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Copa-Gegenwind wird stärker: Krisensitzung bei Gastgeber-Nation Brasilien

Die Verlegung der Copa America von Argentinien nach Brasilien stösst auf immer mehr Gegenwind. Auch in den Reihen des neuen Gastgebers mehren sich die Zweifel.

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Das Mane Garrincha Stadion in Brasilia soll Austragungsort der Copa America 2021 werden.

Das Mane Garrincha Stadion in Brasilia soll Austragungsort der Copa America 2021 werden.

EPA

Jetzt begehren offenbar auch Brasiliens Fussballstars gegen die umstrittene Copa America auf. Angesichts von rund 470.000 Corona-Toten im Land, kopfschüttelnden Epidemiologen und viel Kritik aus den Teilnehmer-Nationen mehren sich die Zweifel im Gastgeber-Team. Die kurzfristige Verlegung des Turnier (13. Juni bis 11. Juli) ins eigene Pandemie-Gebiet hat intern für Krisensitzungen beim fünfmaligen Fussball-Weltmeister gesorgt.

Nationaltrainer Tite bestätigte, dass die Spieler der Selecao um Superstar Neymar am Mittwoch gar Verbands-Präsident Rogerio Caboclo zu einem Dringlichkeitstreffen bewegt hatten. «Es war ein klares, direktes Gespräch», berichtete Tite, fügte aber rätselhaft an: «Wir haben eine Meinung, werden diese aber jetzt nicht äussern.» Der 60-Jährige versprach immerhin, nach den Eliminatorias-Spielen gegen Ecuador am Freitag und in Paraguay am kommenden Dienstag Entscheidungen der Diskussion bekannt zu geben.

Die brasilianische Nationalmannschaft bei der Ansprache von Trainer Tite.

Die brasilianische Nationalmannschaft bei der Ansprache von Trainer Tite.

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte sich als Retter der Copa America inszeniert, nachdem Kolumbien (soziale Unruhen) und später auch Argentinien (Pandemie) das Gastgeberrecht entzogen worden war. Mit seiner Meinung steht Bolsonaro, gegen den es am vergangenen Wochenende landesweite Proteste gab, aber ziemlich alleine dar. «Neymar, ich möchte dir etwas sagen. Du darfst nicht damit einverstanden sein, dass dieses Turnier in Brasilien stattfindet», flehte beispielsweise Senator Renan Calheiros den brasilianischen Volksheld an.

Chiles Nationaltrainer sagt: «gewaltiges Risiko»

Argentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni hatte als erster direkt Betroffener die Vergabe an Brasilien angesichts der Corona-Situation als «alarmierend und besorgniserregend» bezeichnet. Chiles Nationaltrainer Martin Lasarte beschrieb die Austragung im grössten südamerikanischen Land als «gewaltiges Risiko», da für ihn «die Gesundheit an erster Stelle» stehe.

In Brasiliens Medien heisst es, dass vor allem die in Europa tätigen Legionäre angesichts der angespannten Coronavirus-Lage in der Heimat gegen eine Südamerika-Meisterschaft am Zuckerhut seien. Auffällig ist, dass seit Dienstag, der offiziellen Bekanntgabe Brasiliens als Ersatzgastgeber, keine Spieler mehr an der täglichen Pressekonferenz mit Blick auf die anstehenden WM-Qualifikationsspiele teilgenommen haben.

«Anfangs war es eine Bitte von mir. Heute kam es von ihnen. Zu einem gegebenen Zeitpunkt werden sie sich äussern», sagte Tite und begründete so die vielsagende Abwesenheit von Kapitän Casemiro (Real Madrid) bei der Pressekonferenz am Vortag des Eliminatorias-Duells gegen Ecuador in Porto Alegre.

Neben Rio de Janeiro mit dem weltberühmten Maracana sind in der Hauptstadt Brasilia und Cuiaba weitere Arenen der WM 2014 sowie Goiania als Spielorte für die Copa vorgesehen. Zuschauer in den Stadien werden nicht erlaubt. (sid)

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