Grand Slam
«Die jüngere Generation hat Blut geleckt», «Traum zerstört»: So reagieren Medien auf den US-Open-Final

Für Novak Djokovic war alles angerichtet. Doch Daniil Medwedew crashte die Party und vermasselte dem Serben den Grand Slam. So berichten die internationalen Zeitungen über den US-Open-Final.

Gabriel Vilares
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Novak Djokovic (links) bleibt im letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres chancenlos. Der Serbe gratuliert Daniil Medwedew zum Triumph.

Novak Djokovic (links) bleibt im letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres chancenlos. Der Serbe gratuliert Daniil Medwedew zum Triumph.

John Minchillo / AP

25'703 Zuschauerinnen und Zuschauer im Arthur Ashe Stadion in New York waren bereit, Tennis-Geschichte zu erleben. Die allermeisten wollten Novak Djokovic siegen sehen und Zeuge werden, wie die 34-jährige Weltnummer 1 alle vier Grand-Slam-Trophäen im selben Jahr in die Höhe stemmt. Und mit 21 Trophäen schliesslich zum alleinigen Rekordhalter avanciert. Doch es kam anders. Daniil Medwedew gewann den Final in drei Sätzen und krallte sich erstmals in seiner Karriere ein Grand-Slam-Turnier. Für die internationale Presse ein grosses Thema.

«Medwedew knallt Djokovic die Tür zu.»

Für die US-Amerikanische Zeitung «The Wall Street Journal» kam es zu einem unüblichen Rollentausch. Normalerweise seien immer die Gegner des Serben in der Gunst der Stunde des Publikums und er würde dann die Herzen brechen. Diesmal jedoch sei es anders gewesen. Djokovic, der Publikumsliebling, der an der Türschwelle stand, um Historisches zu erreichen. Doch sein Herz sei diesmal gebrochen worden.

«Djokovic gewann in New York Sympathien. Es lag aber wohl nur daran, dass er wie fast nie zuvor in der Rolle eines viel schwächeren Spielers an den US Open auftrat», schreibt dam Tag danach der «Blic» aus Serbien.

Marat Safin war 2005 der letzte Russe, der bei den Männern eines der vier grossen Turniere gewinnen konnte. Klar, dass die russischen Medien nun von ihrem Landsmann schwärmen. So etwa die «Moskowski Komsomolez»:

«Wie von einer anderen Welt und makellos.»

Der 25-jährige Russe habe in der Nacht auf Montag den Traum des Serben zerstört. «Er spielte wie ein aggressiver Tintenfisch.» Daniil Medwedews Arme seien überall gewesen und hätten jeden Ball erreicht. «Die jüngere Generation hat nun Blut geleckt.»

«Für die Nummer 1 der Welt ist es der zweite schwere sportliche Schlag nach der Halbfinal-Niederlage gegen Alexander Zverev bei den Olympischen Spielen in Tokio. Dadurch war schon der Gewinn des Golden Slam, Grand Slam plus Olympiasieg, unmöglich geworden», so die deutsche« Bild».

Für die «Süddeutsche Zeitung» hat dem Match zwar die Spannung gefehlt. Doch hinsichtlich des mentalen Blickwinkels habe man Interessantes beobachten können: «Das Wimbledon-Finale 2008 zwischen Roger Federer und Rafael Nadal ist das beste Tennismatch der Geschichte. Die Partie am Sonntagabend, Medwedew gewann 6:4, 6:4, 6:4, ist weniger Stoff für eine packende Doku wie ‹Strokes of Genius› als vielmehr ein Lehrfilm über die psychologischen Aspekte im Tennis.» Darüber wird derzeit heftig debattiert.

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