Transplantationen
Trotz Corona: Einbruch bei Organspenden blieb letztes Jahr aus

Im letzten Jahr haben 146 Menschen ein oder mehrere Organe gespendet. Das sind leicht weniger als im Vorjahr. Angesichts der tiefen Spendenbereitschaft ist die Warteliste lang.

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Am Universitätsspital Lausanne nehmen Ärzte eine Transplantation einer Niere vor. (Archivbild)

Am Universitätsspital Lausanne nehmen Ärzte eine Transplantation einer Niere vor. (Archivbild)

Keystone

(rwa) 2020 erhielten 519 Menschen hierzulande ein gespendetes Organ, wie Swisstransplant am Montag mitteilte. Trotz Coronakrise sei der grosse Einbruch bei der Organspende damit ausgeblieben. Insgesamt verzeichnete die Schweiz 17 Organspenderinnen und -spender pro Million Einwohner. «Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bleibt dieser Wert tief», betont die Stiftung.

Die Folgen sind gravierend. Letztes Jahr starben 72 Menschen, die sich auf der Warteliste für ein Organ befanden. Insgesamt warten derzeit laut Swisstransplant 1457 Menschen auf eine lebensrettende Transplantation.

Nach wie vor führt die fehlende Willensäusserung der verstorbenen Menschen laut Swisstransplant zu einer hohen Ablehnungsrate in den Spitälern. Nach Angaben der Organisation lehnen mehr als die Hälfte der Angehörigen eine Organspende ab, wenn der Wunsch der verstorbenen Person nicht bekannt ist.

Volksinitiative könnte Abhilfe schaffen

Die Organspende ist zurzeit auch Gegenstand politischer Diskussionen. Die Organspende-Initiative will einen Systemwechsel herbeiführen und aus jedem Bürger im Todesfall einen Spender machen – sofern er sich zu Lebzeiten nicht gegenteilig geäussert hat. Heute muss aktiv werden, wer Organe spenden will und einen Ausweis ausfüllen.

Der Bundesrat befürwortet zwar den Grundsatz des Volksbegehrens, hält die Umsetzung aber für zu radikal. Er hat deshalb einen indirekten Gegenvorschlag ausgearbeitet. Dieser bezieht die Angehörigen bei der Entscheidung stärker mit ein. Die Vorlage geht dieses Jahr noch ins Parlament.