Landwirtschaft
Weit verbreitet: Pestizidrückstände in landwirtschaftlichen Böden

Planzenschutzmittelrückstände sind auf Schweizer Landwirtschaftsböden keine Seltenheit – auch nicht auf biologisch bewirtschafteten. Das zeigt eine Agroscope-Studie.

André Bissegger
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Agroscope hat Schweizer Landwirtschaftsböden auf Pestizidrückstände untersucht und wurde fündig.

Agroscope hat Schweizer Landwirtschaftsböden auf Pestizidrückstände untersucht und wurde fündig.

Keystone

Agroscope, das Kompetenzzentrum der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung, hat sich auf Spurensuche nach Pestiziden in Schweizer Landwirtschaftsböden begeben. Es analysierte in einer Studie die Verbreitung von Pflanzenschutzmittelrückständen und deren potenziellen Auswirkungen auf das Bodenleben. Das Resultat: Die Rückstände sind in den Böden weit verbreitet und können sich negativ auf das mikrobielle Bodenleben und nützliche Bodenpilze auswirken. Das teilte Agroscope am Donnerstag mit.

Die Konzentrationen der gefundenen Rückstände seien aber überwiegend gering gewesen, insbesondere unter biologischer Bewirtschaftung. Sie hätten vor allem dank der empfindlichen Messmethode nachgewiesen werden können. Insgesamt untersuchte Agroscope 100 Acker- und Gemüsebaufelder, die biologisch, konventionell oder mit Direktsaat bewirtschaftet wurden, auf 46 unterschiedliche Mittelrückstände. Dabei wurden sie an allen Standorten fündig – auch in den 40 Bio-Feldern.

Rückstände in Bio-Böden

Selbst in Böden, die mehr als 20 Jahre biologisch bewirtschaftet wurden, fanden die Forschenden Rückstände von bis zu 16 verschiedenen Wirkstoffen, wie es weiter heisst. Diese stammen entweder noch aus der Zeit, als auf dem entsprechenden Feld Pestizide verwendet wurden, oder sie kommen von benachbarten Feldern mittels Wind oder Wasser. Zudem fanden die Forschenden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die in der Schweiz nicht mehr verwendet werden dürfen, wie etwa Atrazin oder Linuron.

Zudem zeigten die Analysen gemäss Mitteilung, dass die Konzentration und Anzahl an Pflanzenschutzmittelrückständen im Boden statistisch eine negative Beziehung zum mikrobiellen Bodenleben hat. Zudem wurde klar: je mehr verschiedene Rückstände, desto weniger Mykorrhiza Pilze. «Das deutet darauf hin, dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, nicht zuletzt wegen ihrer teilweisen Beständigkeit, langfristige Auswirkungen auf das Bodenökosystem haben könnte.»

Weitere Untersuchungen und Volksabstimmung

Die Studie sei aber nicht darauf ausgelegt gewesen, einen Zusammenhang zwischen den gemessenen Konzentrationen und dem Leben, der Gesundheit oder der Fruchtbarkeit der Böden zu testen. Dafür brauche es weitere Versuche. Agroscope hat bereits ein entsprechendes Projekt geplant.

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat am 13. Juni dank zwei Initiativen die Möglichkeit, über den Einsatz von Pestiziden zu befinden. So verlangt die Trinkwasser-Initiative, das nur noch jene Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen und ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung auskommen. Und die Pestizidinitiative fordert ein Verbot von synthetischen Pestiziden.