Parlamentarier-Reisen
Im Zweifel für das Flugzeug: Nationalräte wollen nicht konsequent im Zug reisen

Bei einer Reisezeit unter sechs Stunden sollen auch Parlamentarier und Parlamentarierinnen künftig auf Flugreisen verzichten. Die Ratslinke im Nationalrat wollte noch weiter gehen.

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Dauert die Zugfahrt länger als sechs Stunden, können Parlamentarier weiterhin das Flugzeug nehmen. (Symbolbild)

Dauert die Zugfahrt länger als sechs Stunden, können Parlamentarier weiterhin das Flugzeug nehmen. (Symbolbild)

Keystone

Zug statt Flugzeug: Auch die Parlamentarier und Parlamentarierinnen sollen bei Reisen vermehrt auf die Schiene setzen. Der Nationalrat sprach sich am Dienstag dafür aus, dass Reisen, die im Zug weniger lang als sechs Stunden dauern, künftig per Bahn durchgeführt werden müssen. Wer trotz kurzer Strecke lieber fliegen will, muss dies neu aus der eigenen Tasche finanzieren. Auslöser für die Gesetzesrevision ist eine parlamentarische Initiative von Michael Töngi (Grüne/LU).

Er hätte eigentlich mehr gewollt. In seinem Vorstoss wollte er eine Grenze von acht Stunden setzen. Die zwei Stunden Differenz fallen ins Gewicht: Eine Reise nach Brüssel, der Schaltzentrale der EU, dauert genau zwischen sechs und acht Stunden. Aline Trede (Grüne/BE) begründet den Schritt mit einer Gleichbehandlung: Die vorgeschlagene Sechs-Stunden-Marke gelte bereits für Bundesbeamte, betonte sie.

SVP wollte sich Flugreisen nicht verbieten lassen

Deutlich zu weit geht aber selbst die jetzige, abgespeckte Vorlage, der SVP. Sie setzt auf mehr «Wahlfreiheit» zwischen Flugzeug und Bahn. Konsequent auf den Zug solle nur gesetzt werden, wenn die Reise weniger als drei Stunden dauert, plädierte Thomas Aeschi (ZG). Der Antrag blieb im Nationalrat jedoch chancenlos. Damit hätte der Bund seinen Parlamentarierinnen und Parlamentariern auch Flüge nach Mailand und Stuttgart weiterhin bezahlt.

Ohnehin gilt: Die Auswirkungen für Parlamentarierinnen und Parlamentarier halten sich in Grenzen. Gemäss einer Liste des Eidgenössischen Personalamt (EPA) muss mit der Sechs-Stunden-Regel nur bei wenigen Destinationen auf den Jet verzichtet werden. So müssen etwa Bundesreisende ab Bern nach Avignon, Bologna und Köln den Zug nehmen. Bei diesen Zielorten dauert eine Flugreise laut EPA-Berechnungen aber eigentlich sowieso länger als die Fahrt mit dem Zug. (mg/rwa)

An diese Destinationen müssen Bundesangestellte obligatorisch mit der Bahn reisen

Avignon, Bologna, Bonn, Darmstadt, Dortmund, Düsseldorf, Florenz, Frankfurt, Genua, Heidelberg, Innsbruck, Karlsruhe, Köln, Leipzig-Halle, Linz, Luxemburg, Lyon, Mailand, Mannheim, Marseille, München, Paris, Salzburg, Strassburg, Stuttgart, Turin. (mg)

Quelle: Eidgenössisches Personalamt

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