Pandemie
Coronavirus befällt Affen und Katzen: Forschende fordern bessere Überwachung von Tieren

Eine Studie der Universität Bern zeigt, welche Tiere besonders anfällig für das Coronavirus sind. Um zu verhindern, dass sich weitere Virusvarianten entwickeln, braucht es gemäss den Forschenden eine bessere Überwachung.

Alice Guldimann
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Katzen und Rhesusaffen sind besonders anfällig für das Coronavirus. (Symbolbild)

Katzen und Rhesusaffen sind besonders anfällig für das Coronavirus. (Symbolbild)

Keystone

Seit Beginn der Coronapandemie wurden verschiedene Fälle bekannt, bei denen das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen wurde, etwa von Löwen auf Pflegende in einem New Yorker Zoo. Nun haben Forschende der Institute für Infektionskrankheiten (IFIK) und für Virologie und Immunologie (IVI) der Universität Bern untersucht, welche Tierarten für eine Coronainfektion besonders empfänglich sind.

Die Ergebnisse stimmten grösstenteils mit bereits veröffentlichten Studien überein, wie es in einer Mitteilung der Universität vom Montag heisst. Demnach vermehrte sich das Virus in den Atemwegszellen von Rhesusaffen und Katzen effizient, ohne sich anpassen zu müssen. Bestimmte Affen- und Katzenarten dürften also besonders anfällig sein.

Verhindern, dass sich neue Coronavarianten entwickeln

«Unsere Ergebnisse – zusammen mit zuvor dokumentierten Übertragungen zwischen Mensch und Tier – zeigen, dass eine genaue Überwachung dieser Tiere und anderer naher Verwandter notwendig ist, egal ob bei Wild- Nutz- oder Haustieren», wird Ronald Dijkman vom Institut für Infektionskrankheiten zitiert. Die Resultate könnten den Bund dabei unterstützen, die Schnittstelle zwischen Mensch und Tier zu beobachten. Zudem könnten sie dazu dienen, Überwachungsprogramme zur Früherkennung einzurichten, um so zu verhindern, dass sich in den Tieren neue Coronavarianten entwickeln, die gegen bisher entwickelte Impfstoffe nicht wirken.

Die Studie zeige zudem das Potenzial, Tierversuche in Zukunft zu reduzieren oder ganz zu ersetzen, so Dijkman. Anstatt die Tiere direkt mit dem Virus zu infizieren, arbeiteten die Berner mit In-Vitro-Modellen. Aus den Lungen und Bronchien von verstorbenen Tieren isolierte das Team sogenannte Atemwegs-Epithelzellen (AEC) und vermehrte diese in einer Petrischale. An den Zellen wurde dann getestet, ob die entsprechende Tierart mit SARS-CoV-2 infiziert werden kann.

Insgesamt liegen an der Universität Bern Zellkulturmodelle von zwölf Tierarten vor, unter anderem vom Rhesusaffen, Katzen, Hunden, Kaninchen, Rindern und zwei verschiedenen Fledermausarten. «Unsere Sammlung ist einzigartig», sagt Ronald Dijkman. «Bisher sind wir die ersten, die eine so grosse Biobank neuartiger In-vitro-Zellkulturmodelle von verschiedenen Tierarten verwendet haben, um ihre Anfälligkeit für eine SARS-CoV-2-Infektion zu untersuchen.»

Nur die Atemwegs-Zellkulturen von Rhesusaffen und Katzen weisen mit dem Coronavirus infizierte Zellen auf (grün).

Nur die Atemwegs-Zellkulturen von Rhesusaffen und Katzen weisen mit dem Coronavirus infizierte Zellen auf (grün).

© IFIK / UniBE

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