Ukraine-Krieg
Westen auf dem Holzweg: Martullo-Blocher fordert Friedensverhandlung mit Aggressor Putin

Für Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher ist klar: Der westliche Ansatz im Ukraine-Krieg ist gescheitert. Damit die Wirtschaft nicht zusammenbreche, müsse Europa mit Putin einen Frieden aushandeln, fordert sie. Wie das gelingen soll, bleibt unklar.

Reto Wattenhofer
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Klare Ansage: Aus Sicht von Martullo-Blocher ist der westliche Ansatz im Ukraine-Krieg zum Scheitern verurteilt.

Klare Ansage: Aus Sicht von Martullo-Blocher ist der westliche Ansatz im Ukraine-Krieg zum Scheitern verurteilt.

Keystone

Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher ist nie um deutliche Worte verlegen. So auch beim Krieg in der Ukraine. Die Bündner SVP-Nationalrätin warnt vor den wirtschaftlichen Folgen. Ein vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angedrohter Gas-Boykott würde Europa sehr hart treffen, sagte sie in einem am Samstag publizierten Interview mit der «NZZ». «Wenn der EU Gas fehlt, fehlt es uns auch.»

Der Kaufkraftverlust treffe die ganze Bevölkerung und die Unternehmen. Die Preise fürs Tanken, für Strom und fürs Wohnen würden immer weiter steigen. Gelassener sieht Martullo-Blocher die Situation für die eigene Firma. «Wir haben bereits vor 15 Jahren Gas durch Biomasse ersetzt.» Aber ohne Strom im Netz stehe auch bei der Ems-Gruppe «alles still».

Jetzt braucht es Friedensverhandlungen

Die SVP-Politikerin sieht die Schweiz schlecht gerüstet, weil diese auf den Worst Case «nicht vorbereitet» sei. Ein Mangel an Strom und Gas könnte bereits vor nächstem Winter «Realität» werden, prophezeit Martullo-Blocher. In ihren Augen trägt der Westen daran eine Mitschuld.

Statt den Konflikt «weiter anzuheizen», müssten die europäischen Staatspräsidenten ihre Verantwortung wahrnehmen und sich eingestehen, dass sie vom russischen Gas abhängig seien, so Martullo-Blocher. «Europa muss mit Putin eine stabile Gasversorgung mindestens bis im Frühling 2023 und einen Frieden verhandeln.»

Stattdessen würden die Staatspräsidenten in die Ukraine reisen und weitere finanzielle Mittel, «die sie nicht haben», für Waffen und einen EU-Beitritt in Aussicht stellen. «Wollen wir wegen des Ukraine-Konflikts einen Zusammenbruch der gesamten europäischen Wirtschaft und der Gesellschaft in Kauf nehmen», fragt Martullo-Blocher im Interview rhetorisch. Wie mit dem russischen Präsidenten konkret ein Frieden verhandelt werden soll, lässt sie offen.