Leihvertrag
Bührle-Sammlung: Kunsthaus Zürich übernimmt die Herkunftsforschung

Das Kunsthaus und die Stiftung Bührle haben den Leihvertrag zur umstrittenen Sammlung veröffentlicht. Neu ist das Kunsthaus selbst für die Erforschung der Kunstwerke zuständig.

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Die Bilder der Bührle-Sammlung hängen seit dem letzten Oktober im Erweiterungsbau des Kunsthauses.

Die Bilder der Bührle-Sammlung hängen seit dem letzten Oktober im Erweiterungsbau des Kunsthauses.

Keystone

Der Trägerverein des Kunsthauses und die Stiftung Bührle haben sich nach dem Einzug der Sammlung ins erweiterte Kunsthaus auf einen neuen Leihvertrag geeinigt. Dieser ersetzt eine Vereinbarung von 2012. Beide bisher geheimen Dokumente haben die Verantwortlichen nun öffentlich gemacht, wie einer Mitteilung vom Donnerstag zu entnehmen ist.

So enthält der neue Vertrag ein explizites Bekenntnis zu den «Richtlinien der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten konfisziert wurden». Die Übereinkunft soll dabei helfen, Raubkunst der Nazis zu identifizieren und die ursprünglichen Eigentümer oder Erben ausfindig zu machen. Ein solches Bekenntnis fehlte in der bisherigen Vereinbarung.

Kunsthaus übernimmt Verortung der Kunstwerke

Nach Kritik an der Herkunftsforschung der Werke durch die Stiftung übernimmt diese jetzt vollständig das Kunstmuseum. Es habe das gesamte Archiv der Stiftung erhalten, heisst es in der Mitteilung. Zudem nimmt das Kunsthaus die historische Verortung des Sammlers und der Werke künftig selber vor. Bisher hat die Stiftung selbst die Ursprünge der Bilder untersucht und kam dabei zum Schluss, dass keines der rund 203 Werke unter die Kategorien Raub- oder Fluchtgut falle, wie der ehemalige Stiftungspräsident Lukas Gloor im Dezember vor den Medien ausführte. Bei 90 Werken sei diese zwar «nicht lückenlos geklärt» aber dennoch «unproblematisch».

Der neue Leihvertrag gibt dem Kunsthaus zudem «grössere kuratorische Freiheiten», wie es in der Mitteilung weiter heisst. So können Werke der Bührle-Sammlung künftig auch in anderen Sälen und die Werke anderer Künstler in den Bührle-Räumen ausgestellt werden.

Im Oktober 2021 hat das Kunsthaus seinen Erweiterungsbau eröffnet. Herzstück ist die Sammlung des Waffenfabrikanten Emil Bührle mit rund 200 Werken. Kurz darauf gab es massive Kritik zum Umgang mit der Sammlung und der Aufarbeitung der Herkunft. Der Verdacht: Im Kunsthaus könnte Raubkunst aufgehängt sein. (agl)