SKI-WM Cortina
Katharina Liensberger rast zu Slalom-Gold – Holdener schrammt am Podest vorbei und ringt nach Worten

Es war nicht die WM von Wendy Holdener: Auch im Schlussrennen der Frauen schrammte Holdener am Podest vorbei. Mikaela Shiffrin wird als Titelverteidigerin entthront.

Gina Kern
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Seit 1991 wartet die Ski-Schweiz auf eine neue Slalom-Weltmeisterin. Die Elmerin Vreni Schneider schaffte dies als letzte Athletin 1991 in Saalbach-Hinterglemm. Am Donnerstag wurde auch Sonja Nef (Weltmeisterin 2001 St. Anton) im Riesenslalom von Lara Gut-Behrami abgelöst. Ob der Samstag in Cortina Geschichte schreibt?

Als Vierte nach dem ersten Lauf legte die Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin im Zweiten eine absolut angriffige, saubere und elegante Fahrt hin. Die Amerikanerin liess ihre ganze Klasse aufblitzen und holte sogar noch Zeit heraus. Nach Shiffrin startete die Schweizerin Wendy Holdener. Sie war Dritte nach dem ersten Lauf. Holdener wollte etwas viel, rutschte nur ein paar Tore vor dem Ziel leicht ab und verlor 36 Hundertstel auf die Amerikanerin.

Darf sich über Slalom-Gold freuen: Katharina Liensberger.

Darf sich über Slalom-Gold freuen: Katharina Liensberger.

Bild: KEYSTONE

Im Starthaus steht noch Petra Vlhova. Die Slowakin hat über eine Sekunde Vorsprung auf Shiffrin. Mit einem super konstanten Lauf und einer weiteren Sekunde Vorsprung sichert sie sich eine Medaille. Nun lastet alle Last auf der jungen führenden Vorarlbergerin Katharina Liensberger. Die Österreicherin legte eine technisch und taktisch kluge Fahrt hin und gewann überlegen Gold. Damit entthront sie Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin (+1.98) - Bronze für die Amerikanerin. Petra Vlhova musste sich mit Silber (+1 Sekunde) geschlagen geben. Katharina Liensberger sagte im Interview: «Ich freue mich sehr, dass ich im Slalom zeigen konnte, was ich kann.»

Sichtlich enttäuscht: Wendy Holdener

Sichtlich enttäuscht: Wendy Holdener

Bild: Keystone

Für Wendy Holdener blieb der undankbare vierte Schlussrang. Sie verlor 2.34 Sekunden auf Liensberger. Wendy Holdener zeigte sich im Fernsehinterview sichtlich bewegt und den Tränen nahe: «Ich weiss auch nicht. Es war einfach ein grosser Kampf. Heute war es ein Kampf mit der Piste und mit den Schneeverhältnissen. Mir fehlte die Lockerheit und das Spielerische. Ich habe mein Herz in die Hand genommen und alles gegeben.»

Tolle Leistung von Camille Rast

Ebenfalls eine tolle Leistung lieferte die Walliserin Camille Rast (21) ab. Sie zeigte im zweiten Lauf etwas Nerven, verlor drei Sekunden und kam zum Schluss auf den achten Schlussrang. Für Rast war dieses Rennen ein persönlich grosser Erfolg: «Top 10 bei der WM ist ein ganz geniales Resultat. Nach dem Kreuzbandriss und dem pfeiffrischen Drüsenfieber bin ich nun zurück und freue mich auf die Zukunft.»

Melanie Meillard (22) konnte leider für keinen persönlichen Exploit sorgen. Die jüngere Schwester von Loïc Meillard schaffte es zwar in den zweiten Lauf, schied dort aber aus.

Michelle Gisin schon im 1. Lauf out

Die WM 2021 in Cortina d'Ampezzo brachte für Michelle Gisin eine Bronzemedaille in der Kombination. Im Riesenslalom vom Donnerstag rutschte sie mit einer Medaille vor Augen über eine Bodenwelle - Gisin musste sich mit Rang elf begnügen und war sichtlich enttäuscht. Im Slalom sollte ihr Plan nun also aufgehen und eine Medaille könnte in Reichweite liegen. So ging die 27-jährige Olympiasiegerin dann auch entsprechend ins Rennen. Doch bereits im 1. Lauf nach der ersten Zwischenzeit fädelte sie bei einem Doppeltor ein und schied bitter aus.

Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen sagte sie: «Ich hatte das Gefühl, dass es gar nicht so schlecht losging. Doch dann passierte der Einfädler. Ich bin fast vier Jahre ohne Ausfall im Slalom unterwegs, irgendwann passierts einfach.»

Am Sonntag steht als Abschlussrennen dieser WM in Cortina der Slalom der Männer auf dem Programm. Der erste Lauf ist ab 9.30 Uhr auf SRF2 zu sehen, der zweite Lauf wird ab 13.30 Uhr übertragen.