Auswertung der Massentests
Graubünden beweist: Wiederholtes Testen senkt Corona-Ansteckungen deutlich

Als erster Kanton hat Graubünden die Coronatests systematisch ausgeweitet. Nun zeigt sich: Diese wiederholten Massentests senken die Ansteckungsrate mit dem Virus um bis zur Hälfte.

Samuel Thomi
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Im Dezember führte Graubünden die ersten Flächentests in der Schweiz durch – im Bild Zuoz. Sie waren Vorlage für die Massentests ab Februar.

Im Dezember führte Graubünden die ersten Flächentests in der Schweiz durch – im Bild Zuoz. Sie waren Vorlage für die Massentests ab Februar.

Keystone

Zu teuer, zu aufwendig, zu wenig Testmaterial: Das waren lange Zeit Argumente, warum Corona-Massentests in der Schweiz nicht durchführbar seien. Doch dann machte Graubünden den ersten Schritt. Und der Alpenkanton zeigt nun auf, dass diese Strategie mit wiederholten Tests die Infektionsraten nachweislich senken kann. Nämlich um 20 bis 50 Prozent, wie Graubünden und die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) am Freitag mitteilen. Laut dem Kanton ist damit erwiesen, dass breites und wiederholtes Testen eine «Alternative ist zu einschneidenden Massnahmen, die das öffentliche Leben einschränken».

Die Empa hatte die Bündner Flächentests wissenschaftlich begleitet und deren Auswertung ebenfalls am Freitag publiziert. Demnach sind drei Gründe entscheidend für den Erfolg der freiwilligen Massentests: Möglichst viele Menschen müssen regelmässig zum Testen eingeladen werden. Die Tests müssen so schnell wie möglich ausgewertet und über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden. In den ersten acht Wochen haben sich laut dem Kanton über 40'000 Bündnerinnen und Bündner wöchentlich mittels PCR-Test auf das Coronavirus überprüfen lassen. Das entspricht rund einem Drittel der mobilen Bevölkerung Graubündens. Als erster Kanton hatte Graubünden zudem bereits im vergangenen Dezember nach lokalen Ausbrüchen im Engadin erste Massentests durchgeführt.

Massentests wirken auch an Schulen

In der Auswertung lassen sich laut Empa «signifikante Unterschiede unter den verschiedenen Wirtschaftszweigen beobachten». Weniger stark gesenkt werden konnten die Ansteckungszahlen demnach in Branchen mit hoher Mobilität wie beispielsweise dem Tourismus. Höher waren die Reduktionen dagegen bei Angestellten, die in Büros und Produktionsbetrieben arbeiten. «Dies lässt sich durch die unterschiedlich häufigen berufsbedingten sozialen Interaktionen erklären», schreibt dazu der Kanton in seiner Mitteilung. Konkret sind in Graubünden seit dem 1. Februar von der Empa 427'000 Tests ausgewertet worden. Davon entfielen 223'158 auf 1996 Betriebe. Nebst der Verbesserung der generellen Lage profitierten teilnehmende Betriebe von Quarantäne-Erleichterungen.

Und noch ein Ergebnis streicht der Kanton in seiner Mitteilung hervor: Breites und regelmässiges Testen senkt auch an Schulen und Hochschulen die Infektionen mit dem Coronavirus. Graubünden war nämlich auch der erste Kanton, welcher zuerst testweise an einzelnen Bildungsinstituten regelmässige Coronatests durchführte. Inzwischen haben zahlreiche weitere Kantone nachgezogen und machen ebenfalls gute Erfahrungen damit. Konkret sind in Graubünden dafür seit dem 1. Februar 127'714 Coronatests in 165 Schulen ausgewertet worden.