Rohstoffe
Widerstand gegen neue Steinbrüche hat Folgen für die Zementindustrie

Noch deckt die inländische Produktion 86 Prozent des Bedarfs der Schweizer Zementindustrie. Werden keine neuen Steinbrüche bewilligt, dürfte dieser Anteil laut einem Bericht bereits in zwei Jahren stark sinken.

Peter Walthard
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Umstrittene Rohstoffgewinnung im Inland: Steinbruch Mormont im Kanton Waadt.

Umstrittene Rohstoffgewinnung im Inland: Steinbruch Mormont im Kanton Waadt.

Keystone

Kalk und Mergel gehören zu den Rohstoffen, die in der Schweiz reichlich vorhanden sind. Verwendet werden sie von der Zementindustrie, die in sechs Werken jährlich fünf Millionen Tonnen Zement produziert. Nur 14 Prozent des Rohstoffbedarfs stammen derzeit aus dem Ausland. Dies dürfte sich jedoch rasch ändern, falls die umstrittenen Erweiterungen von Steinbrüchen nicht rasch bewilligt werden. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, von dem der Bundesrat am 18. Dezember Kenntnis genommen hat, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Medienmitteilung heisst.

Bereits ab 2024 würde demnach der Anteil inländischer Rohstoffe von 86 auf 64 Prozent absinken, heisst es im Bericht. Grund dafür sei der zunehmende Widerstand gegen die Erweiterung oder Neueröffnung von Steinbrüchen. «Vorlaufzeiten für eine Abbaubewilligung, vom Richtplanverfahren bis zum Abbaubeginn, können 10 – 15 Jahre beanspruchen», fasst der Bericht zusammen. Auch wenn die bereits beantragten Erweiterungsprojekte noch 2023 bewilligt würden, werde der Rohstoffengpass nur hinausgeschoben: «Ab 2031 ist erneut ein Rückgang zu erwarten, wenn zusätzliche Erweiterungsgebiete nicht für den Abbau freigegeben werden können oder keine neuen Abbaustandorte gefunden werden.»

Konflikte mit Schutzgebieten

Bei allen sechs Zementwerken in der Schweiz zeichneten sich bei der Neuerschliessung von Abbaugebieten raumplanerische Konflikte ab, so der Bericht weiter. Fünf der sechs Zementwerke befinden sich im Jurabogen, namentlich die Standorte Cornaux, Eclépens, Péry, Siggenthal und Wildegg. Nur das Werk Untervaz liegt in den Alpen.

Im Fall der Standorte Cornaux und Eclépens sowie Siggenthal und Wildegg betreffen die Erweiterungen Gebiete, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) eingetragen sind und entsprechend hohen Schutz geniessen. Auch Perimeter von Naturpärken, Grundwasserschutzzonen oder Wald werden von den Abbauplänen berührt. Die Erweiterung des Steinbruchs in Mormont würde ausserdem eine international bedeutende archäologische Fundstätte vernichten: Auf dem Hügel wurden 2006 Reste einer keltischen Kultanlage gefunden.

«Soll die sich abzeichnende Lücke in der Zementversorgung durch die inländische Produktion geschlossen werden, bedarf es einer raumplanerischen Sicherung von geeigneten Abbaugebieten sowie der entsprechenden Abbaubewilligungen», hält der Bericht fest. Wenn die Rohstoffe importiert werden müssten, habe dies lange Transportwege und entsprechend hohe Treibhausgasemissionen zur Folge, was dem Ziel einer «grünen Wirtschaft» widerspreche. Ausserdem würde dies Kosten für die Zementindustrie verursachen.

Bund soll wichtige Abbauprojekte katalogisieren

Da die Bewilligung von Abbaugebieten Sache der Kantone und Gemeinden ist, soll der Bund nun ein Inventar von abbauwürdigen Rohstoffvorkommen erstellen, dies aus einer «nationalen Versorgungssicht», wie es in dem Bericht weiter heisst. Dieses solle den Planungsbehörden als «Grundlage dienen und sie bei der Erfüllung ihrer planerischen Aufgaben unterstützen», so der Bericht.

Beteiligt an dem Bericht war neben dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Begleitgruppe, der unter anderem Vertreter des Staatssekretariats für Wirtschaft, des Verbands der Schweizerischen Cementindustrie cemsuisse, des Verbands Baustoffrecycling arv, des Verbands schweizerischer Hartsteinbrüche VSH, der SBB und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz angehörten.

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