Fury vs. Whyte
Wegen Verbindung zu Kartell-Boss: Tyson Fury vor seinem letzten Kampf in Erklärungsnot

Am Samstagabend kämpft der Brite Tyson Fury im Wembley-Stadion gegen den in London aufgewachsenen Jamaikaner Dillian Whyte vor 94'000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Doch die Verbindung zu einem mutmasslichen Drogenboss wirft einen Schatten über den «Gypsy King».

Leandro De Mori
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Fury (rechts) im Februar mit Daniel Kinahan.

Fury (rechts) im Februar mit Daniel Kinahan.

Instagram/zaidikhan

Wenn Tyson Fury am Samstagabend gegen Dillian Whyte in den Ring steigt, schaut die Boxwelt nach London ins Wembley-Stadion. Der «Gypsy King», wie Fury auch genannt wird, tritt zu seinem wahrscheinlich letzten Profikampf an. 32 Kämpfe hat der 2,06 Meter grosse Hüne bestritten, davon resultierte nur ein Unentschieden und beachtliche 31 Siege.

Diese Bilanz will der 34-jährige Jamaikaner Dillian Whyte nun ändern und Fury seine erste Niederlage zufügen. Auch «The Body Snatcher» kann ein ansehnliches Palmarès vorweisen: In 30 Profikämpfen ging er 28 Mal als Sieger aus dem Ring.

Verbindung zu international gesuchtem Drogenboss

Doch kurz vor dem Kampf wird Fury von einer engen Verbindung zu einem international gesuchten Verbrecher eingeholt. Seit Anfang April wird Daniel Kinahan, ein nachgewiesen grosser Förderer von Fury, vom FBI gesucht. Er soll der Kopf eines irischen Drogen- und Waffenclans sein, der schon seit mehreren Jahren auf der Fahndungsliste der irischen Behörden steht. Nun bieten die US-Behörden fünf Millionen Dollar für Hinweise, die bei der Zerstörung dieses Kartells helfen. Kinahan gilt als eine wichtige Grösse der organisierten Kriminalität in Europa.

Als Tyson Fury seinen Weg an die Weltspitze antrat, war er bei der Management- und Promotionsfirma MTK unter Vertrag. Der Firma, die Daniel Kinahan gegründet hatte. Die beiden Männer profitierten im grossen Stil voneinander: Kinahan verhalf Fury zum Schritt an die Weltspitze, und durch Fury wurde MTK im Boxen zu einem der wichtigsten Management- und Promotionsunternehmen auf der Welt. Zwar zog sich Kinahan 2017 aus dem Unternehmen zurück, die Beziehung der beiden blieb aber weiterhin bestehen. Erst im letzten Februar liess sich Fury neben Kinahan in Dubai ablichten.

Ausserdem war Kinahan 2021 offenbar als Vermittler eingesprungen, um den Jahrhundertkampf des britischen Boxens zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua zu arrangieren. Aufgrund von Vertragsverhältnissen musste Fury allerdings in einem dritten Kampf gegen Deontay Wilder antreten, zum Kampf gegen Joshua kam es nie.

Fury im Pre-Fight Interview mit Sky Sports (engl.)

Youtube/Sky Sports Boxing

Von der Verbindung zum Kartell-Boss will Fury vor dem Kampf nichts wissen und präsentiert sich den Medien gegenüber immer wieder kurz angebunden: «Ich bin nur ein dummer Boxer. Das ist alles nicht meine Sache. Es gibt keine Verbindung. Weder Kinahan noch sein Berater haben eine Rolle im Team.».

Vom Kleinkriminellen zum Superstar

Nach dem Kampf gegen Whyte soll für Fury Schluss sein. «Ich habe 150 Millionen Dollar auf der Bank, bin jung und gesund. Ich werde mir eine riesige Yacht im Ausland kaufen», sagte er. «Ich weiss, mir glaubt niemand, dass ich aufhöre. Weil sie alle denken, dass ich hinter Geld oder was auch immer her bin.»

Für Whyte hingegen tut sich mit dem Abtritt von Fury eine grosse Lücke auf, die er füllen möchte. «Ich bin diese Art von Kämpfer, der alles tut, was er tun muss. Ich habe keine Angst, Risiken einzugehen – ich bin mein ganzes Leben lang Risiken eingegangen», sagt er.

Whyte wurde in Jamaika geboren und wuchs auf den Strassen nahe des Wembley-Stadions auf. Mit 13 wurde er bereits zum ersten Mal Vater. Ausserdem wurde er in seiner Jugend angeschossen und niedergestochen. Für ihn ist es die Chance, zu Hause zum nächsten britischen Box-Superstar zu werden. So oder so kassiert Whyte nach dem Kampf 8 Millionen Dollar. Im Falle eines Sieges wartet vermutlich noch mehr Geld auf den 34-Jährigen.

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