Nationales Forschungsprojekt
Klimaerwärmung: Der Schweiz droht kein genereller Wassermangel

Gegen Ende des Jahrhunderts könnte das Wasser im Sommer knapp werden. Dafür könnten Wasserkraftwerke im Winter mehr Strom produzieren, so eine Studie des Bundesamtes für Umwelt.

Peter Walthard
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Müssen bei höheren Wassertemperaturen ausweichen können: Bachforellen in der Limmat.

Müssen bei höheren Wassertemperaturen ausweichen können: Bachforellen in der Limmat.

Matthias Scharrer

Umfangreiche Untersuchungen unter Leitung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigen: Die Schweiz wird mit der Ressource Wasser in Zukunft anders umgehen müssen. Bis Ende des Jahrhunderts werden die Schweizer Fliessgewässer laut den Resultaten des Forschungsprojekts «Hydrologische Grundlagen zum Klimawandel» (Hydro-CH2018) ihr Abflussregime ändern. Weil künftig mehr Regen anstelle von Schnee fallen und nach Abschmelzen der Alpengletscher somit weniger Schmelzwasser zur Verfügung stehen wird, werden sie im Sommer rund 40 Prozent weniger Wasser führen. Dafür wird der Abfluss in den Wintermonaten gemäss den Berechnungen um rund 30 Prozent steigen.

Dies hätte Konsequenzen für die Energiewirtschaft, wie es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des Bafu heisst. Sie könnte mehr Winterstrom produzieren. Die Wasserkraft würde also dann genutzt, wenn die Stromnachfrage am höchsten ist. Im Sommer könne dafür vermehrt Solarstrom produziert werden, so das Bafu weiter. Weniger Freude an den Veränderungen dürfte die Landwirtschaft haben: In intensiv genutzten Gebieten könne das Wasser im Sommer knapp werden, warnt das Bafu. Ein Wechsel auf Kulturen, die weniger Wasser benötigten, sei hier ein mögliche Alternative.

Bachforelle und Äsche müssen ausweichen

Mit der Klimaerwärmung ändert sich nicht nur der jahreszeitliche Gang von Niederschlag und Abfluss, sondern auch die Wassertemperatur. In den Flüssen könne das Wasser bis 2100 Meter rund 5,5 Grad wärmer werden, so eine Schlussfolgerung der Untersuchung. Ausserdem könnten kleinere Gewässer regelmässig ganz austrocknen. Einheimische Fischarten wie Bachforelle und Äsche müssten dann in kältere Gewässer ausweichen können. Umso wichtiger sei die naturnahe Gestaltung der Fliessgewässer.

Ein genereller Wassermangel drohe der Schweiz allerdings nicht, heisst es in der Mitteilung weiter. Auch sei mit vermehrten Hochwassern zu rechnen, da die Heftigkeit von Starkregenereignissen mit der Temperaturerhöhung zunehme. Hier brauche es entsprechende Schutzmassnahmen wie Hochwassersperren. Weiter sei es wichtig, dass auch die Schweiz Massnahmen gegen das Fortschreiten der Klimaerwärmung ergreife, so das Bafu.

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