Pandemie
Bundesrat: Ab 1. Oktober sollen Ungeimpfte Coronatest selber bezahlen

Die Landesregierung kündet nach der Sommerpause keine neuen Coronalockerungen an. Der Schutz der Spitäler stehe nun im Vordergrund. Der Bundesrat will aber die Teststrategie anpassen: Neu sollen Ungeimpfte künftig selber für die Coronatests aufkommen.

Dario Pollice
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Gesundheitsminister Alain Berset und der Bundesrat rufen die Bevölkerung auf, sich möglichst schnell impfen zu lassen.

Gesundheitsminister Alain Berset und der Bundesrat rufen die Bevölkerung auf, sich möglichst schnell impfen zu lassen.

Keystone

Der Bundesrat hat sich nach einer sechswöchigen Sommerpause am Mittwoch erstmals wieder zu einer Sitzung getroffen. Auf der Traktandenliste stand die Frage, wie es in der Coronapolitik weiter gehen soll. Während die Landesregierung Ende Juni noch den Lockerungsturbo gezündet und umfangreichere Öffnungsschritte beschlossen hat, kündete sie am Mittwoch keine neuen Lockerungen an.

«Die Situation bleibt weiter recht gut, aber die Dynamik ist leider nicht sehr positiv», sagte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien in Bern. Damit sprach er vor allem die immer noch tiefe Impfquote hierzulande an. Trotzdem sei es nun an der Zeit, den Fokus der Epidemiebekämpfung neu auszurichten.

Konkret steht für den Bundesrat nun der Schutz der Spitaleinrichtungen im Vordergrund und nicht der Schutz der ungeimpften Bevölkerung. In dieser «Normalisierungsphase» setze der Bundesrat stärker auf die Eigenverantwortung. Alle Impfwilligen hätten sich bisher impfen lassen können, so Alain Berset. «Wir nehmen in Kauf, dass das Virus vor allem unter den Nichtgeimpften kursiert und die Fallzahlen weiter steigen werden.» Daher ruft der Bundesrat die Personen, die noch nicht geimpft sind, auf, sich möglichst schnell impfen zu lassen.

Eine Neubeurteilung der Lage werde der Bundesrat erst an seiner Sitzung am 1. September vornehmen. Die Massnahmen werde er allenfalls anpassen, wenn die Auswirkungen der Ferienrückkehrer besser erkennbar seien.

Keine Gratis-Coronatests mehr ab Oktober

Gleichzeitig schlägt der Bundesrat eine Anpassung bezüglich der Teststrategie vor: Ab dem 1. Oktober soll der Bund die Kosten für die Tests für asymptomatische Personen nicht mehr übernehmen. Dazu gehören auch die fünf Selbsttests, die jeder Person pro Monat gratis zur Verfügung stehen. Das heisst: Ungeimpfte, die an einer Veranstaltung teilnehmen wollen, für die ein Zertifikat vorgesehen ist, müssen den Test selber bezahlen oder sich impfen lassen. Davon ausgenommen sind Kinder bis 12 Jahre und Personen, die sich nicht impfen lassen können.

Dieser Schritt sei nicht als Druckmassnahme auf Ungeimpfte zu verstehen, um sich impfen zu lassen, sagte Alain Berset. Aber es stelle sich die Frage, wie lange die Überwälzung der Testkosten auf die Gesellschaft gerechtfertigt sei.

Auf die Frage, ob man Symptome vortäuschen könne, um trotzdem einen Gratis-Test zu erhalten, sagte Patrick Mathys vom BAG, dass dies «prinzipiell möglich» sei. «Man muss sich aber bewusst sein, dass man diese PCR-Tests nicht am Samstag um fünf Uhr nachmittags machen kann, um dann um zehn Uhr im Club zu sein», so Mathys weiter.

Vernehmlassung läuft – definitiver Entscheid am 25. August

Die Anpassung der Teststrategie schickt der Bundesrat nun zur Vernehmlassung in die Kantone und in die parlamentarischen Kommissionen. Am 25. August soll dann der definitive Entscheid getroffen werden.

Im Vorfeld der Medienkonferenz herrschte beim Bundesrat diesbezüglich Uneinigkeit. Aussenminister Ignazio Cassis stellte in einem Interview mit den Fernsehsendern dieses Verlags die Gratis-Coronatests in Frage, während Alain Berset an der bisherigen Praxis festhalten wollte. In Deutschland müssen ab dem 11. Oktober Ungeimpfte ebenfalls die Schnell- und PCR-Tests aus der eigenen Tasche bezahlen.

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