Forschung
Forscher des Paul-Scherrer-Instituts zeigen: Feinstaub ist noch schädlicher als gedacht

Forscher des Paul Scherrer Instituts (PSI) konnten nachweisen, dass durch Feinstaub gefährliche Sauerstoffradikale in die Lunge gelangen. Am gefährlichsten sind ganz normale Wetterlagen.

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Noch gefährlicher als bisher angenommen: Feinstaub über Zürich im Dezember. (Symbolbild)

Noch gefährlicher als bisher angenommen: Feinstaub über Zürich im Dezember. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Dass Feinstaubpartikel, die wegen ihrer geringen Grösse tief in das Lungengewebe eindringen, nicht gesund sind, war bekannt. Doch nun stiessen Forscher des Paul Scherrer Instituts (PSI) auf ein zusätzliches Problem: Nicht nur die Partikel selbst sind gefährlich für die Lunge, sondern auch die Verbindungen, die sie produzieren und transportieren: Sauerstoffradikale, das heisst sehr reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen, die das Gewebe angreifen. Dieser oxidative Stress wird von Medizinern für Lungenentzündungen, Asthma und diverse andere Atemwegserkrankungen verantwortlich gemacht.

Bislang war bekannt, dass solche Verbindungen entstehen, wenn sich Feinstaubpartikel in der Oberflächenflüssigkeit der Atemwege auflösen. Zu den Stoffen, die dabei im Körper wirken, gehören etwa Wasserstoffperoxid oder Hydroperoxil. Die Forschung des PSI zeigt nun, dass Sauerstoffradikale auch in den Feinstaubpartikeln selbst gebildet werden, sich dort anreichern und schliesslich beim Einatmen der Teilchen in die Atemwege verfrachtet werden. Am meisten Sauerstoffradikale bilden sich im Feinstaub gemäss den neuen Erkenntnissen bei ganz normalen Wetterbedingungen, etwa bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und Temperaturen um 20 Grad, wie sie für Innenräume typisch sind. Dies sei «erschreckend», schreibt das PSI in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung.

Die gute Neuigkeit: Die Giftstoffe schaden auch dem Coronavirus

«Womöglich haben wir hier einen zusätzlichen Faktor dafür gefunden, dass so viele Menschen scheinbar ohne konkreten Anlass an Atemwegserkrankungen oder Krebs erkranken», wird Studienautor Peter Aaron Alpert in der PSI-Mitteilung zitiert. Bestätigten sich die neuen Erkenntnisse mit der weiteren Forschung, müssten Grenzwerte zu Luftqualität und Feinstaub angepasst werden. Während der Pandemie können die Sauerstoffradikale im Feinstaub allerdings sogar einen positiven Effekt haben: Sie schaden nämlich auch den Viren, die ebenfalls über Feinstaubpartikel transportiert werden können. «Dieser Zusammenhang könnte erklären, warum das Sars-CoV-2-Virus in der Luft bei Raumtemperatur und mittlerer Feuchte am kürzesten überlebt», so die Mitteilung des PSI.

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