Nach spektakulärem Knockout
Tyson Fury beendet Karriere im heimischen Wembley mit einem Knockout – doch war es das wirklich?

Der britische Boxer Tyson Fury gewinnt den letzten Kampf seiner Karriere im Wembley-Stadion gegen Dillian Whyte mit einem sehenswerten Knockout. Er bleibt damit unbesiegt und kündigt sein Karriereende an. Doch eigentlich fehlt ihm noch ein Kampf.

Leandro De Mori
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«Gänsehaut am ganzen Körper», beschrieb der Bild-TV-Reporter die Stimmung kurz vor 22 Uhr Ortszeit im Wembley-Stadion, als die 94'000 anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauer den Hauptkampf des Abends mit dem Klassiker «Sweet Caroline» anstimmten.

Es stand alles im Zeichen einer perfekten britischen Boxnacht. In der einen Ecke stand der Brite Tyson Fury, auch genannt «The Gypsy King», bereit zum letzten Kampf seiner Karriere. In der anderen Ecke der gebürtige Jamaikaner Dillian «The Body Snatcher» Whyte, bereit seiner Karriere einen Schub zu geben in dem Stadion, neben dem aufgewachsen war.

Spektakuläre Walk-Ins

Bereits bei den Walk-Ins lieferte Publikumsliebling Fury eine besondere Show ab. Während Whyte mit wenig Show zum Ring lief, begleitet von «Back in Black» von den AC/DC, liess sich Fury ein wenig mehr Zeit für seine Begrüssung.

Erst sah und hörte das Wembley-Stadion eine neue Version des Klassikers «American Pie» von Don McLean, bei dem auch Fury mitsang. Im Videoclip wurden die besten Szenen aus Furys Karriere gezeigt. Nach knapp 3 Minuten folgte schliesslich das richtige Walk-In.

Furys eigene Version von American Pie

Youtube/BT Sport Boxing

Und auch bei den folgenden fünf Minuten lieferte Fury eine grossartige Show ab. Er lief zum Ring, während im Hintergrund ein Remix aus Biggie Smalls grösstem Hit «Juicy» und «Sex on Fire» von Kings of Leon lief. Zwischendurch setzte sich der «Gypsy King» auf einen königlichen Thron, während über dem Wembley ein riesiges Feuerwerk abging.

Ein legendäres Walk-In von Fury.

Youtube/ BT Sport Boxing

Chaotischer Kampf, schlagkräftiges Ende

Whyte legte im Kampf so los, wie es zu erwarten war. Er probierte, Fury mit Körperschlägen zu schwächen. An den Kopf des 2,06-Meter grossen Hünen ranzukommen, stellte sich auch für den 1,93-Meter grossen Jamaikaner als relativ schwierig dar. Fury hingegen wartet ab, tastete sich an die Situation heran.

Mit zunehmender Rundenzahl wurde der Kampf chaotischer. In der vierten Runde mussten die beiden Kontrahenten stetig von Schiedsrichter Mark Lyson darauf hingewiesen werden, sich im Clinch nicht mit den Ellenbogen zu wehren oder in den Nacken zu schlagen. Lyson drohte ihnen mit Punktabzügen.

Doch um die Punkte sollte es schliesslich gar nicht mehr gehen. Zum Ende der sechsten Runde erwischte Fury den perfekten Moment für einen Uppercut wie aus dem Bilderbuch. Whyte versuchte wieder aufzustehen, taumelte und musste von Lyson aufgefangen werden.

Fury jubelt, Whyte liegt. Nach dem Uppercut von Fury war der Kampf vorbei.

Fury jubelt, Whyte liegt. Nach dem Uppercut von Fury war der Kampf vorbei.

Nick Potts / AP

Damit bleibt Fury auch in seinem 33. Karrierekampf unbesiegt und kommt bei seinem 32. Sieg zum 23. Knockout. Whyte hingegen muss in seinem 31. Kampf seine dritte Niederlage (drei Mal per K.o.) hinnehmen.

Fury kündigt Abschied an und singt mit dem Wembley

Mit diesem Sieg behält Fury nun seinen Schwergewichts-Titel beim Weltverband WBC. Allerdings hofften Fans und Experten im Vorfeld des Kampfes darauf, dass Fury noch zu einem Vereinigungskampf gegen den Ukrainer Alexander Usyk antreten wird, der die Weltmeistertitel bei den Verbänden WBA, WBO und IBF hält. Allerdings muss Usyk zuerst noch zum Rückkampf gegen den entthronten Briten Anthony Joshua antreten.

Vereinigungskampf

Im Boxsport gibt es vier grosse Boxverbände: Die World Boxing Association (WBA), das World Boxing Council (WBC), die International Boxing Federation (IBF) und die World Boxing Organization (WBO). Als Vereinigungskampf gilt, wenn in einem Kampf um alle vier Weltmeistertitel gekämpft wird.

Im Ringinterview nach dem Kampf kündigt Fury zugleich an: «Ich habe meiner Frau Paris versprochen, nach dem dritten Kampf gegen Wilder wäre Schluss. Und ich habe es auch so gemeint. Doch mir wurde angeboten, zu Hause, hier im Wembley, zu kämpfen. Und ich glaube, das war ich den Fans schuldig. Ich muss nun zu meinem Wort stehen. Ich glaube, das wars.». Ob Fury einem Vereinigungskampf widerstehen kann, bleibt jedoch unsicher.

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