch», so die Worte des Präsidenten des FC Barcelona, Joan Laporta. An einer zweistündigen Medienkonferenz am Montag gewährte der 59-jährige Katalane ausführliche Einblicke in die Bücher des spanischen Traditionsvereins. Die tiefroten Zahlen verdeutlichen, wie erschreckend und gravierend sich die aktuelle Situation präsentiert.

«Der Verein hat 1,35 Milliarden Euro Bruttoschulden und 451 Millionen Euro Nettoschulden.» Alleine schon bei einem Blick auf die Gehaltskosten wird klar, wo die klammen Katalanen ansetzen müssen. Diese machen 103 Prozent des Gesamtumsatzes aus und belaufen sich auf 617 Millionen. Sie alleine sind also schon für den Verlust verantwortlich. «Das sind 20-25 Prozent mehr als bei unseren Konkurrenten.»

Am 5. August musste man den sechsmaligen Weltfussballer des Jahres ziehen lassen. Obwohl Lionel Messi für die Vertragsverlängerung auf die Hälfte seines Gehalts verzichtet haben soll, war die Summe nicht mit dem spanischen Financial Fairplay zu vereinbaren.

Piqué geht mit Lohnkürzung voran

Damit neue Spieler wie Memphis Depay und Eric García (beide in der Startelf im ersten Ligaspiel) in der spanischen La Liga überhaupt erst die Spielberechtigung erhalten haben, musste der langjährige Innenverteidiger Gerard Piqué einer «erheblichen Gehaltskürzung» zustimmen. Weitere Führungsspieler wie Sergio Busquets, Jordi Alba und Sergi Roberto sollen ebenfalls zu Einschnitten beim Salär bereit sein, wie Piqué nach dem 4:2-Auftaktsieg gegen Real Sociedad verlauten liess:

«Die anderen Captains werden bald das Gleiche tun. Aus Zeitgründen musste ich der Erste sein, damit wir die Spieler anmelden konnten. Die Führungsspieler hatten immer vor, die vom Klub gebrauchten Anpassungen vorzunehmen. Wir sind stolz auf diese Entscheidung.»

Gerard Piqué hat trotz Lohnkürzung gut lachen. Der Innenverteidiger erzielte am Sonntag das 1:0.

Gerard Piqué hat trotz Lohnkürzung gut lachen. Der Innenverteidiger erzielte am Sonntag das 1:0.

Keystone

Weitere Lohnkürzungen werden noch folgen. Das bestätigt auch Laporta am Montag. Man wolle die Gehaltskosten um 200 Millionen senken und in Zukunft sollen diese zwischen 65 bis 70 Prozent der Gesamtausgaben betragen. Zudem habe der Barça-Präsident lauter zwielichtiger Posten entdeckt, bei denen er auch ansetzen werde. Nicht an Agenten, sondern an Vermittlern seien unglaubliche Summen ausbezahlt worden. «Einer Person, die in Südamerika Spieler für uns entdecken sollte, wurden acht Millionen ausbezahlt.»

Optimismus trotz miserablen Zahlen

Ein schwindelerregender Schuldenberg und viel Kritik nach dem Abgang der Vereinslegende Messi. Da muss bei Laporta, der im März zum zweiten Mal zum FCB-Präsident gewählt worden war, frust raus. An seinem Vorgänger, Josep Bartomeu (2014 - 2020), lässt er kein gutes Haar: «Bartomeu hat kurzfristige Löcher gestopft, indem er den Verein langfristig verpfändet hat. Das hat uns ein dramatisches Erbe hinterlassen.»

Nichtsdestotrotz will Joan Laporta den Kopf nicht in den Sand stecken. «Die kurzfristigen Perspektiven sind schwierig, mittelfristig aber grossartig. Wir alle schnallen den Gürtel enger. In ein paar Jahren wird der Klub wieder gesund sein.» Das Motto des FC Barcelona lautet «Més que un club» (mehr als ein Verein). Damit dies weiterhin in die Welt hinausgetragen werden kann, muss Laporta den Kurs radikal ändern. Ruhige Gewässer sind noch lange nicht in Sicht.

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