zweite säule
Eigener Reformvorschlag: Pensionskassen setzen auf «unheilige Allianz»

Der Schweizer Pensionskassenverband präsentiert einen eigenen Vorschlag für die Reform der zweiten Säule. Laut einer Umfrage könnte dieser sowohl bei SP- als auch bei SVP-Anhängern punkten.

Peter Walthard
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Die Pensionskassen wollen geringverdienenden Versicherten mit einer Senkung des Koordinationsabzugs entgegenkommen. (Symbolbild)

Die Pensionskassen wollen geringverdienenden Versicherten mit einer Senkung des Koordinationsabzugs entgegenkommen. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Der Verband der Schweizer Pensionskassen ASIP schlägt vor, die berufliche Vorsorge nicht mit Lohnabzügen zu finanzieren, wie es der Bundesrat vorsieht. Stattdessen soll die Reform aus vorhandenen Rückstellungen der Versicherungsanstalten finanziert werden. Aufgrund des zu hohen BVG-Umwandlungssatzes hätten die Versicherungen diese Rückstellungen bereits gebildet. Der Zugriff darauf sei die sicherste und sozialverträglichste Lösung, argumentierte der Verband am Montag an einer Medienkonferenz.

Zeitgleich mit dem Vorschlag präsentierte er eine Umfrage, die er beim Meinungsforschungsinstitut gfs.bern in Auftrag gegeben hatte. Demnach hätte der Vorschlag der Pensionskassen in der Bevölkerung eine Mehrheit: 70 Prozent der Befragten erklärten damit voll oder eher einverstanden zu sein. 53 Prozent sagten, sie würden dem ASIP-Vorschlag gegenüber jenem des Bundesrates den Vorzug geben. Grosse Zustimmung gab es an den politischen Polen: 60 Prozent der SP-Wähler und 66 Prozent der SVP-Unterstützer sprachen sich für die Finanzierung aus Reserven aus.

Unterstützung auch von Seiten der Wirtschaft

Am geringsten war die Unterstützung bei der Basis der FDP, von der nur 42 Prozent dafür waren und den Grünen mit 44 Prozent. Urs Bieri, Co-Leiter von gfs.bern, sprach vor den Medien von der «unheiligen Allianz» von SP und SVP, die schon vielen Abstimmungsvorlagen zum Durchbruch verholfen habe. Der Vorschlag der ASIP nehme eine Brückenfunktion war und bringe Links und Rechts zusammen, so Bieri: «Dem Vorschlag des ASIP gelingt es dabei fast exemplarisch, und deutlich besser als dem Vorschlag des Bundesrates, die rechtskonservativen Kreisen in die Reformabsicht einzubinden, ohne dabei linke Kreise abzuschrecken».

Auch in der Wirtschaft findet das ASIP-Modell Unterstützung. Gemäss Mitteilung haben sich die Branchenverbände Baumeister, Gastrosuisse, Arbeitgeber Banken, Swiss Retail Federation und Bauernverband hinter den Vorschlag gestellt, ebenso der Kaufmännische Verband und Angestellte Schweiz.

Bundesrat baut auf Kompromiss der Sozialpartner

Am Modell des Bundesrates kritisieren die Pensionskassen insbesondere, dass dieses eine Erhöhung der Lohnnebenkosten um 0,5 Prozent vorsieht. Im gegenwärtigen Umfeld sei dies weder für Arbeitgeber noch für Arbeitnehmer zumutbar. Der ASIP-Vorschlag sieht dagegen neben dem Rückgriff auf die Reserven eine Senkung der Koordinationsabzuges vor. Damit würde der versicherte Lohn angehoben, was die Situation von Tieflöhnern und Teilzeitangestellten verbessere.

Der Vorschlag des Bundesrates entspricht einem Kompromiss, den die Sozialpartner 2019 gefunden hatten. Er sieht neben einem Rentenzuschlag eine Vereinheitlichung der Altersgutschriften vor, dies mit dem Ziel, ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt besserzustellen.