Umweltschutz
«Ein verlorenes Jahrzehnt»: Birdlife erteilt dem Bund miserable Noten bei der Biodiversität

Vor zehn Jahren beschloss der Bundesrat die Strategie Biodiversität Schweiz. Seither hat sich wenig bis nichts getan, kritisiert Birdlife. Keines der insgesamt 18 festgelegten Ziele seien bislang erreicht worden.

Dario Pollice
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Trotz bundesrätlicher Strategie gehe es der biologischen Vielfalt heute schlechter als vor zehn Jahren, bilanziert Birdlife Schweiz. (Symbolbild)

Trotz bundesrätlicher Strategie gehe es der biologischen Vielfalt heute schlechter als vor zehn Jahren, bilanziert Birdlife Schweiz. (Symbolbild)

Keystone

Am Montag ist es zehn Jahre her, als der Bundesrat die Strategie Biodiversität Schweiz verabschiedete. Darin hielt er strategische Ziele zur Förderung und zur langfristigen Erhaltung der biologischen Vielfalt fest. Doch für Birdlife Schweiz ist dies keineswegs ein Grund zum Feiern. Die Naturschutzorganisation spricht gar von einem «verlorenen Jahrzehnt», wie es in einer Mitteilung vom Sonntag heisst.

Von den damals festgelegten 18 Zielen sei zehn Jahre später immer noch keines erreicht worden. Lediglich bei einem Ziel – der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Wald – sei die Schweiz auf Kurs. Erreicht hat sie dieses Ziel laut Birdlife aber auch nicht. Bei zwei Dritteln der Ziele gab es laut der Naturschutzorganisation «keinerlei Fortschritte oder sogar Rückschritte». Birdlife unterstellt folglich dem Bund, er habe gar nicht erst versucht, die Biodiversität wirklich zu sichern und zu fördern.

Bund setzt sich zu spät in Bewegung

Schlecht steht es beispielsweise um die Schutzgebiete. Bis Ende 2020 hätte gemäss der Strategie ein Schutzgebietanteil von 17 Prozent an der Landesfläche erreicht werden müssen. Mit dem heutigen Wert von 9,9 Prozent sei man jedoch «weit entfernt vom Zielwert», so Birdlife. Der Bundesrat kommt zwar auf einen Schutzgebietanteil von 13,4 Prozent, doch laut der Naturschutzorganisation umfasst diese Zahl auch nicht langfristig gesicherte Flächen, die «faktisch über keinen Schutz verfügen».

Nachholbedarf ortet Birdlife auch bei der Förderung der Biodiversität auf bundeseigenen Grundstücken, wobei lediglich die Armee hier aktiv sei. Bei den biodiversitätsschädigenden Subventionen habe der Bund «anscheinend bis 2020 wenig oder nichts getan», heisst es weiter. Der Bundesrat habe sich erst in Bewegung gesetzt, als die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im gleichen Jahr eine kritische Studie zu den Subventionen veröffentlichte.

Weiter wird der Bund dafür kritisiert, dass er praktisch keine Medienmitteilungen mehr zur Biodiversität verschicke und somit eine verstärkte Information über das Thema gestoppt habe. So habe der Bund etwa die neuen Roten Listen der Vögel und Säugetiere Ende Februar «mit grosser Verspätung und stillschweigend aufs Netz gestellt». Dabei zeigten just diese Listen, ob die Strategie greife. So sind immer noch 40 Prozent der hierzulande brütenden Vogelarten gefährdet.

Druck auf naturnahe Flächen nimmt zu

Schlechte Noten erhält der Bund auch mit Blick auf die Bereiche Tourismus, Sport und Freizeit. Hier hat der Druck auf naturnahe Flächen und ungestörte Gebiete laut Birdlife «massiv zugenommen». Zudem werde die Intensivierung der Landwirtschaft fortgeführt und der Verkehr nehme ebenfalls zu, was zur Zerschneidung von Lebensräumen führe.

Entsprechend zieht Raffael Ayé, Geschäftsführer von Birdlife Schweiz, eine düstere Bilanz über die Strategie des Bundes:

«Trotz bundesrätlicher Biodiversitätsstrategie geht es der biologischen Vielfalt in der Schweiz noch schlechter als vor zehn Jahren.»

Mit der am Sonntag veröffentlichten Mitteilung greift Birdlife ihre Kritik auf, die sie bereits Ende 2020 geäussert hat. Damals schon taxierte sie die Biodiversitätsstrategie des Bundes als ungenügend.

Nun fordert die Naturschutzorganisation «rasch einen griffigen Aktionsplan Biodiversität und die erforderlichen Mittel zur Umsetzung». Denn die biologische Vielfalt würde noch mehr Schäden annehmen, wenn der Bund den aktuellen Plan für weitere Jahre fortschreibt, heisst es.

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