Nations League
Sommer hält Elfmeter und Schweizer Sieg fest – Nati gewinnt gegen Tschechien 2:1 und bleibt erstklassig

Mit Glück und dank Sommer bleibt die Schweiz in der höchsten Liga der Nations League. Das 2:1 gegen Tschechien ist keine Offenbarung.

Christian Brägger
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Auf Yann Sommer ist Verlass: Der Nati-Goalie hält einen Elfmeter und mehrmals glänzend.

Auf Yann Sommer ist Verlass: Der Nati-Goalie hält einen Elfmeter und mehrmals glänzend.

Keystone

Am Ende braucht es dann schon das Pfostenglück. Davor Yann Sommer im Tor. Und seine Nerven wie Drahtseile bei Penaltys, dass es beim Schlusspfiff 2:1 gegen Tschechien steht. Wie auch immer. Jedenfalls gelingt den Schweizern und ihrem Trainer Murat Yakin, was das primäre Ziel in der dritten Ausgabe der Nations League gewesen ist: Der Verbleib in der Liga A, in der Eliteklasse der 16 besten Teams Europas also.

Das ist zum Beispiel England nicht gelungen, auch Österreich nicht. Und es ist ein schöner Nebeneffekt, dass die Schweiz für die Gruppenauslosung der EM-Qualifikation am 9. Oktober in Frankfurt nun im Topf 1 landet und im nächsten Jahr auf vermeintlich leichtere Gegner treffen wird.

Ricardo Rodriguez wird vor der Partie im Kybunpark für sein 100. Länderspiel geehrt.
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Zu Beginn der Partie müssen sich die Schweizer auf die Defensivarbeit konzentrieren, denn die Tschechen starten druckvoll. Silvan Wildmer (links) ist vor Adam Vlkanova am Ball.
In der 8. Minute trifft Tschechien die Latte, in der 22. Minute braucht es eine starke Parade von Yann Sommer, um den Rückstand zu verhindern.
Remo Freuler (Nr. 8) bringt die Nati in der 29. Minute per Kopf in Front. Der Mittelfeldspieler trifft nach einer Shaqiri-Flanke.
Nur 72 Sekunden später jubelt die Schweiz erneut: Breel Embolo (vorne) erzielt das 2:0.
Patrick Schick gelingt kurz vor der Pause (45.) der Anschlusstreffer für die Gäste.
Wieder braucht es Sommer und der Keeper liefert: Der 33-Jährige pariert in der 61. Minute einen Elfmeter, den Nico Elvedi mit einem Foul verschuldet hatte.
Tschechien trifft in der 88. Minute zum dritten Mal in der Partie Aluminium. Sommer kann den Ball vor Überqueren der Torlinie noch halten.

Ricardo Rodriguez wird vor der Partie im Kybunpark für sein 100. Länderspiel geehrt.

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Doch der Haupteffekt ist, dass die Schweizer am 14. November mit drei Siegen im Gepäck nach Katar an die WM fliegen. Und damit ein positives Gefühl an den Grossanlass transportieren können. Weil sie wissen, was sie grundsätzlich zu leisten imstande sind, wie die wunderbaren Erfolge gegen Portugal und Spanien aufgezeigt haben. Und es selbst dann reicht, wenn es ihnen wie gegen Tschechien nicht über Gebühr läuft.

Nati hat zu Beginn Mühe

Dabei ist dieser Sieg keineswegs leichtgefallen. Vor allem zu Beginn haben die Schweizer wie schon im Hinspiel in Prag bei der 1:2-Niederlage zum Auftakt der Nations League Mühe, ins Spiel zu finden. Sie brauchen dafür eine Viertelstunde. Bis dahin sind es die aufsässigen, ja bissigen Tschechen, die zu Chancen kommen, allen voran Adam Vlkanova in der 8. Minute mit einem Schuss an die Latte aus 20 Metern. Auch braucht es in der 22. Minute Sommer, der gegen Vaclav Cerny stark hält.

Es ist aber dann die Schweiz, die mit der Eins auf dem Resultatblatt erscheint, weil Fabian Schär einen Energieanfall hat, durchs Mittelfeld läuft und auf Xherdan Shaqiri spielt, der mit einer herrlich getimten Flanke den Kopf von Remo Freuler findet. Schär spielt, weil Manuel Akanji gelbgesperrt ist.

Remo Freuler (rechts) eröffnet das Skore.

Remo Freuler (rechts) eröffnet das Skore.

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Lediglich 72 Sekunden später wechselt die Eins in eine Zwei, nachdem der Gast in St. Gallen beim Anspiel den Ball verloren hat und Breel Embolo aus 20 Metern flach abzieht. Tomas Vaclik ist auch hier chancenlos; in der Pause wird der ehemalige Goalie des FC Basel verletzungshalber ausgewechselt. Die Schweizer legen mit dem 2:0 eine Effizienz an den Tag, die dann aber in eine Nachlässigkeit übergeht und zum Anschlusstreffer durch Patrik Schick unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff führt. Ärgerlich ist dieses Gegentor, weil es auf der rechten Seite einer kollektiven Unachtsamkeit von Shaqiri, Schär, Freuler und im Zentrum von Nico Elvedi entspringt. Ein Denkzettel zur Unzeit ist es sowieso, verbunden mit der Forderung, endlich wieder pflichtbewusster und konzentrierter ans Werk zu gehen.

Elvedi verursacht Penalty

In der zweiten Halbzeit hat der glänzend aufgelegte Embolo sofort eine grosse Möglichkeit, aus nächster Nähe trifft er nicht. Doch die Tschechen, die ersatzgeschwächt nach St. Gallen gereist sind, wittern nun Morgenluft, wenngleich Embolo in der 56. Minute mit dem Kopf am neuen Torhüter Jindrich Stanek scheitert und ihnen kurz darauf fast ein Eigentor unterläuft.

Breel Embolo ist am Dienstagabend glänzend aufgelegt: Der Stürmer trifft zum zwischenzeitlichen 2:0.

Breel Embolo ist am Dienstagabend glänzend aufgelegt: Der Stürmer trifft zum zwischenzeitlichen 2:0.

Keystone

Dann kommt, was kommen muss, wenn man die Tore selbst nicht macht und sich Elvedi gegen Schick im eigenen Sechzehner nicht gerade clever anstellt. Es gibt Foulpenalty, und als Tomas Soucek anläuft, kann sich die Schweiz einmal mehr auf ihren Goalie verlassen. Sommer pariert den Elfmeter in der 60. Minute glänzend, wieder einmal darf man sagen.

Luft nach oben beim Kontern

Nun ist der Widerstand im Kybunpark scheinbar gebrochen, Yakin bringt mit Haris Seferovic für Embolo und Renato Steffen für Shaqiri frische Kräfte. Und es ist Ruben Vargas, dem das vermeintliche 3:1 in der 73. Minute gelingt. Weil er aber knapp aus eine Abseitsposition gestartet ist, zählt die Zweitoreführung nicht, die doch so beruhigend wäre. Also zittern die Schweizer weiter, sie müssen das, weil sie nur phasenweise guten Fussball zeigen an diesem nasskalten Abend, fehleranfällig bleiben und der Gegner eben doch nie aufsteckt. Und sie haben abermals Glück, als drei Minuten vor Spielende Jemelka an den Pfosten köpfelt.

Nati-Trainer Murat Yakin reist mit einem guten Gefühl in Richtung Katar.

Nati-Trainer Murat Yakin reist mit einem guten Gefühl in Richtung Katar.

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Der unmittelbare Gegenstoss von Steffen offenbart auch gleich den nächsten eklatanten Mangel: An diesem Abend kontern die Schweizer unglaublich schlecht. So wird der Schlusspfiff zur Erlösung, auch bleibt es dabei, dass die Schweiz seit 2008 im Kybunpark kein Pflichtspiel verliert.
So endet dieser Abend im Guten, Granit Xhaka feiert seinen 30. Geburtstag, Ricardo Rodriguez gehört neu zu den sieben Schweizern mit mindestens 100. Länderspielen. Und Ardon Jashari kommt zum Début.